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Hoffnungsloser Kampf gegen die „Stasi-Maschine“

Theater-Produktion „Novembre, déjà“ in der Akademie der KAS

Ein harter Stuhl, ein kleines Quadrat aus Klebeband, eine Lautsprecher-Stimme – so sieht eine Zelle des Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen in der französischen Theater-Produktion „Novembre, déjà“ aus. Bei einem Gastspiel in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung ließ die Schauspielerin Jennifer Decker in dieser Zelle den wortwörtlichen Wahnsinn von Hohenschönhausen noch einmal greifbar werden.

Decker spielt Sylvia Silbermann, eine westdeutsche Studentin, die wenige Monate vor dem Zusammenbruch der DDR in Stasi-Haft gerät. Zuvor hat sie die Identität mit ihrer Halbschwester Heike Müller getauscht, einer in Ost-Berlin aufgewachsenen Journalistin, die belastende Fotos in den Westen schmuggeln wollte.

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Suche nach Identität: Jennifer Decker, im Hintergrund als Heike Müller, auf der Bühne als Sylvia Silbermann

Namen spielen jedoch schon bald keine Rolle mehr, Sylvia ist Häftling Nummer 606 und bleibt es auch, als die Stasi die Täuschung erkennt. In endlosen Verhören versucht ein Stasi-Offizier, mehr Informationen über Heikes Aufenthaltsort und Ziele aus Sylvia herauszubekommen.

Die psychologischen und körperlichen Folgen der Haftbedingungen im Stasi-Gefängnis stehen im Zentrum der Darstellung. Während sie in den Verhören schweigt, entwirft Sylvia in der langen Zeit der Isolationshaft immer neue, verstörende Visionen über den Verbleib der Halbschwester, bis sie schließlich einen Selbstmord-Versuch unternimmt.

Die Inszenierung von Manon Heugel – die das Stück auch geschrieben hat – unterstreicht das Gefühl der Isolation und des langsam aufkeimenden Wahnsinns. Jennifer Decker ist stets alleine auf der Bühne, die Stimme des namenlosen Stasi-Offiziers kommt aus dem Lautsprecher, die Visionen über die Halbschwester werden mit Video-Projektion an die Rückwand geworfen.

Sylvias Gespräche sind also letztlich nichts als ein endloser Monolog, eine Beschäftigung mit sich selbst, ohne Auswirkung auf ihr Umfeld oder ihr Schicksal. Während sich ihre Geschichte auf der Bühne entwickelt, sind alle Fragen, alle Verhaltensweisen der „Stasi-Maschine“ bereits von Beginn an unausweichlich festgelegt.

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Das Künstler-Kollektiv Block n’ Fall mit Regisseurin und Autorin Manon Heugel (2.v.r.)

Regisseurin Heugel und Schauspielerin Decker sind Teil des achtköpfigen Künstler-Kollektivs Block n’ Fall, das seine Wurzeln in Deutschland und Frankreich hat. Es macht den besonderen Reiz der Inszenierung aus, dass sie die deutsche Geschichte durch den Blick von jungen, größtenteils nicht in Deutschland aufgewachsenen Künstlern aufarbeitet. Dass diese die Berichte von Stasi-Gefangenen kennen, merkt man der Inszenierung deutlich an. Gleichzeitig gelingt es ihnen aber auch, daraus eine sehr aktuelle Auseinandersetzung mit Identitätsverlust und Verlorenheit in der Anonymität zu machen.

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Berlin Deutschland