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Es geht nicht nur um die Fassade

Denkmalschutzforum zum Rekonstruktions-Trend

Gebaute oder konstruierte Geschichte – dieser Frage hat sich das Denkmalschutzforum der Konrad-Adenauer-Stiftung mit seiner jüngsten Veranstaltung gewidmet. In einer großen Expertenrunde wurde dabei nicht nur die zunehmende Tendenz zur Rekonstruktion historischer Bauten wie beispielsweise dem Berliner Stadtschloss diskutiert, sondern auch vor einer Vernachlässigung der Bauwerke der Adenauer-Ära gewarnt.

Zur Eröffnung des Forums nannte es Staatssekretär a.D. Dr. Volkmar Köhler bedenklich, wenn der bewundernde Blick auf Bauwerke nur in die Vergangenheit geht und somit die Baukunst der Gegenwart abwertet. Er warnte vor einem neuen Historismus im Denkmalschutz.

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Staatssekretär a.D. Dr. Volkmar Köhler

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, Prof. Dr. Gottfried Kiesow, führte im Anschluss verschiedene Beispiele für den Wiederaufbau von Denkmälern in Deutschland vor. Er betonte, dass die reine Wiederherstellung von Fassaden ein zu niedrig angesetztes Ziel sei. Die Architektur werde durch solch ein Vorgehen beliebig, wie der Fall des Braunschweiger Schlosses zeige. Dieses wurde 1960 als Kriegsruine abgerissen. Zwischen 2005 und 2007 beschloss der Stadtrat eine Umkehr und ließ Teile der Schloss-Fassade für den Neubau des Einkaufszentrums „Schloss-Arkaden“ rekonstruieren.

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Prof. Dr. Gottfried Kiesow, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz

Als gelungene Beispiele für Wiederaufbau-Projekte zeigte Kiesow unter anderem den Prinzipalmarkt in Münster und die Martinskirche in Kassel. Hier sei es gelungen, die Erinnerung an teilweise zerstörte Baukunst mit zeitgenössischen Mitteln wiederherzustellen und typische Epochenmerkmale nach gegenwärtigem Architekturverständnis zu variieren. Parallel zu den Wiederaufbau-Projekten rief er aber auch den Erhalt von Originalschlössern in Erinnerung. Ein Bruchteil des Budgets, mit dem Rekonstruktionen oft ausgestattet sind, würde hier ausreichen, um historische Bausubstanz vor dem Verfall zu bewahren.

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Landeskonservator Prof. Dr. Jörg Haspel, Landesdenkmalamt Berlin

Landeskonservator Prof. Dr. Jörg Haspel vom Landesdenkmalamt Berlin gab in seinem Vortrag zu bedenken, dass es nicht die Aufgabe des Denkmalschutzes ist, Rekonstruktionen zu verhindern. Vielmehr gehe es darum, Schaden von einem Denkmal abzuwenden, wenn es beispielsweise durch einen Neubau kompromittiert wird. Er betonte, dass historische Zeugnisse nach ihrer Zerstörung nicht mehr nachwachsen können. Als gelungene Beispiele im Umgang mit zerstörten oder verfallenen Denkmälern in Berlin nannte er die Gestaltung des Pariser Platzes sowie die Gedenkkapelle, die am ehemaligen Standort der Versöhnungskirche in der Bernauer Straße errichtet wurde.

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Renate Blank MdB und Landeskonservator Dr. Gerd Weiß, Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Im Anschluss an die Vorträge wurde das Diskussionspodium eröffnet, in dem neben den drei Vortragenden auch noch Renate Blank MdB, Mitglied im Bundestagsausschuss Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, sowie Landeskonservator Dr. Gerd Weiß vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen saßen. Die Moderation der Runde übernahm Dr. Dieter Bartetzko aus der Feuilleton-Redaktion der FAZ. Auf seine Frage, ob Denkmalpfleger mit ihren Anliegen nicht manchmal etwas abgeschlossen im Elfenbeinturm säßen, antwortete Renate Blank, dass diese Anliegen meist stark die Emotionen der Bevölkerung hervorrufen und damit keinesfalls weltfremd seien.

Diese Aussage sollte bald bestätigt werden, als sich die Diskussion auf das Berliner Stadtschloss fokussierte. Blank verteidigt die Rekonstruktionspläne gegen die Bedenken von Haspel und Kiesow, die kritisierten, dass mit diesen Plänen Teile der Erinnerung an die Geschichte der Spreeinsel weggewischt würden. Kiesow warnte davor, die Nachkriegsbauten und gegenwärtige Architektur unterzubewerten. Eine vermittelnde Position nahm Dr. Köhler ein, der daran erinnerte, dass sich in vielen Fällen die Förderung von Gegenwartsarchitektur mit der „behutsamen Heilung der architektonischen Wunden nach dem Weltkrieg“ vereinbaren ließe.

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