Kein Politiker wurde in der jungen Bundesrepublik so häufig gezeichnet wie Konrad Adenauer. Karikaturen begleiteten seine Kanzlerschaft, kommentierten sein politisches Handeln und prägten seine öffentliche Wahrnehmung. Nach seinem Tod 1967 lebte die „Karikaturgestalt“ in neuen Rollen weiter. So begegnet uns Adenauer vielfach als himmlischer Bewohner, auf einer Wolke sitzend. Von dort oben konnte er das irdische Geschehen in den Blick nehmen, die Dinge kritisieren oder loben und sich dabei wundern, amüsieren oder auch nur wissend lächeln.
Anlässlich des Adenauer-Jubiläums führt die Ausstellung diese Bildtradition bis in die Gegenwart. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler aus verschiedenen Generationen greifen das Wolkenmotiv auf und entwickeln es individuell weiter. Zwischen dem ältesten Teilnehmer, Karl-Heinz Schoenfeld, geboren 1928, und der jüngsten Teilnehmerin, Luise Sturm, geboren 2005, liegen nahezu acht Jahrzehnte. Einige von ihnen haben also Adenauer noch selbst erlebt, für andere liegt seine Lebenszeit weit vor der eigenen Geburt.
Entsprechend vielfältig fallen die Antworten auf die Frage aus, was Adenauer auf seiner Wolke heute beschäftigen könnte. Thematisiert werden u. a. der Zustand der CDU und der bundesdeutschen Demokratie, das Erstarken der AfD, die Rekord-Staatsverschuldung und die marode Infrastruktur, außerdem die deutsch-französische Zusammenarbeit, die Europäische Union und die transatlantische Partnerschaft. Donald Trump, Wladimir Putin und Russlands Krieg gegen die Ukraine geraten ebenso in den Fokus wie Klimawandel, Digitalisierung und KI. Schließlich präsentiert sich uns hier auch der private Adenauer: als Rosenfreund und Gärtner, Bocciaspieler, Weintrinker und Rheinländer. So reicht das Spektrum vom Kugelsport bis zur Weltpolitik, von Rhöndorf bis Washington und von der himmlischen Wolke bis zur digitalen Cloud.
Wenige Bildtitel und bis zu fünf Hashtags pro Arbeit geben Hinweise auf Personen, Ereignisse, Zitate und politische Zusammenhänge. Sie erklären nicht die Pointe, sondern öffnen allenfalls einen Türspalt zum historischen Kontext der Darstellung. Ein Verzeichnis mit kurzen biografischen Angaben und karikierten Selbstporträts stellt die 47 beteiligten Künstlerinnen und Künstler vor.
Dem Band vorangestellt sind ein Geleitwort von Annegret Kramp-Karrenbauer und ein persönliches Vorwort des Kanzler-Enkels Konrad Adenauer. Die thematische Einführung von Matthias Krüger vor dem Katalogteil zeichnet anhand ausgewählter historischer Karikaturen die Entwicklung des Wolkenmotivs über die vergangenen sechs Jahrzehnte nach. Deutlich wird, wie Adenauer bereits vor seinem Tod zur unverwechselbaren Bildfigur wurde. Anders als ein Denkmal hält die Wolke ihn nicht fest, sondern setzt ihn in Bewegung und holt Adenauer so immer wieder in die jeweilige Gegenwart.
Bestellinformation
Der Katalogband zur Ausstellung „Adenauer auf der Wolke“ ist seit dem 17. Juli 2026 zum Preis von 18,00 € im Buchhandel (ISBN 978-3-946972-97-6) oder direkt beim Schaltzeit Verlag erhältlich.
Beteiligte Künstlerinnen und Künstler
Maren Amini, Frank Bahr, BEMMO (Benjamin Rensinghoff), BURKH (Burkhard Fritsche), Steffen Butz, Uli Döring, Rainer Ehrt, Tim Oliver Feicke, Ulrich Forchner, Annika Frank, Marcus Gottfried, Greser & Lenz (Achim Greser und Heribert Lenz), Felix Gropper, Teresa Habild, Dieter Hanitzsch, Ruth Hebler, Frank Hoppmann, Phil Hubbe, Mathias Hühn, HUSE (Björn Ciesinski), Petra Kaster, Matthias Kiefel, KITTIHAWK (Christiane Lokar), Norman Klaar, Kostas Koufogiorgos, Jens Eike Krüger, Wilfried Küfen, Dorthe Landschulz, Waldemar Mandzel, Dirk Meissner, MOCK (Volker Kischkel), Burkhard Mohr, MINÉ (Jasmin Nölling), Berthold Ritter, Heiko Sakurai, Chrissie Salz, Rainer Schade, Bettina Schipping, Karl-Heinz Schoenfeld, SOBE (Peter Zimmer), Luise Sturm, Philipp Sturm, Klaus Stuttmann, Jan Tomaschoff, Mirco Tomicek, Freimut Woessner
Order details
Editor
Konrad-Adenauer-Stiftung e. V.
Publisher
Schaltzeit Verlag
ISBN
978-3-946972-97-6
Place of publication
Berlin
Price
18,00 €
Page number
96 Seiten