Essays - Scientific Services / Archive of Christian-Democratic Policy
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Universitätsarchiv Heidelberg, BA Pos I 912
Das politische Denken Carl Joachim Friedrichs
Zwischen Konstitutionalismus, Gemeinschaftsbildung und Totalitarismustheorie
Carl Joachim Friedrich gehört zu den prägenden Politikwissenschaftlern des 20. Jahrhunderts. Mit „Totalitarian Dictatorship and Autocracy“ konzeptionalisierte er mit dem bekannten totalitären „Syndrom“ aus Ideologie, Massenpartei, terroristischer Geheimpolizei, Planwirtschaft sowie staatlichem Nachrichten- und Waffenmonopol eine der einflussreichsten Deutungen totalitärer Herrschaft im Kalten Krieg. Doch Friedrich war weit mehr als ein Theoretiker des Totalitarismus. Sein umfangreiches Œuvre reicht von politischer Ideengeschichte und Konstitutionalismus über Verwaltungswissenschaft und Vergleichende Politik bis hin zu Fragen von Tradition, Autorität und politischer Kultur. Der Beitrag zeichnet den Lebensweg des transatlantischen Gelehrten zwischen Harvard und Heidelberg nach und zeigt, wie seine Totalitarismustheorie aus einem umfassenderen Denken über Gemeinschaft, Verwaltung und die kulturellen Grundlagen politischer Ordnung hervorging. So erscheint Friedrich als ein Denker der politischen Moderne, dessen Werk die Spannungen zwischen Freiheit, Autorität und institutioneller Stabilität auslotet.
Dr. Frank Schale
March 19, 2026
Essay
Otto-von-Bismsarck-Stiftung Friedrichsruh, A 166
Vom Mythos zum wissenschaftlichen Narrativ
Wie aus dem Kaiserreich ein „Bismarckreich“ wurde
Die Geschichte des ersten deutschen Nationalstaats ist bis heute untrennbar mit dem Namen Otto von Bismarcks verbunden. Das Bild vom „Eisernen Kanzler“ und „Reichsgründer“ geht jedoch auf einen geschichtspolitischen Mythos zurück, der schließlich auch von der Geschichtswissenschaft übernommen wurde.
Dr. Jan Markert
March 5, 2026
Essay
Picture Alliance/dpa
Februar 1956: Chruschtschows Geheimrede und die Grenzen der Entstalinisierung
Reformhoffnungen und Gewalt in der Sowjetunion und Ostmitteleuropa
Als Nikita Chruschtschow im Februar 1956 auf dem 20. Parteitag der KPdSU mit Josef Stalin abrechnete, löste er ein politisches Erdbeben aus. Seine Kritik am „Personenkult“ nährte Hoffnungen auf Reformen – und schürte zugleich Ängste vor Kontrollverlust. Von Moskau über Ost-Berlin bis Budapest zeigte sich bald: Die Entstalinisierung hatte klare Grenzen.
Robert Kindler
February 19, 2026
Essay
F.A.Z.-Foto / Wolfgang Haut
Liberalismus und Demokratie
Zur Revision der Verhältnisbestimmungen von Carl Schmitt, Ernst-Wolfgang Böckenförde und Jürgen Habermas. Eine aktualisierende Skizze.
Carl Schmitts Theorie, die Liberalismus und Demokratie strikt trennt, beeinflusst heute den geopolitischen Diskurs, insbesondere in autoritären Regimen. In Auseinandersetzung mit Schmitts Werk entwickelten Staatsrechtler in der Bundesrepublik Deutschland Gegenpositionen, die Grund- und Menschenrechte sowie die unabdingbare Verbindung von Demokratie und Liberalismus betonen. Ausgehend von diesen Autoren, plädiert der Autor für die Macht des Rechts und den Vorrang politischer Liberalität.
Prof. Reinhard Mehring
February 10, 2026
Essay
Gemma Levine/Getty Images
Was war der Cold War Liberalism?
Zur historischen Eigenart, inneren Spannung und aktuellen Relevanz eines skeptischen Liberalismus
Angesichts einer global diagnostizierten Krise des Liberalismus fragen Historiker und Politikwissenschaftler nach dem intellektuellen Erbe liberaler und konservativer Denker des 20. Jahrhunderts. Der Beitrag rekonstruiert die oft missverstandenen Ideen und Überzeugungen der Cold War Liberals zwischen Antitotalitarismus, Wertepluralismus und sozialstaatlicher Verantwortung, lotet ihre ethischen und politischen Grundannahmen aus und fragt nach ihrer Tragfähigkeit für eine Gegenwart, in der Optimismus, Fortschrittsglaube und institutioneller Konsens brüchig geworden sind.
