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Veranstaltungsberichte

Alltag in der DDR und seine Strahlkraft heute

„Eisenacher Gespräch“ mir Udo Scheer (Stadtroda), Prof. Dr. Karl Schmitt (FSU Jena) und Gustav Bergemann MdL

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Im Rahmen des „Eisenacher Gesprächs“ der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., moderiert vom Landtagsabgeordneten Gustav Bergemann, referierte der Stadtrodaer Publizist Udo Scheer über den typischen Alltag in der DDR, die täglichen Sorgen und Nöte der Menschen. Neben den wirtschaftlichen Problemen, z.B. den Verfall der Innenstädte, die stetig steigende Umweltverschmutzung oder die Schwierigkeit der meisten Menschen, Waren des täglichen Bedarfs zu erwerben, gehörten zum DDR-Alltag die allgegenwärtige Entmündigung durch die Staatsmacht, Zensur und Überwachung. Von 1945/49 bis 1989 flohen 3,5 Mio. DDR-Bürger in die Bundesrepublik, es gab 200.000 politische Häftlinge, 40.000 versuchte oder erfolgreiche Grenzdurchbrüche. Zugleich wuchs die Zahl der Staatssicherheits-Mitarbeiter bis zum Ende der DDR kontinuierlich an; 1986 waren 176.000 Inoffizielle Mitarbeiter für das MfS tätig, nahezu jeder 100. Einwohner. Selbst nach der stalinistischen Terrorherrschaft in den ersten Jahren der DDR hielt die Repression an.

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Scheer mit "Neues Deutschland"
Der Referent ließ in seinen Vortrag viele persönliche Erlebnisse einfließen und präsentierte Quellen aus der DDR, etwa eine Ausgabe des SED-Zentralorgans „Neues Deutschland“ mit den vorgegebenen Losungen zum 1. Mai. Am Beispiel der Stadt Jena verwies Scheer auf den kritischen Literaturgeist in den späten siebziger Jahren - vor allem nach der Biermann-Ausbürgerung 1976 entwickelte sich die Universitätsstadt zum Zentrum der Opposition. Die Repressionen des Staates zeigten sich in einer Verstärkung des MfS-Aufgebots (auch mit Einrichtung einer eigenen Kreisstelle bei den „Carl Zeiss“-Werken) sowie in 50 Zuführungen wegen der Proteste. Insgesamt reagierte das Regime mit Zersetzungsmaßnahmen auf oppositionelle Bestrebungen: Menschen wurden kriminalisiert, es gab Anschläge auf das Leben (z.B. Freya Klier) oder Sachbeschädigungen (z.B. Autobombenanschlag bei Jürgen Fuchs) und sogar die radioaktive Verstrahlung von Personen und Gegenständen.

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Prof. Dr. Karl Schmitt
Angesichts dieser Verbrechen ist es nur schwer nachzuvollziehen, dass es noch heute eine Begeisterung für die DDR gibt. Der Jenaer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Karl Schmitt stellte entsprechende Zahlen aus dem jährlich erscheinenden „Thüringen-Monitor“ vor: So stimmten zuletzt 56 Prozent der Befragten der Aussage zu, die DDR habe mehr gute als schlechte Seiten gehabt. Je mehr Zeit seit dem Ende der DDR vergeht, desto größer wird die positive Erinnerung – nicht zuletzt aufgrund sozialer Ängste und Nöte. Ein Viertel der Thüringer sind für eine Rückkehr zur sozialistischen Ordnung, 34 Prozent sehen im Sozialismus die beste aller Staatsideen und 40 Prozent befürworten eine Verstaatlichung von Wirtschaftsunternehmen. Mit der Skepsis gegenüber der Demokratie sind auch extremistische Bestrebungen zu erklären: Während Linksextremisten der DDR nostalgisch gegenüberstehen, sehen Rechtsextremisten in der DDR den Ordnungsstaat und auch einen nationalistischen Einfluss, denn im „Sozialismus in den Farben der DDR“ habe es kaum Ausländer gegeben.

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