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Veranstaltungsberichte

(Aus) der Traum vom Eigenheim?

Die Debatte ums Wohnen aus familienpolitischer Perspektive

Veranstaltungsbericht

Der Traum vom Eigenheim ist bei jungen Menschen nach wie vor ungebrochen. Doch steigende Bau- und Immobilienpreise, sowie hohe Grunderwerbssteuern lassen diesen Traum für viele Menschen in weite Ferne rücken. Zu diesem Thema veranstaltete das politische Bildungsforum ein Webinar mit dem Titel (Aus) der Traum vom Eigenheim?. Als Referenten waren Dr. Felicitas Schikora, Referentin für Arbeitsmarkt und Soziales, Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Sabine Anhöck, Geschäftsführerin Anhöck&Kellner Massivhaus GmbH und Markus Malsch MdL, Wohnungsbaupolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, eingeladen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Tillmann Bauer. 

Frau Schikora erläuterte, dass Deutschland ein Land der Mieterinnen und Mieter sei, da die Wohneigentumsquote mit 45% deutlich unter dem europäischen Durchschnitt liege. Auch innerhalb Deutschlands gäbe es regionale Unterschiede; besonders in den neuen Bundesländern, aber auch in den Stadtstaaten, wie Berlin und Hamburg, gäbe es eine niedrigere Quote. Statistiken zeigen jedoch, dass 24% der Mieter über einen Erwerb von Wohneigentum nachdenken würden. Gleichzeitig seien die Preise in den letzten Jahren stark angestiegen bei einem durchschnittlichen Preis von 354.000 Euro für eine Immobilie, müssten Haushalte siebeneinhalb Jahre sparen. Dennoch hegen viele junge Familien den Wunsch zu bauen oder zu kaufen. Laut Frau Schikora haben Immobilien nicht nur eine Nutzungsfunktion, sondern gleichzeitig auch eine Sicherungs- und Vererbungsfunktion. Durch die Verlängerung der Ausbildungszeit bei jungen Menschen, sowie die ansteigenden Preise rücke der Kauf einer Immobilie gerade für junge Familien in weite Ferne. Entgegen der gängigen Meinung, so Frau Schikora, steigen die Preise nicht nur in den Städten und den Ballungsgebieten, sondern auch in den ländlichen Regionen. Dabei spiele besonders die Grunderwerbssteuer eine entscheidende Rolle. Als potentielle Lösungsansätze stellte Frau Schikora Maßnahmen wie die Vereinfachung von rechtlichen Rahmenbedingungen und Planungsbeschleunigungen mittels Digitalisierung vor. Weiterhin könnten die Erwerbsnebenkosten reduziert werden, sowie die Einführung von Nachrangdarlehen durch den Staat.

Auch Frau Anhöck berichtete von der nach wie vor ungebrochenen Nachfrage nach Einfamilienhäusern in Thüringen. Doch weder das Angebot nach bebaubaren Grundstücken noch zum Verkauf stehende Immobilien seien ausreichend vorhanden. Weiterhin werde die Lage in Thüringen durch die hohe Grunderwerbssteuer zusätzlich erschwert. Daher würden viele Familien bereits auf das städtische Umland ausweichen. Als einen Lösungsansatz sah Frau Anhöck Seniorenwohnen, beispielsweise in Bungalowsiedlungen, welche betreutes Wohnen anbieten. Gerade ältere Menschen möchten sich verkleinern, aber dennoch selbstständig sein. Passende Angebote könnten Familien dazu motivieren, ihr Einfamilienhaus zu verkaufen und Platz zu machen für jüngere Familien. Nur so könne der Druck auf den Immobilienmarkt entlastet werden, ohne dafür neue Baugebiete erschließen zu müssen. Frau Anhöck monierte die zahlreichen Anforderungen und Regularien, die an Neubauhäuser gestellt werden, welche die Preise zusätzlich in die Höhe treiben. Durch ein Bauen in der zweiten Reihe, sowie kleiner Grundstücke mit einer effektiveren Bebauung könne der Problematik entgegengewirkt werden. 

