Partisipasi-partisipasi dalam acara

Das Prinzip der "teilnehmenden Beobachtung"

Hanns-Josef Ortheil liest aus seinem jüngsten Roman

Viktorianische Sessel, ein Strauß Tulpen und ein künstliches Kaminfeuer: so einfach wird der größte Hörsaal der Universität Bonn zum behaglichen Lesezimmer. Aufgrund des großen Besucherinteresses musste die sechste gemeinsame Autorenlesung von Universität Bonn und Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) hierher verlegt werden. Kein Wunder. Gast war schließlich einer der erstaunlichsten Erzähler der deutschen Gegenwartsliteratur: Hanns-Josef Ortheil. Im Gepäck sein jüngster Roman.

Wie wichtig zeitgenössische Literatur den Bonner Geisteswissenschaftlern ist, betonte der Rektor, Professor Jürgen Fohrmann, in seinem Grußwort. Und dafür könnte es kaum einen passenderen Gast als Ortheil geben, erläutert der Leiter Kultur der KAS, Dr. Hans-Jörg Clement: „Sprache kann eine Welt erschaffen – das erging mir schon beim Titel des Romans so.“ Das Kind, das nicht fragte, so lautet dieser Titel; die autobiographisch grundierte Geschichte im mediterranen Milieu erzählt vom Leben des letztgeborenen Sohns einer kinderreichen Familie, der viel zu sagen hätte, aber kaum Gelegenheit dazu bekommt, und stattdessen zum fragenden Völkerforscher wird.

Der mit zahlreichen Literaturpreisen, zuletzt dem Stefan-Andres-Preis, ausgezeichnete Ortheil beginnt ganz bodenständig: „Guten Abend“, sagt er, „geht es gut?“ Er lächelt ins Publikum: „Ich meine jetzt: akustisch“, schiebt er nach und hat die Lacher auf seiner Seite. Bevor er aus dem Anfangskapitel seines Romans liest, erzählt er von den Parallelen zwischen der eigenen Person und der Hauptfigur Benjamin Merz. „Brüderlich nah“ würden sie einander stehen, verrät der Autor augenzwinkernd, zugleich sei sein literarisches Alter Ego manchmal „merkwürdig verschroben“.

Als der 62-Jährige zu lesen beginnt, wird es mucksmäuschenstill im Hörsaal. Aufmerksam und bald ein bisschen melancholisch lauschen die Zuhörer den Erlebnissen und Reflektionen der Hauptfigur, die möglicherweise Ortheils eigene sind. So etwas wie mediterrane Sehnsucht im Publikum erwacht spätestens in dem Moment, als Benjamin Merz aus dem Flugzeug steigt und Sizilien mit allen Sinnen erfasst: Von weicher Frühlingswärme ist da die Rede, vom Duft der Orangen, Zitronen und Kräuter. „Riechen Sie auch diese herrliche Luft?“, fragt Merz, und fast möchte mancher Bonner Zuhörer die Frage bejahen.

Der nächste Ausschnitt, den Ortheil ausgewählt hat, ist ebenso eindrucksvoll. Merz schildert seine erste Beichte, und der Autor macht keinen Hehl daraus, dass in die Passage viele persönliche Erinnerungen eingeflossen sind: Als „starke Erfahrung“ sei ihm die Beichte im Gedächtnis geblieben, als „ungeheurer Geheimnismoment“. Die Kinderfragen an den lieben Gott erscheinen denn auch ebenso authentisch wie bewegend: Den kleinen Benjamin beschäftigt es zum Beispiel, warum er nicht so gerne Fußball spiele wie die anderen Jungen, aber er möchte auch unbedingt erfahren, ob der liebe Gott auch wirklich zuhöre, wenn er bete. Im Verbund mit Ortheils klangvoller Stimme öffnet diese Szene Türen im Kopf des Zuhörers – in die eigene Kindheit und in die Welt der Fantasie.

Im abschließenden Gespräch stellt sich der Schriftsteller den Fragen der Bonner Germanistik-Professorin Kerstin Stüssel und des Leiters des KAS-Literaturreferats, Professor Michael Braun. Der Gast des Abends gibt Einblick in seine Tätigkeit als Professor für kreatives Schreiben und in seinen Lesealltag: So bekennt er, morgens niemals zu lesen, damit er sich auf die eigenen Texte konzentrieren könne; tatsächlich widme er sich der genussvollen Lektüre erst abends, wenn er seiner Frau vorlese, während sie für das Paar koche. Außerdem bedauert der Autor, kein Lyriker zu sein, und blickt auf seine Tage als junger Pianist zurück. Diese musikalische Prägung, die in seiner Literatur stets durchklingt, erklärt Hanns-Josef Ortheil mit seinem Idol, dem 1856 in Bonn verstorbenen Komponisten und Pianisten Robert Schumann: „Er war der Urtyp des Schriftstellers, der sich von der Schrift her die Musik erschlossen hat.“ Bei ihm selbst sei es umgekehrt: „im Nebeneinander von Musik und Literatur fühle ich mich am wohlsten.“

Am Ende ging Ortheil auch auf die ethnographische Schicht seines Romans ein. Er hat seinen Ethnologen nach Sizilien reisen lassen, um die Lebensgewohnheiten und Traditionen der Einheimischen zu erkunden. Doch das „Geheimnismoment“ dieser Erforschungen ist die Entdeckung der eigenen Herkunft und Lebensgeschichte gewesen. „Teilnehmende Beobachtung“: dieses ethnographische Prinzip bestimmt schließlich auch Ortheils autobiographisches Schreiben.

Die Autorin Paula Konersmann ist Altstipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung. Sie war ERASMUS-Stipendiatin an der Sorbonne IV, Paris, und arbeitet derzeit als Redakteurin bei der dreipunktdrei Mediengesellschaft.

Tentang seri ini

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Sankt Augustin Deutschland