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250 Jahre USA - Der ewige amerikanische Traum

Dr. Hardy Ostry, Chiara Stäbler, Helena Hubo

Hintergründe und Einordnung zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten von Amerika

Präsident Donald Trump kündigte an, der diesjährige Independence Day und die begleitenden Feierlichkeiten würden die „most spectacular Trump rally of them all“ sein. Eine Aussage, die aufhorchen lässt. Nicht nur wegen ihrer Tonalität, sondern auch, weil ein traditionell überparteilicher Feiertag, der die Nation als Ganzes feiern soll, in einen politischen Kontext gerückt wird. Fast als wäre es seine Feier. Zwischen diesen beiden Bildern – dem beinahe zeitlosen Ideal eines geeinten Landes und einer Gegenwart, in der nationale Symbole zunehmend politisch betrachtet werden – bewegen sich die Vereinigten Staaten auf ihren 250. Geburtstag zu.

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1776 – Der Beginn einer Idee

Mit einem einzigen Stück Pergament und 56 Unterschriften begann vor 250 Jahren, was Trump als die „greatest political journey in human history“ bezeichnet. Als die Gründerväter am 4. Juli 1776 in Philadelphia die Unabhängigkeitserklärung verabschiedeten, gründeten sie nicht nur einen neuen Staat. Sie formulierten eine Idee, die weit über die damaligen britischen Kolonien hinausreichen sollte: dass alle Menschen mit unveräußerlichen Rechten geboren werden, dass Regierungen ihre Legitimität aus der Zustimmung der Regierten beziehen und dass Freiheit, Gleichheit und Selbstbestimmung keine Privilegien, sondern universelle Prinzipien sind.

Diese Ideen waren damals revolutionär, und sie prägen das amerikanische Selbstverständnis bis heute. In den zweieinhalb Jahrhunderten seit der Unabhängigkeit formten sich aus den bestehenden 13 Gründerstaaten die Vereinigten Staaten von Amerika, die sich zu einer globalen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Führungsmacht entwickelten. Gleichheit wurde zum Leitbild erhoben, musste jedoch über Generationen hinweg immer wieder neu erkämpft werden. Der amerikanische Traum war deshalb nie ein abgeschlossener Zustand, sondern vielmehr ein Versprechen, das jede Generation aufs Neue einzulösen versuchte.

 

Feiern in unsicheren Zeiten: Ein Blick zurück

Dennoch wäre es falsch anzunehmen, dass die Vereinigten Staaten erstmals unter schwierigen Bedingungen Geburtstag feiern. Bereits das Bicentennial im Jahr 1976 fand in einer Phase tiefgreifender gesellschaftlicher Verunsicherung statt.

Nur zwei Jahre zuvor hatte die Watergate-Affäre Präsident Richard Nixon zum Rücktritt gezwungen und das Vertrauen vieler Amerikaner in ihre politischen Institutionen erschüttert. Gleichzeitig lag der Vietnamkrieg mit seinem ambivalenten Ende erst wenige Monate zurück. Erstmals seit Jahrzehnten sahen sich die Vereinigten Staaten mit den Grenzen ihrer außenpolitischen und militärischen Macht konfrontiert. Hinzu kamen hohe Inflation, wirtschaftliche Stagnation und eine allgemeine Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung des Landes.

Die damalige Situation unterschied sich jedoch in einem entscheidenden Punkt von der heutigen. Zwar war das Vertrauen in Regierung und Präsident erschüttert, das grundsätzliche Gefühl gesellschaftlicher Zusammengehörigkeit blieb jedoch weitgehend erhalten. Politische Konflikte richteten sich gegen Institutionen oder einzelne Politiker – nicht zwangsläufig gegen die Legitimität der politischen Gegner als Teil derselben Nation.

 

Ein Land zwischen Stolz und Skepsis

Wie also blicken die Amerikaner wenige Tage vor ihrem 250. Geburtstag auf ihr eigenes Land? Wie Daten des PEW Research zeigen, fällt die Antwort vielschichtig aus. Einerseits beschreiben viele Bürger die Vereinigten Staaten als tief gespalten und blicken mit Sorge auf ihre politische Entwicklung. Andererseits bleibt der Glaube bestehen, dass das Land seine gegenwärtigen Krisen überwinden kann. Gerade diese Gleichzeitigkeit von Optimismus und Skepsis prägt das gegenwärtige Selbstverständnis der amerikanischen Gesellschaft.

