Wie fühlt es sich an, wenn der Staat das eigene Leben bestimmt? Wenn ein kritisches Wort zur Gefängnisstrafe führt? Und wenn der Wunsch nach Freiheit als Straftat gilt? Mit diesen eindringlichen Fragen konfrontierte der DDR-Zeitzeuge Rainer Dellmuth Schülerinnen und Schüler bei Schulveranstaltungen des Politischen Bildungsforums Niedersachsen der Konrad-Adenauer-Stiftung. Stationen der Reihe waren die Marienschule Cloppenburg, das Schulzentrum Collhusen sowie die Oberschule Cappeln. Ziel war es, Geschichte nicht abstrakt, sondern durch persönliche Erfahrungen erfahrbar zu machen.
Rainer Dellmuth geriet bereits als 18-Jähriger ins Visier des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Wegen angeblicher „hetzerischer Äußerungen“ wurde im 1967 ein operativer Vorgang mit dem Decknamen „Lehrling“ gegen ihn angelegt. Einen Monat später erfolgte die erste Verhaftung – unter dem Vorwurf der „versuchten Republikflucht“ und „staatsgefährdenden Hetze“. Im Dezember 1967 wurde der Lehrling des Buch- und Flexodrucks zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Seine Haft führte ihn unter anderem in die Untersuchungshaftanstalten Gera und Berlin (Keibelstraße) sowie in die Strafvollzugsanstalt Berlin-Rummelsburg.
Nach der Entlassung nahm Dellmuth seine Ausbildung wieder auf und besuchte die Köpenicker Alexander-von-Humboldt-Oberschule, um das Abitur nachzuholen. Doch 1971 wurde er erneut vom MfS verhaftet – diesmal wegen „versuchten ungesetzlichen Grenzübertritts in besonders schwerem Fall“. Es folgten weitere Haftstationen, darunter die Untersuchungshaftanstalt Berlin-Pankow, die Strafvollzugsanstalten Rummelsburg und Cottbus sowie die Untersuchungshaftanstalt Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz).
Im November 1972 wurde Rainer Dellmuth schließlich aus der DDR ausgewiesen – seine schulischen und beruflichen Pläne waren endgültig zerstört.
In Cloppenburg, Collhusen und Cappeln schilderte Dellmuth eindringlich seinen persönlichen Weg – von jugendlicher Opposition über politische Haft bis hin zur erzwungenen Ausbürgerung. Besonders bewegte die Schülerinnen und Schüler die Frage, wie schnell ein junger Mensch allein durch kritische Worte ins Fadenkreuz eines autoritären Systems geraten konnte. In intensiven Fragerunden ging es um Mut, Angst, Anpassung und Widerstand. Viele Jugendliche zeigten sich beeindruckt von der Offenheit des Zeitzeugen und der Klarheit, mit der er über staatliche Willkür, Gefängniserfahrungen und den Wert der Freiheit sprach.
Die Veranstaltungen verdeutlichten, wie wichtig Zeitzeugengespräche für politische Bildung sind. Geschichte wird lebendig, wenn persönliche Schicksale sichtbar werden. Gerade für junge Menschen, die die deutsche Teilung nur aus dem Unterricht kennen, entsteht so ein unmittelbarer Zugang zur Bedeutung von Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und Meinungsfreiheit. Das Politische Bildungsforum Niedersachsen der Konrad-Adenauer-Stiftung setzt mit solchen Schulveranstaltungen ein bewusstes Zeichen: Die Erinnerung an die SED-Diktatur ist kein Blick zurück, sondern ein Beitrag zur Stärkung demokratischer Verantwortung in der Gegenwart.
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Hermann-Ehlers-Bildungsforum Weser-EmsTentang seri ini
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