KAS/Marie-Lisa Noltenius

Veranstaltungsberichte

30 Jahre Deutsche Einheit – Erinnerungskultur in der „Berliner Republik“

von Philip Rosin

Bericht zur Veranstaltung am 12. November 2020

In Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen hat die Stiftung am 12. November das 13. Hohenschönhausen-Forum zum Thema „Erinnerungskultur“ ausgerichtet. In diesem Jahr fand das Forum in komprimierter Form als rein digitale Veranstaltung statt.

Das jährlich veranstaltete gemeinsame „Hohenschönhausen-Forum“ der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) und der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen konnte 2020 pandemiebedingt nicht in gewohnter Form stattfinden. Umso wichtiger sei es, so erläuterte Dr. Michael Borchard, Leiter der Hauptabteilung Wissenschaftliche Dienste/Archiv für Christlich-Demokratische Politik der KAS, in seiner Begrüßung, dass im dreißigsten Jahr der Deutschen Einheit zumindest eine kleine digitale Veranstaltung stattfinde. Das Thema „Erinnerungskultur“ sei im Jubiläumsjahr mit Bedacht gewählt worden, schließlich sei ohne Erinnerung der Aufbau von Identität nicht möglich. Gerade in der Bundeshauptstadt Berlin werde seit der Wiedervereinigung intensiv über das Gedenken und Erinnern diskutiert. Dabei stelle sich nicht zuletzt auch die Frage: „Wie kann Gedenken zu Formen finden, die zeitgemäß sind?“. Letztlich sei es bei Denkmälern, die auch noch ihre Wirkung entfalten sollen, wenn die Zeitzeugen nicht mehr leben, das Credo wichtig, dem auch die Werbebranche folge: Der Köder müsse dem Fisch, in diesem Falle den Betrachtern des Denkmals, schmecken und nicht dem Angler.

An einem konkreten Beispiel, dem Berliner Freiheits- und Einheitsdenkmal, wurde diese Fragestellung vertieft. Günter Nooke, ehemaliger Bürgerrechtler, 1990 Mitglied der freigewählten Volkskammer und des Deutschen Bundestags (1998-2005) skizzierte als Mitinitiator des Freiheits- und Einheitsdenkmals die wechselvolle Geschichte des Projekts von der Lancierung des Vorschlags im Jahr 1998 und der zunächst erfolgten Ablehnung des Bundestags im Jahr 2000 über einen zweiten Anlauf mit der parlamentarischen Zustimmung (2011) und einer zwischenzeitlichen Sistierung durch den Haushaltsausschuss (2016) bis hin zur erneuten Bekräftigung des Projekts durch die Regierungsfraktionen und dem Baubeginn im Mai 2000. Nooke betonte die besondere Symbolik des Ortes in der Mitte Berlins auf dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals und der Form der Gestaltung mit der „Wippe“ und den Losungen der friedlichen Revolution 1989/90 „Wir sind das Volk“ und „Wir sind ein Volk“. Manchmal, so resümierte Nooke mit Blick auf die schlussendliche Realisierung des Denkmalprojekts, „braucht es Leute, die vorangehen“.

Fragen und Kritikpunkte in Zusammenhang mit dem Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmals wurden anschließend in einem Gespräch zwischen Nooke und dem freien Journalisten Dr. Norbert Seitz diskutiert. Dabei betonte Nooke, dass es wichtig sei, neben den berechtigten Denkmälern für die Untaten der deutschen Geschichte mit der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung auch an einen positiven historischen Höhepunkt zu erinnern. Seitz wies auf Stimmen wie etwa den Sozialpsychologen und Soziologen Harald Welzer hin, die „das Zustellen der Öffentlichkeit mit Geschichte“ generell kritisch sehen.

In seinem Resümee hob der Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, Dr. Helge Heidemeyer, die Zeitabhängigkeit von Denkmalprojekten hervor, die in der ex post-Perspektive immer auch in Rechnung zu stellen sei. Darüber hinaus warb er für die Umsetzung des Bundestagsbeschlusses zur Errichtung eines Mahnmals für die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft. Mit Blick auf den anstehenden 60. Jahrestag des Berliner Mauerbaus blieben Erinnern und Gedenken auch 2021 aktuell.