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„Widerfahrnis“

KAS-Lesung von Bodo Kirchhoff an der Bonner Universität

Ein merkwürdiges Wort, „Widerfahrnis“. Heidegger hat es verwendet, in Grimms Wörterbuch (1960) wird es als „accidens“ erklärt, als ‚etwas, das einem zustößt‘. Bodo Kirchhoff verwendet das Wort in einem politischen und einem spirituellen Sinn. Seine Novelle „Widerfahrnis“, 2016 erschienen und gleich mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet, handelt von der ungeplanten Begegnung Europas mit der Flüchtlingserfahrung.

Der 1948 geborene Autor stellte, eingeführt durch Prorektor Klaus Sandmann und durch Susanna Schmidt (Leiterin Begabtenförderung und Kultur der KAS), die Novelle im gut gefüllten Hörsaal 1 der Universität vor. Es geht um die Italienreise eines alternden Paares, des Ex-Verlegers Reither, dem die Leser seiner Bücher, und der ehemaligen Hutmacherin Leonie Palm, der die Gesichter zu ihren Hüten abhandengekommen sind; zudem hat jeder von ihnen die Tochter verloren. In Sizilien läuft ihnen ein Mädchen zu, „scheu, verstummt, starr“, das Paar nimmt es mit, es kommt zu Komplikationen und schließlich zum Eklat. Mit großem Sinn fürs Darstellen und Erzählen präsentierte Kirchhoff die zeitweilige Schicksalsreise dieser unheiligen Familie und sparte in den vorgetragenen Kapiteln die politische Dimension nicht aus: Wie gehen wir mit denen um, die als Fremde nach Europa flüchten – moralisch, sozial und individuell? Gibt es eine gemeinsame Sprache, oder wenigstens eine Erfahrungsgrundlage für die Begegnung mit den Afrikaflüchtlingen? Wer bestimmt die Grenzen der Empathie?

Im Gespräch mit den Germanisten Kerstin Stüssel (Universität Bonn) und Michael Braun (KAS) gab Kirchhoff Auskunft über die Entstehung und die Wirkung seines Buchs. Am Anfang habe eine Figur gestanden, der abgehalfterte Verleger, dann seien der realistische Ton und die Flüchtlingsgeschichte entwickelt worden. Und wenige Monate nach Erscheinen des Buches habe ihn eine begeisterte Leserin angeschrieben, eine Hutmacherin aus Aachen, namens Leonie Palm. Zeitgeschichte und die Geschichte im Roman gehören zusammen. „Zeitgenosse, Zeitgenossin sein und trotzdem, auf die Literatur setzend, erzählen, Legenden bilden, Romane schreiben “, so erklärt es Bodo Kirchhoff in seinen Poetikvorlesungen „Legenden um den eigenen Körper“ (1995).

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Berlin Deutschland