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Das Ende der Rohstoffpartnerschafts-Illusion?

nga Jakob Kullik, Yilmaz Akkoyun, Viktor Frank

Die bilateralen Rohstoffpartnerschaften Deutschlands mit der Mongolei und Kasachstan im Fokus – Bilanz und mögliche Weichenstellungen nach vorne

Das Papier liefert eine nüchterne, faktenbasierte und zugleich strategisch zugespitzte Bilanz von knapp 15 Jahren deutscher Rohstoffpartnerschaften mit der Mongolei und Kasachstan. Dabei wird auch die Frage gestellt, ob dieses Instrument in seiner bisherigen Form den geopolitischen Realitäten überhaupt noch gerecht wird. Dabei zeigt es klar, dass zwischen politischem Anspruch und wirtschaftlicher Wirklichkeit eine erhebliche Lücke besteht. Es gibt weder konkrete Projekte noch Lieferbeziehungen, in denen die Partnerschaften die erhoffte Wirkung entfalten konnten. Die strukturellen Abhängigkeiten, insbesondere von China, bestehen fort. Auf dieser Grundlage entwickelt das Papier keine abstrakte Kritik, sondern leitet konkrete strategische Optionen für die deutsche und europäische Rohstoffpolitik ab – von einem „Weiter so“ bis hin zu einer deutlich ambitionierteren, integrierten geoökonomischen Strategie. Damit soll die Analyse Impulse für eine realistischere, interessengeleitete und operativ unterlegte Rohstoffpolitik geben, die politische Steuerung, wirtschaftliches Engagement und geopolitisches Denken stärker zusammenführt.

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Shpërndaj

Vor 15 Jahren, im Jahr 2011, schloss die Bundesrepublik Deutschland unter Bundeskanzlerin Angela Merkel die erste bilaterale Rohstoffpartnerschaft mit der Mongolei. Im Jahr darauf, 2012, wurde die zweite Rohstoffpartnerschaft mit Kasachstan initiiert. Seither zählt das Instrument der bilateralen strategischen Rohstoffpartnerschaft zum Kerninstrumentarium der deutschen und EU-Wirtschafts- und v.a. Rohstoffpolitik. In den letzten Jahren wurden die deutschen Rohstoffpartnerschaften u.a. auf Kanada, Australien, Chile, Peru, Ghana, Brasilien und Usbekistan ausgeweitet.1 Die gegenwärtigen geopolitischen Herausforderungen rund um kritische und strategische Rohstoffe, globale Lieferkettenrisiken und strukturelle Abhängigkeiten von dominanten Akteuren wie China lassen Rohstoffpartnerschaften als geeignetes Politikinstrument erscheinen. Sobald von der Diversifizierung von Lieferquellen die Rede ist, werden neue Partnerschaftsabkommen mit rohstoffreichen Staaten auf den Weg gebracht.

 

Doch hält das politökonomische Instrument einer Rohstoffpartnerschaft in der Praxis, was es verspricht? Sind strategische Rohstoffpartnerschaften tatsächlich ein wirksames Instrument der Politik, um neue Bezugsquellen für die deutsche und europäische Industrie und unseren Mittelstand zu erschließen und Rohstoffprojekte mit lokalen Partnern zu initiieren, die eine größere Wertschöpfung vor Ort schafft? Wurde mithilfe der Rohstoffpartnerschaften die massive Abhängigkeit Deutschlands von Rohstoffimporten aus China verringert beziehungsweise haben wir unseren Zugang diversifiziert? Am Beispiel der ersten beiden Rohstoffpartnerschaften zwischen Deutschland und der Mongolei und Kasachstan soll diesen Fragen nachgegangen und Handlungsempfehlungen für eine aktive Rohstoffpolitik Deutschlands erschlossen werden.

 

Das Analyse-&-Argumente-Paper verfolgt damit zwei Ziele: Erstens soll eine möglichst fundierte Bestandsaufnahme zur Bilanz der beiden Rohstoffpartnerschaften seit deren Inkrafttreten erstellt werden. Nach 15 Jahren ist es höchste Zeit, dass bei diesem Politikinstrument Klarheit darüber herrscht, was es zu leisten imstande ist, was nicht funktioniert und wo Potenziale aktiviert werden können. Zur Leistungsbilanz gehört auch die weiterführende Analyse der Ursachen für die etwaige Nichterreichung von Zielen. Zweitens dient die Analyse als Grundlage für praktische Handlungsempfehlungen vorrangig an die Adresse der deutschen, aber auch europäischen Politik. Im politischen Berlin muss die Frage beantwortet werden, ob und in welcher Weise das Instrument der bilateralen Rohstoffpartnerschaft in Zukunft angewendet werden soll. Grundsätzlich sind drei Politikoptionen mit unterschiedlich starkem politischem Engagement der Bundesregierung denkbar: Option 1: „Status-quo-Politik mit unveränderter Umsetzungsintensität“, Option 2: „Strategische Intensivierung und operative Unterlegung der Rohstoffpartnerschaften“ oder Option 3: „Integrierte geoökonomische Rohstoffstrategie mit systemischer Wertschöpfungsbindung“.

Die Analyse basiert in methodisch-analytischer Hinsicht auf zwei Säulen: zum einen auf einer umfassenden Analyse einschlägiger Fachpublikationen und Primärquellen (Literaturrecherche), und zum anderen auf qualitativen Leitfadeninterviews. Dazu wurden Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern, Unternehmen, wissenschaftlichen Institutionen und internationalen Partnern am Rande des Mongolia-EU Business and Investment Forums 2025 im Oktober 2025 in Ulaanbaatar sowie in Almaty geführt.

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