Herr Malsch sprach von dem Mangel an innovativen Ideen in Thüringen. Es gäbe im ländlichen Raum potentielles Bauland, aber nicht den Willen der Regierung, diese Bauflächen zu erschließen. Gleichzeitig gäbe es zu viele Regularien und Bürokratie, welche zum Beispiel Menschen davon abhalte, ein unter Denkmalschutz stehendes Haus zu renovieren. Gerade hier, so Herr Malsch, muss der Staat jungen Familien mit Förderung entgegenkommen. Wie auch Frau Anhöck, ist Herr Malsch der Meinung, dass attraktive Angebote für Rentnerinnen geschaffen werden sollten, da einige ältere Menschen ihre Häuser und Grundstücke nicht mehr bewirtschaften können. Daraus ergebe sich aber auch eine Chance für den ländlichen Raum, welche nicht verpasst werden dürfte. Zusätzlich spreche sich die CDU Thüringen für eine Senkung der Grunderwerbssteuer aus, um Familien die Finanzierung eines Eigenheims zu erleichtern. Herr Malsch monierte, dass Häuser mittlerweile wie Waren des täglichen Konsums gekauft werden. Diese Schnelligkeit der Entscheidung erhöhe den Druck auf den Markt und lasse ihn gleichzeitig weniger kalkulierbar werden. Als Lösungsansätze sieht Herr Malsch vor allem die Erschließung von Neubaugebieten auf dem Land, sowie eine damit verbundene Stärkung des ländlichen Raums, um diesen für junge Familien attraktiver zu machen. 

In der anschließenden Fragerunde monierte Frau Anhöck die Blockaden von Landesverwaltungsämtern in Städten wie Erfurt und Weimar, welche die Erschließung neuer Baugebiete im ländlichen Umkreis blockieren würden. Die Verwaltung trete oft als Vetospieler auf, da Städte ein Interesse daran haben, ihre Bevölkerung in der Stadt zu halten. Herr Malsch ergänzte, dass das Bauen in zweiter Reihe, sowie Abriss von alten Häusern zugelassen werden müsse, sodass überhaupt neue Häuser entstehen könnten. Zusätzliche brauche es Angebote, bestehend aus kleinen Einfamilienhäusern, für die Generation 50+. Gleichzeitig müsse die Infrastruktur ausgebaut werden, um jungen Familien, welche in ihre Heimat zurückkehren möchten, Angebote machen zu können. Da Eigenheimbau viel Fläche verbrauche, waren sich die Referentinnen einig, dass diese effektiver genutzt werden sollten. Reihenhäuser, Teppichhausbebauungen, sowie Bebauung auf der nördlichen Grenze könnten die Flächennutzung optimieren. Außerdem wurden Maßnahmen wie der Kinderbaulandbonus diskutiert, welche einerseits als Anreizsystem fungieren könnten, andererseits aber ein teures Mittel für den Staat sein. Frau Schikora plädierte daher dafür, Anreizsysteme für junge Menschen zu schaffen, früh Eigenkapital ansparen zu können, um dadurch den Hausbau oder –kauf zu vereinfachen. Thüringen sollte vor allem dafür sorgen attraktive Angebote zu schaffen, so Frau Anhöck, um Fachkräfte und deren Familien anlocken zu können. Daher sei es Aufgabe des Landes und der Kommunen die Rahmenbedingungen für das Wohnen und Kaufen einfacher und attraktiver zu machen, da der Standort und die Infrastruktur gerade bei jungen Menschen die Entscheidung beeinflusse. Letztlich waren sich die Referentinnen einig, dass es Thüringen nicht an Ideen mangele, sondern diese kreativ und unbürokratisch umgesetzt werden müssten, um den Traum vom Eigenheim vielen Menschen ermöglichen zu können.