Die Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung, Annegret Kramp-Karrenbauer, machte in ihrer Begrüßung deutlich, wie wichtig die kommunale Ebene für den Alltag der Menschen sei. Sie sei „der erste Identifikationspunkt, der erste Berührungspunkt, den die Bürgerinnen und Bürger mit dem sogenannten Staatswesen“ hätten. Deswegen dürfe man Kommunalpolitik auch nicht geringschätzen. Konrad Adenauer, dessen 150. Geburtstag in diesem Jahr in zahlreichen Veranstaltungen gewürdigt wird, sei nicht nur der erste Bundeskanzler, der erste Bundesvorsitzende der CDU, der Präsident des Parlamentarischen Rates und der Präsident des Preußischen Staatsrates gewesen, „sondern vor allem eines: Kommunalpolitiker, und zwar von 1917 bis 1933 und kurzzeitig 1945 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Köln“.
Kramp-Karrenbauer betonte die großen Herausforderungen, vor denen der Lokaljournalismus stehe: eingebrochene Werbemärkte, Konkurrenz durch digitale Angebote, sinkende Abo-Zahlen, verändertes Mediennutzungsverhalten insbesondere bei den Jüngeren, zusammengelegte Redaktionen, weggefallene Stellen seien nur einige Stichworte. Zugleich gebe es aber auch positive Entwicklungen: „Zunehmend sind neue Akteure im lokalen Journalismus unterwegs“, die beispielsweise lokalpolitische Blogs, regionale Podcasts und andere innovative Formate gründen und betreiben. „Nicht immer, aber oft wird auch hier sehr gute lokaljournalistische Arbeit geleistet“, so Kramp-Karrenbauer. Die Jury stehe künftig noch stärker vor der Herausforderung, diese neuen Akteure auf dem Schirm zu haben – und zugleich sicherzustellen, dass auch bei diesen Bewerbungen journalistische Standards eingehalten werden und Journalismus und Aktivismus klar voneinander getrennt sind.
„Durch Nähe entsteht Vertrauen“
Die Festrede hielt in diesem Jahr Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen. Er machte deutlich: „Journalistinnen und Journalisten begleiten kommunalpolitische Entscheidungen, stoßen Debatten an und stiften Identität. Wo frei berichtet, gefragt und geprüft werden kann, bleibt eine Gesellschaft offen, streitbar und lernfähig.“ Das seien Errungenschaften, die nicht selbstverständlich seien. Gerade in Zeiten von Desinformation und KI-erzeugten Deepfakes gewinne das Vertrauen in glaubwürdige Medien wieder an Bedeutung. „In der menschlichen Nähe liegt die größte Stärke des Lokaljournalismus“, so Liminski. Lokale Reporterinnen und Reporter verfügten über große Expertise. „Wenn sie sorgfältig über ihr Viertel, ihre Stadt und ihre Region berichten, können Menschen die Fakten selbst in ihrer Lebensrealität überprüfen. Diese Glaubwürdigkeit kann kein anonymer Algorithmus bieten. Durch Nähe entsteht Vertrauen. Gerade junge Menschen folgen eher Menschen als Marken“, ist der nordrhein-westfälische Medienminister überzeugt.
Die Verlage nahm Liminski in die Pflicht: „Mir ist bewusst, dass Medienhäuser vor großen wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen stehen. Umso wichtiger ist es, bei notwendigen Veränderungen die Folgen für die Beschäftigten ernst zu nehmen und tragfähige Perspektiven zu eröffnen.“ Medienhäuser müssten auch in schwierigen Zeiten Verantwortung für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen und sich klar zur publizistischen Verantwortung vor Ort bekennen. „Die Zukunft des Lokaljournalismus entscheidet sich nicht allein an wirtschaftlichen Kennzahlen, sondern auch daran, wie wir mit den Menschen umgehen, die ihn täglich möglich machen“, so der Minister. Und er betonte: „Die Übermacht der US-Plattformen fordert uns heraus.“ Internationale Tech-Konzerne, die in Europa Geld verdienen wollen, könnten das gerne tun – aber nach europäischen Regeln. „Diese Regeln müssen konsequent durchgesetzt werden“, so Liminski.
Große Themenvielfalt bei den Einsendungen
Im Anschluss würdigte die Sprecherin der Jury, Jana Klameth, die Preisträger des Jahres 2025. Insgesamt hatte es 281 Einsendungen gegeben, darunter 38 für den Volontärswettbewerb. Klameth machte deutlich, dass sich die Qualität – wie in den Vorjahren – sehen lassen konnte. Die sechsköpfige Jury habe „wieder viel interessanten Lesestoff für viele lange Abende und die Qual der Wahl zur Jurysitzung“ gehabt.