Prof. Joshua Cherniss
February 4, 2026
Essay
picture-alliance / dpa | DB Ringier Bilderdienst
Wilhelm Röpke – Ökonom und liberaler Vordenker im Kalten Krieg
Biografie, Werk und aktuelle Bedeutung
Als einer der einflussreichsten liberalen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts trat Wilhelm Röpke früh für eine marktwirtschaftlich fundierte, kulturell verankerte und politisch widerstandsfähige Ordnung des Westens ein. Im Kalten Krieg warnte er vor totalitären Versuchungen – von rechts wie von links – und plädierte für Selbstverantwortung, Föderalismus und wirtschaftliche Vernunft. Konsequent betonte er in seinem Werk den Zusammenhang von politischer und wirtschaftlicher Freiheit.
Prof. Dr. Hans Jörg Hennecke
November 6, 2025
Essay
Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Zum 150. Geburtstag Matthias Erzbergers
Von Zeitenwenden und Lernen in der Politik
Erinnerung als Spiegel politischer Gegenwart: Anlässlich des 150. Geburtstags von Matthias Erzberger zeichnet Christopher Dowe den Lebensweg eines Wegbereiters der deutschen Demokratie nach. Erzberger war nicht nur Reformer und Parlamentarier, sondern auch Zielscheibe antidemokratischer Hetze – bis hin zu seiner Ermordung durch Rechtsterroristen im Jahr 1921. Der Artikel beschreibt seine politische Biografie unter den Perspektiven des „lernenden Politikers“ und der „Möglichkeitsfenster“, um Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Demokratiegeschichte sichtbar zu machen.
Das Scheitern der EVG: Rückblick mit Respekt, aber ohne Nostalgie
Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft war nicht lebensfähig
Nur wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs versuchten Frankreich, Großbritannien, Belgien und die Niederlande gegen die sowjetische Bedrohung eine gemeinsame europäische Armee aufzustellen, zu der auch ein wiederbewaffnetes Westdeutschland beitragen sollte. Wilfried von Bredow erläutert die unterschiedlichen Beweggründe der Beteiligten, den historischen Hintergrund, warum das Projekt scheiterte – und wieso der NATO-Beitritt der Bundesrepublik am Ende die „bessere Lösung“ war.
Wilfried von Bredow
August 12, 2025
Essay
Public Domain
Das Geheimnis der „Woken Rechten”
Gibt es eine rechte Variante von „Wokeness“?
Mit den Mitteln der Ideologiekritik vergleicht John G. Grove die Wokeness der Linken mit Denkmustern der extremen Rechten. Sie teilten eine gemeinsame Sicht auf die menschliche Natur und die Überzeugung von der Schlechtigkeit der Welt. Woke Linke und manche extreme rechte Denker verneinten, dass der Mensch in seinen Handlungen und Möglichkeiten frei sei. Sie setzen auf Kontrolle und Repression, nicht nur in der Politik, sondern auch in der Zivilgesellschaft und im Privatleben. Destruktivität und nicht das kreative Bemühen um kulturelle Erneuerung ist Grove zufolge der Handlungsmodus beider Gruppierungen. Dem gelte es mit klarem Denken und Selbstreflexion – also den Mitteln der westlichen Aufklärung – entgegenzutreten.
John G. Groove
August 5, 2025
Essay
Library of Congress/gemeinfrei
Boykott, Blockaden und Strafzölle: Wirtschaftskriege in historischer Perspektive
Vom Kolonialhandel in der Frühen Neuzeit bis zur Handels- und Zollpolitik Donald Trumps
Die Außenwirtschaftspolitik der zweiten Trump-Administration setzt die Handelspartner der USA mit der Androhung von Strafmaßnahmen unter Druck. Trumps Politik der „Deals“ scheint dabei vernünftiger als ein Wirtschaftskrieg oder gar militärische Konfrontation. Historische Beispiele belegen den Erfolg von Staaten, denen es gelang, innerhalb des wirtschaftlichen Strukturwandels eine führende Position zu behaupten, auch wenn sie nicht stets an erster Stelle der Statistik rangierten. Eine wirtschaftshistorische Betrachtung von Handelskonflikten in der Frühen Neuzeit, im 19. Jahrhundert, nach den Umbrüchen des Ersten und Zweiten Weltkriegs, im Kalten Krieg bis in die Gegenwart zeigt, wieso Wirtschaftskriege allgemeinen Schaden anrichten und vermieden werden sollten.
Prof. Dr. Werner Plumpe
July 29, 2025
Essay
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About this series
Die hier publizierten Essays befassen sich in knapper Form mit politischen und historischen Themen und stellen wissenschaftliche und publizistische Standpunkte zur Debatte.