Vortrag

Von der Unfreiheit freier Entscheidungen im Ideologieschwellensystem DDR

Im Rahmen der Ringvorlesung "Wie schmeckte die DDR?"

Veranstaltungsreihe in Kooperation mit dem Freistaat Sachsen, der TU Dresden und dem Stadtmuseum Dresden

Details

Artikel und Bücher sind über die DDR geschrieben worden, einzelne Aspekte des Systems wurden intensiv analysiert und trotzdem hat man das Gefühl, dass sich das Phänomen „DDR“ einer gerechten Wahrnehmung zunehmend entzieht.

Einerseits neigt ein Großteil der ehemaligen DDR-Bürger zur Verklärung der Vergangenheit. Im Verhältnis zur Gegenwart scheint dann die Vergangenheit ein geradezu erstrebenswerter Zustand gewesen zu sein. Andererseits legt die Bewertung und Aufarbeitung der DDR ihren Fokus auf die verdrängten Teile der Diktaturerfahrung. Sie will und soll bewusst machen, wie verbrecherisch geschlossene Ssysteme werden können, wenn jede Form einer externen Normierung verloren geht. Wenn man als ehemaliger DDR-Bürger ausschließlich mit diesen Fakten konfrontiert und identifiziert wird, fühlt man sich missverstanden.

Beide Haltungen: Relativierung und Dämonisierung, präsentieren die extremen Pole des Umganges mit der DDR-Erfahrung. Sie werden dem damaligen Alltagserleben nicht gerecht. Nicht jeder lebte in ständiger Angst und dem Bewusstsein des totalen Überwachungsstaates. Das DDR-System war ein Ideologieschwellensystem, das besonders aktiv wurde, wenn man sich nicht systemkonform verhielt. Dann offenbarte es allerdings alle Dimensionen

eines totalitären Staates. Die (Lebens)Kunst des Einzelnen bestand darin, minimale Kompromisslinien zu finden und nicht vorauseilenden Gehorsam zu leisten. Deshalb wird es notwendig, Gewissenserforschung zu betreiben und sich zu erinnern, wie die DDR war und wie sie erlebt wurde.

Wir sollten beginnen, uns unsere Biographien zu erzählen!

Konrad Weiß (Jg. 1942) arbeitete nach dem Abitur und seiner Berufsausbildung beim katholischen Seelsorgeamt Magdeburg. Er studierte anschließend an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam. Als Regisseur für Dokumentarfilme war er für die DEFA tätig. 1989/90 saß er als Mitbegründer der Bürgerbewegung "Demokratie jetzt" mit am Runden Tisch. 1990 bis 1994 war Weiß Abgeordneter im Deutschen Bundestag und gehörte der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen an. Seit 1995 arbeitet Weiß als freier Publizist und Fimemacher. Weiß wurde 1995 mit dem Bundesverdienstorden I. Klasse ausgezeichnet. Weiß engagiert sich unter anderem auch im Kuratorium der "Aktion Sühnezeichen" und ist Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Katholischen Akademie in Berlin.

Die Ringvorlesung findet zunächst bis zum 3. Februar 2009, immer Dienstag um 20.00 Uhr, im Festsaal des Stadtmuseums Dresden statt. Auf Wunsch senden wir Ihnen gern den Flyer zur Reihe mit allen Terminen und Themen in der Übersicht zu.

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Veranstaltungsort

Stadtmuseum Dresden, Wilsdruffer Straße 2, 01067 Dresden, Eingang: Landhausstraße

Referenten

  • Konrad Weiß
    • Berlin
  • Regisseur
    • freier Publizist
    • Bürgerrechtler

Publikation

Das ganze Leben nicht mehr frei sein: Ringvorlesung: Wie schmeckte die DDR?
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Kontakt

Dr. Joachim Klose

Dr

Landesbeauftragter und Leiter Politisches Bildungsforum Sachsen

joachim.klose@kas.de +49 351 563446-0 +49 351 563446-10
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