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Was bedeutet der Aufstieg des Islamischen Staat (IS) für Südostasien? - Einfluss, Wahrnehmung und Reaktion

Von Marcel Schlobach

Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Südostasien mit besonderem Fokus auf Indonesien, Malaysia und die Philippinen. Ziel der Arbeit ist es, einen Überblick über die Implikationen des Aufstiegs des IS für Südostasien zu verschaffen.

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Nicht erst mit dem brutalen Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ zu Beginn diesen Jahres in Paris hat der islamistische Terrorismus weltweit erneut an Aktualität gewonnen. Bereits zuvor stand die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und deren Bemühen um ein regionales Kalifat, zunächst vor allem in Syrien und dem Irak, im Zentrum der Weltöffentlichkeit.

Im Juni 2014 nahm die sich damals noch ISIS nennende Gruppierung in kürzester Zeit weite Teile des West- und Nordwestirak einschließlich der Millio-nenstadt Mosul ein und beängstigte mit ihrer militärischen Stärke und Brutalität die Weltgemeinschaft. Als die Vereinigten Staaten im Laufe des September letzten Jahres daraufhin bemüht waren, Partner für ihre internationale Koalition im Kampf gegen den IS zu gewinnen, richtete sich ihr Fokus vor allem auf den Na-hen Osten und Europa, da diese Regionen in ihren Augen am stärksten einer direkten Bedrohung ausgesetzt waren. Doch auch wenn im Westen nicht mit viel medialer Aufmerksamkeit bedacht, sind andere Regionen der Welt ebenso nervös über die zunehmenden Aktivitäten des IS - allen voran Südostasien.

Denn bei der Situation in Syrien und dem Irak handelt es sich zwar um eine regionale Krise, jedoch mit vielfältigen globalen Implikationen, die auch vor dieser Region nicht Halt machen. Der IS besteht mittlerweile aus Kämpfern aus über 80 Ländern und verfügt nach aktuellen Schätzungen über bis zu 25.000 Mann. Die Hauptsorge der asiatischen Regierungen ist, dass die Ideologie der Dschihadisten auch in den stark musli-misch geprägten Ländern auf fruchtbaren Boden fallen könnte. Die Erinnerungen an die 1980er Jahre, als tausende junge Männer aus der Region nach Afghanistan gingen, um die Mujahedin in ihrem Kampf gegen die Sowjetunion zu unterstützen und bei ihrer Rückkehr blutige Anschläge verübten, ist noch sehr lebendig und schürt die Angst vor einem Übergreifen des Fanatismus. Nicht zuletzt die Tatsache, dass Südostasien Heimat für rund 15% der weltweiten Muslime ist, macht die Region hinsichtlich der Rekrutierung von Kämpfern aber auch der Vernetzung mit anderen islamistischen Gruppen für den IS attraktiv.

Insbesondere Malaysia und Indonesien äußern mittlerweile offen Besorgnis über die Aktivitäten des IS in ihrer Region sowie den Zulauf und den Zuspruch, den die Gruppierung in radikalen Kreisen erhält. Schätzungen vom No-vember letzten Jahres gehen davon aus, dass mittlerweile ca. 200 Indonesier, 40 Malaien und 100 Philippinos den IS im Irak oder Syrien unterstützen. Die tatsächliche Dunkelziffer liegt jedoch vermutlich deutlich höher, da indirekte Reisen über die Türkei oder auf anderem Weg nicht erfasst werden. Die Zahl könnte zu-dem mit weiteren Erfolgen des IS noch steigen. Die Sorge vor den Konsequenzen dieser Entwiclkung brachte etwa Indonesiens Polizeichef General Sutarman zum Ausdruck: "Es besteht die Möglichkeit, dass sie (die sich dem IS anschließende Kämpfer, Anm. des Verfassers) sich in der Zukunft an terroristischen Aktivitäten in Indonesien beteiligen, wie es auch die Indonesier getan haben, die sich den Mujahedin in Afghanistan angeschlossen hatten."

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