Darüber hinaus zeichnen die Daten ein bemerkenswert konsistentes Bild. Die allgemeine Stimmung in den Vereinigten Staaten wird häufig als „sour mood“ beschrieben – eine gedrückte Grundstimmung, die sich bereits lange vor der aktuellen politischen Polarisierung herausgebildet hat. Im Januar 2026 gaben 69 Prozent der Amerikaner an, mit der Entwicklung ihres Landes unzufrieden zu sein; lediglich 29 Prozent äußerten Zufriedenheit. Bemerkenswert ist dabei weniger der mehrheitlich negative Befund als vielmehr seine Beständigkeit. Bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten blickt eine Mehrheit der Bevölkerung kritisch auf die Richtung, in die sich das Land entwickelt.

 

Der American Dream - ein „unvollendetes Projekt“

Diese Haltung zeigt sich besonders deutlich beim wohl bekanntesten Element amerikanischer Identität: dem American Dream. Kaum eine Idee hat das Selbstverständnis der Vereinigten Staaten so nachhaltig geprägt wie die Vorstellung, dass jeder Mensch, unabhängig von Herkunft oder sozialem Status, durch eigene Leistung aufsteigen kann.

Über Generationen hinweg war dieses Versprechen Antrieb für Millionen Einwanderer, die ihre Heimat verließen und in Amerika auf ein besseres Leben hofften. Bis heute prägt es Familiengeschichten ebenso wie politische Debatten und das nationale Selbstbild.

Doch das Vertrauen in dieses Versprechen ist spürbar zurückgegangen. Steigende Lebenshaltungskosten, der Druck auf die Mittelschicht und die Sorge um soziale Aufstiegschancen haben bei vielen Amerikanern den Eindruck entstehen lassen, dass sich wirtschaftlicher Erfolg heute schwerer erreichen lässt als für frühere Generationen. Knapp die Hälfte der Bevölkerung glaubt dennoch weiterhin an den American Dream – wenn auch mit deutlichen Unterschieden zwischen einzelnen Bevölkerungsgruppen. Unter jüngeren Amerikanern, Frauen sowie der hispanischen und asiatisch stämmigen Bevölkerung fällt dieser Glaube etwas schwächer aus.

Der American Dream erscheint damit weniger selbstverständlich als früher, ist jedoch keineswegs verschwunden. Seine Bedeutung hat sich vielmehr verändert. Für viele steht heute weniger der spektakuläre gesellschaftliche Aufstieg im Mittelpunkt, als die Hoffnung auf wirtschaftliche Sicherheit, ein Eigenheim oder bessere Zukunftschancen für die eigenen Kinder. Das ursprüngliche Versprechen hat Risse bekommen, getragen wird es jedoch weiterhin.

 

Werte, Identität und Polarisierung

So groß der Konsens über die grundlegenden Werte der Vereinigten Staaten auch ist, über ihren gegenwärtigen Zustand herrscht deutlich weniger Einigkeit. Das 250. Jubiläum findet in einer Zeit statt, in der politische Polarisierung nicht nur den politischen Diskurs, sondern auch das öffentliche Leben stärker prägt als seit Jahrzehnten.

Besonders deutlich wird dies beim Blick auf die Zukunft der amerikanischen Demokratie. Nach einer aktuellen Ipsos-Studie glauben 64 Prozent der Amerikaner, dass die Demokratie in Gefahr ist. Gleichzeitig erwarten 77 Prozent, dass politische Gewalt in den kommenden fünf Jahren zunehmen wird.

Die Polarisierung zeigt sich jedoch nicht nur zwischen den Parteien, sondern auch besonders zwischen den Generationen. Jüngere Amerikaner blicken häufig skeptischer auf die langfristige Entwicklung ihres Landes als ältere Bevölkerungsgruppen. Sie erwarten häufiger eine weitere politische Spaltung, eine geringere Leistungsfähigkeit staatlicher Institutionen sowie schlechtere wirtschaftliche Perspektiven. Die verhaltene Begeisterung vieler junger Menschen für das Jubiläum erscheint deshalb weniger als Reaktion auf aktuelle politische Ereignisse denn als Ausdruck eines längerfristigen und tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels.

Hinzu kommt, dass politische Zugehörigkeit die Wahrnehmung des Landes heute stärker beeinflusst als noch vor wenigen Jahrzehnten. Pew Research zeigt, dass die Bewertung der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung zunehmend davon abhängt, welche Partei das das Präsidentenamt stellt. Republikaner beurteilen die Zukunft der Vereinigten Staaten deutlich optimistischer, wenn ein republikanischer Präsident regiert, während sich dieses Bild unter demokratischen Präsidenten nahezu spiegelbildlich umkehrt.