Turnusgemäß scheidet Klameth zum Jahresende als Jury-Sprecherin aus. Sie ließ die zurückliegenden sechs Jahre Revue passieren: Als sie erstmals in die Jury kam, sei es vor allem darum gegangen, die gedruckte Zeitung ins Digitale zu übersetzen. „Heute dagegen stehen wir vor grundsätzlichen Fragen, bei denen es um das Fortbestehen der Branche geht“, so Klameth. „Wenn Mantel- und Lokalredaktionen zusammengelegt werden und immer weniger Reporter in die Gemeinderäte oder zu den Menschen vor Ort geschickt werden können, drohen in unserem Land weiße Flecken der Berichterstattung“, warnte sie. Der Aufstieg der Künstlichen Intelligenz greife die Geschäftsgrundlage der Verlage an, weil KI-Suchmaschinen „auf Knopfdruck die aufwendigen, teuer finanzierten und oft monatelangen investigativen Recherchen unserer Redaktionen abgreifen und als kostenlose Antwort ausspucken“. Aber: „Wenn es kein journalistisches Geschäftsmodell mehr gibt, gibt es irgendwann keine Journalisten mehr, die Informationen beschaffen, auf die die KI zugreifen kann.“
„Guter Lokaljournalismus hat eine Zukunft“
Den Sonderpreis für Volontärsprojekte erhielten sechs Volontärinnen und Volontäre der Freien Presse Chemnitz für ihr Projekt „Gehen oder Bleiben“, in dem sie den Jüngeren eine Stimme geben, für die diese Frage allgegenwärtig ist. „Starke Geschichten über junge Menschen, ein innovatives und ansprechendes Format“, lobte die Jury. Es sei „ein rundum gelungenes Projekt“, das zeige: „Guter Lokaljournalismus hat eine Zukunft.“
Der dritte Preis ging an Thomas Jander vom Berchtesgadener Anzeiger für „80 Jahre Kriegsende in Berchtesgaden“ und würdigte damit die herausragende Arbeit einer sehr kleinen Redaktion. Jander, einer von insgesamt nur vier Reportern in der Redaktion, hatte sich in diesem Jubiläumsjahr Großes vorgenommen: In Kooperation mit dem Dokumentationszentrum Obersalzberg entwickelte er die Idee eines „Tickers“ rund um das Kriegsende, der über einen Zeitraum von knapp drei Wochen schilderte, was genau vor 80 Jahren in und um Berchtesgaden passiert war. „Damit hat die Redaktion einen Nerv getroffen. Ihr ist es gelungen, die Erinnerungen lebendig zu halten und viele Aspekte zu beleuchten, die heute kaum noch jemand kennt“, so die Jury.
Mit dem zweiten Preis wurden Michael Kipp und Lukas Taskiran von der Saarbrücker Zeitung für ihre investigative Recherche zur „NVG-Affäre“ ausgezeichnet. Die beiden hatten Hinweise auf Unregelmäßigkeiten im Umgang mit öffentlichen Mitteln bei der Neunkircher Verkehrsgesellschaft erhalten und mit ihren Recherchen begonnen. „Dass sie dabei nicht bei dem Grundskandal – den kostenlosen Busfahrten – stecken geblieben sind, sondern nach und nach strukturelle Missstände und ein jahrzehntelanges System von Missbrauch öffentlicher Mittel aufdeckten, das macht diese Recherche so außergewöhnlich“, würdigte die Jury. Die Arbeit beweise, „dass die lokale Presse ihrer Wächterfunktion gerecht werden kann, ihr gerecht werden muss und genau das auch tut“.
„Essenz einer lebendigen Zivilgesellschaft“
Der erste Preis ging an den Kölner Stadt-Anzeiger, der in diesem Jahr auch seinen 150. Geburtstag feiert, für seine Serie „100 Ideen für Köln“ zur Kommunalwahl. Anlässlich der Wahl stellte die Redaktion nicht die kandidierenden Politikerinnen und Politiker, sondern die Bürgerinnen und Bürger sowie deren konkrete Visionen für eine lebenswerte Stadt in den Mittelpunkt. „Die Redaktion ist zum Akteur geworden, hat selbst das Thema gesetzt und das Stadtgespräch bestimmt“, lobte die Jury. Die Serie sei ein herausragendes Beispiel, wie Regionalzeitungen zu einer lebendigen Demokratie vor Ort beitragen und die Menschen direkt mit einbeziehen können. Gerald Selch, Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers, betonte: „Wir sind sehr stolz – auf diese Auszeichnung und auf unsere Leserinnen und Leser. Ihr Engagement und ihre Kreativität haben nicht nur unsere Serie gelingen lassen, sondern sie sind auch die Essenz einer lebendigen Zivilgesellschaft.“
Deutscher Lokaljournalistenpreis 2025 – 1. Preis: 100 Ideen für Köln
Deutscher Lokaljournalistenpreis 2025 – 2. Preis: Investigative Recherche zur „NVG-Affäre“
Deutscher Lokaljournalistenpreis 2025 – 3. Preis: 80 Jahre Kriegsende in Berchtesgaden
Deutscher Lokaljournalistenpreis 2025 – Sonderpreis: Gehen oder Bleiben