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Veranstaltungsberichte

Erinnerungen eines Diplomaten:

Bundesdeutsche Botschaft in Ungarn – Zufluchtsort für „DDR-Bürger“

Wie wichtig die Auseinandersetzung mit deutsch-deutscher Geschichte ist,  zeigte ein Zeitzeugengespräch in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße, das die Konrad Adenauer Stiftung in Kooperation mit Freiheit e.V. am 04.10.2022 organisierte.

Anlässlich des Tags der deutschen Einheit hatten Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, sich genauer mit der deutsch-deutschen Fluchtgeschichte auseinander zu setzen. Zu Gast war Dr. Axel Hartmann, welcher in der deutschen Botschaft in Ungarn als leitender Mitarbeiter tätig war.

In einem Vortrag schilderte Dr. Hartmann den über 50 Gästen seine Arbeit. Von 1982 bis 1985 war er Leiter der Rechts- und Konsularabteilung an der Botschaft in Budapest. Insbeosndere in den jahren 1984/1985 suchten dort DDR-Bürgerinnen und Bürger Zuflucht, um in die Bundesrepublik (BRD) ausreisen zu können. Als Diplomat verhandelte Hartmann den „Freikauf von Flüchtlingen“, der die Ausreise in die BRD ermöglichte. Er beschrieb, wie er als Helfer ausreisewilliger DDR-Bürger agierte und mit Vetretern aus der DDR, wie Rechtsanwalt Vogel oder Gysi verhandelte. Er betonte, dass er nicht nur Systemkritikern, sondern auch Angehörigen aus Familien von SED-Funktionären bei der Ausreise half.

Er gewährte außerdem Einblicke in seine umfangreiche Stasi-Akte, berichtete von der umfassenden Überwachung seiner Wohnung und seiner Familie und erinnerte somit an das Unrechtssystem der DDR. Viele der Anwesenden konnten sich als Zeitzeugen mit den Geschichten und Berichten identifizieren und teilten in einer anschließenden Diskussion ihre persönlichen Erfahrungen. Des Weiteren beantwortete Herr Dr. Hartmann aufkommende Fragen zu genauen Abläufen seiner Arbeit und thematisierte dabei auch das Gelingen eines demokratischen Miteinanders heutzutage. Er betonte erneut die Bedeutung der Deutschen Einheit, die er während seiner Zeit als stellv. Leiter des Ministerbüros im Bundeskanzleramt 1989 bis 1991 mitgestaltete. Im Anschluss hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit miteinander ins Gespräch zu kommen und so weitere persönliche Geschichten miteinander zu teilen.