Diese Dynamik zeigt sich auch in den Feierlichkeiten selbst. Neben der bereits 2016 vom Kongress gegründeten, überparteilichen Initiative America250 entstand mit Freedom 250 eine zweite Organisation, die enger mit Donald Trump und seinem politischen Umfeld verbunden wird. Die Great American State Fair auf der National Mall in Washington D.C. soll als nationale Ausstellung die Vielfalt aller 50 Bundesstaaten präsentieren. Doch auch sie blieb nicht frei von politischen Kontroversen. Mehrere demokratisch regierte Bundesstaaten verzichteten auf eine Teilnahme. Offiziell wurden finanzielle Gründe genannt; Vertreter einzelner Staaten verwiesen jedoch zugleich auf die aus ihrer Sicht zunehmende parteipolitische Ausrichtung der Veranstaltung.

Gerade darin zeigt sich eine der größten Herausforderungen dieses Jubiläums. Manche würden sagen, nationale Symbole, die traditionell für alle Amerikaner stehen sollen, werden zunehmend von einzelnen politischen Figuren vereinnahmt. Patriotismus erscheint vielerorts weniger als national verbindendes Gefühl denn als Ausdruck politischer Zugehörigkeit.

 

Ein Jubiläum mit globaler Bedeutung

Der 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten ist jedoch weit mehr als ein nationales Ereignis. Kaum ein anderes Land prägt die internationale Ordnung, demokratische Institutionen und sicherheitspolitische Entwicklungen in vergleichbarer Art. Dies wird beispielsweise deutlich im Pariser Klimaabkommen, der NATO, oder dem Iran-Konflikt. Entsprechend aufmerksam beobachten Verbündete ebenso wie strategische Wettbewerber, mit welchem Selbstverständnis Amerika in sein nächstes Vierteljahrhundert aufbricht.

Die Vereinigten Staaten verstehen sich seit ihrer Gründung nicht nur als Staat, sondern als Idee. Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und demokratische Selbstbestimmung bildeten über Jahrzehnte die Grundlage ihres internationalen Führungsanspruchs. Dieses Selbstverständnis – häufig unter dem Begriff des American Exceptionalism zusammengefasst – verlieh amerikanischer Außenpolitik weit über ihre militärische und wirtschaftliche Stärke hinaus eine besondere Strahlkraft.

Gerade deshalb kommt dem Jubiläum auch eine besondere außenpolitische Bedeutung zu. Wenn die Vereinigten Staaten selbstbewusst für Demokratie, Freiheit und Menschenwürde eintreten, wirkt dies weit über ihre Landesgrenzen hinaus. Ebenso bleiben Zweifel am eigenen demokratischen Selbstverständnis oder an der Stabilität ihrer politischen Institutionen nicht ohne Auswirkungen auf Partner und Verbündete. Der Blick auf Amerika richtet sich an diesem Jubiläum deshalb nicht nur auf seine Vergangenheit, sondern ebenso auf seine zukünftige Rolle in der internationalen Ordnung.

 

Der Blick nach vorne

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Bedeutung des 250. Geburtstags der Vereinigten Staaten. Das Jubiläum bietet nicht nur Anlass, auf die Geschichte des Landes zurückzublicken, sondern auch darüber nachzudenken, welche Rolle seine Gründungsprinzipien heute noch spielen.

Die Geschichte der Vereinigten Staaten war geprägt von Krisen, Widersprüchen und tiefen gesellschaftlichen Konflikten. Bürgerkrieg, Weltwirtschaftskrise, Bürgerrechtsbewegung oder politische Skandale stellten das Land immer wieder vor grundlegende Herausforderungen. Dennoch blieb die Überzeugung bestehen, dass Erneuerung möglich ist.

Der 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten wird deshalb nicht allein darüber Auskunft geben, wie Amerika seine Vergangenheit feiert. Er wird vielmehr zeigen, mit welchem Selbstverständnis das Land seine nächsten 250 Jahre beginnt. Viele Menschen sind unzufrieden, besorgt und sehen sich mit alltäglichen Herausforderungen konfrontiert,  wie beispielsweise steigenden Lebenshaltungskosten, Spritpreisen und einer hohen Inflation. Dieser 4. Juli wird kein Tag uneingeschränkten nationalen Konsenses. Er wird laut, patriotisch, widersprüchlich und politisch sein – und gerade deshalb vielleicht erstaunlich amerikanisch.

Denn der amerikanische Traum war nie die Behauptung, bereits am Ziel angekommen zu sein. Seine eigentliche Kraft lag immer in dem Glauben, dass sich die Vereinigten Staaten trotz aller Rückschläge immer wieder neu erfinden können. Genau darin liegt auch 250 Jahre nach ihrer Gründung das vielleicht stärkste Vermächtnis und die herausforderndste Aufgabe der amerikanischen Idee.

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Կապի միջոցներ Dr. Hardy Ostry
Dr. Hardy Ostry
Leiter des Auslandsbüros Washington, D.C.
hardy.ostry@kas.de

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