Asset Publisher

IMAGO / JOKER
Interviews

„Die Hürden für Familiengründung sind gestiegen“

Interview mit Prof. Anna Rotkirch über sinkende Geburtenzahlen, die Rolle von Partnerschaften und gesellschaftliche Rahmenbedingungen für die Verwirklichung von Kinderwünschen

Warum entscheiden sich immer weniger Menschen für Kinder? Die Forschungsprofessorin und Direktorin des finnischen Familienverbands Väestöliitto, Anna Rotkirch, beleuchtet die Ursachen sinkender Geburtenzahlen und die wachsenden Hürden für die Familiengründung in Europa. Sie rät, über etablierte familienpolitische Maßnahmen hinauszublicken und stärker die Rahmenbedingungen in den Blick zu nehmen, die Entscheidungen für ein Kind beeinflussen.

Asset Publisher

Сподели

In vielen europäischen Ländern wird die Familiengründung aufgeschoben und immer weniger Menschen werden Eltern. Anna Rotkirch zufolge sind die Hürden auf dem Weg zur eigenen Familie in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Partnerschaften zerbrechen häufiger, bevor aus ihnen eine Familie entsteht, und für viele Menschen mit Kinderwunsch ist es schwierig, einen passenden Partner zu finden. Auch die Digitalisierung und veränderte Formen des sozialen Miteinanders könnten dazu beitragen, dass Beziehungen an Stabilität verlieren und die Unsicherheit gegenüber einer Familiengründung wächst. Zugleich zeichnen sich zunehmende soziale und wirtschaftliche Unterschiede darin ab, wer tatsächlich eine Familie gründet.

Im Interview erläutert Rotkirch, weshalb die Unterstützung von Menschen mit Kinderwunsch über die etablierten familienpolitischen Ansätze hinausgehen und bereits vor der Geburt eines Kindes ansetzen sollte. Mit Blick auf Finnland stellt sie innovative Ansätze zur Unterstützung künftiger Eltern vor. Dazu zählt Vauvasampo („Fonds für künftige Eltern“) – ein Vorschlag, bei dem für jedes neugeborene Kind 5.000 Euro angelegt werden sollen. Das angesparte Kapital würde ausgezahlt, wenn die betreffende Person später selbst ein Elternteil wird. Rotkirch betont, dass sich Geburtenraten nicht durch einzelne politische Maßnahmen auf das Bestandserhaltungsniveau anheben lassen. Vielmehr brauche es langfristig angelegte, institutionelle Strukturen und gesellschaftliche Unterstützung, um Menschen dabei zu helfen, ihre Kinderwünsche zu verwirklichen. Dafür seien nicht nur Politik und Verwaltung gefragt, sondern auch Arbeitgeber und die Gesellschaft als Ganzes.

 

Lesen Sie das vollständige Interview „Die Hürden für die Familiengründung sind gestiegen“ mit Professorin Anna Rotkirch – hier als PDF in englischer Sprache.

 

Dieses Interview wurde am 11. August 2026 von Natalie Klauser und Jacques Hermes geführt.

Asset Publisher

Контакт Natalie Klauser
Natalie Klauser
Referentin Demografischer Wandel und Gesellschaftspolitik
natalie.klauser@kas.de +49 30 26996-3746

comment-portlet

Asset Publisher