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kurzum - Globale Ungleichheit – auf dem Vormarsch?

од Matthias Schäfer, Astrid Pape
Der französische Ökonom Piketty hat mit seiner Forschung zur Entwicklung der globalen UngleichheitSchlagzeilen gemacht. Die Einkommensungleichheit steige seit 1980 in quasi allen Ländern der Weltund habe in Deutschland das Niveau von 1913 erreicht. Aber bedeuten die Ergebnisse tatsächlich,dass die Ungleichheit global steigt und sind die Ergebnisse so unmissverständlich wie es den Anscheinhat? Unsere Antwort ist Nein! Dieses Kurzum stellt fünf Fakten zur Debatte zusammen.

1. Worum geht es?

Eine internationale Forschungsgruppe um den französischen Ökonomen Thomas Piketty hat im

Rahmen des Projekts World Wealth & Income Database (WID) Einkommensdaten für die letzten

100 Jahre zusammengestellt, analysiert und bedenkenswerte Ergebnisse berechnet. Die Einkommensanteile

der einkommensstärksten einen und zehn Prozent der Bevölkerung haben sich in fast

allen Ländern in den letzten dreißig Jahren erhöht, besonders stark in den USA und China. Die

Autoren ziehen daraus den Schluss, dass Handlungsbedarf besteht und fordern stärkere Steuerprogression,

Mindestlöhne und Investitionen in Bildung.

2. Wie angreifbar ist die Methodik?

Die Ungleichheit innerhalb eines Landes wird über den Anteil der einkommensstärksten Perzentile

gemessen. So ist leicht verständlich was gemessen wird, denn haben Wenige immer mehr, dann

steigt eindeutig die Einkommensungleichheit. Es wird aber nicht einbezogen, dass sich auch das

gesamte Einkommen eines Landes im gleichen Zeitraum erhöhen kann. Ein zunehmender Wohlstand

macht es gesellschaftlich „akzeptabler“, dass es gleichzeitig zu einer zunehmenden Konzentration

bei den Bestverdienenden kommt. Beispiel China: Zwar hat sich der Anteil der einkommensstärksten

Perzentile am Gesamteinkommen erhöht, gleichzeitig ist die chinesische Wirtschaft aber

so stark gewachsen, dass auch große Teile der ärmeren Bevölkerung ihren Lebensstandard verbessern

konnten.

3. Bedeuten höhere Einkommensanteile der obersten Einkommensschichten, dass der Lebensstandard der restlichen Bevölkerung sinkt oder die Armut steigt?

Nein, nicht zwangsweise. Betrachtet man global, wie sich das Einkommen der ärmsten Bevölkerungsschicht

entwickelt hat, lassen sich durchaus Erfolge verzeichnen. Der Anteil der Weltbevölkerung,

die von weniger als US$ 1,90 am Tag lebt, hat sich seit 1990 von 35 Prozent auf 10,7 Prozent

im Jahr 2013 deutlich verringert. Damit konnten sich rund 1,1 Mrd. Menschen aus extremer

Armut befreien.

4. Was bedeuten die Ergebnisse also für die globale Ungleichheit?

Der Internationale Währungsfond (IWF) hat sich im Oktober 2017 in seinem aktuellen Fiscal Monitor

ebenfalls Ungleichheit als Thema vorgenommen und kommt zu einem positiven Ergebnis: Die

globale Ungleichheit, dort gemessen durch den Gini-Koeffizienten, ist fallend. Damit kalkuliert der

IWF Ungleichheit auf Basis aller Einkommen. Es zeigt sich, dass die Ungleichheit zwischen den Ländern

abgenommen, die Ungleichheit innerhalb vieler Länder aber zugenommen hat.

Insbesondere in den entwickelten Ländern ist ein Trend zu höherer Einkommenskonzentration zu

beobachten. Europa ist dabei aber noch immer der Teil der Welt mit der geringsten Einkommensungleichheit.

Die Sozialstaaten leisten also einen wichtigen Beitrag gegen Armut und die Situation

heute ist nicht vergleichbar mit der des Jahres 1913.

5. Was sind die Ursachen für die steigende Ungleichheit?

Grundsätzlich gilt, dass die Ursachen sehr oft landesspezifisch sind, auch wenn sich Muster finden

lassen. Der IWF identifiziert zum einen weniger Progression im Steuersystem. Seit 1981 haben die

durchschnittlichen Höchststeuersätze in entwickelten Ländern um vierzig Prozent abgenommen.

Weitere Ursachen liegen im technologischen Wandel, dem damit einhergehenden Strukturwandel

und sich nur langsam anpassenden Bildungssystemen.

Fazit: Die Arbeit von Piketty leistet einen wertvollen Beitrag, denn sie ermöglicht die Betrachtung

von Einkommen in vielen Ländern über einen langen Zeitraum hinweg. Entwicklungen, wie sie in

vielen reichen Ländern zu beobachten sind, müssen aber genauer und Schlussfolgerungen auf globale

Trends mit Vorsicht betrachtet werden.

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Matthias Schäfer

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Leiter des Auslandsbüros in Shanghai/China

Matthias.Schaefer@kas.de +86 21 6249-8511

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