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Der Wirtschaftsfaktor Vertrauen

Der Unternehmer Dr. Arend Oetker spricht über Wege aus der Finanzkrise

Mehr Transparenz, mehr vertrauensfördernde Maßnahmen – in diesen beiden Grundrezepten sehen der Unternehmer Dr. Arend Oetker und der Journalist Hans-Ulrich Jörges den Weg aus der Finanzkrise. Bei einem Gespräch in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung forderte Jörges sogar ein „Manifest des Mittelstandes“, in dem die ethischen Grundlagen unternehmerischen Handelns dargestellt werden: „Die Gesellschaft muss sehen, dass es ein ethisch fundiertes Unternehmertum gibt.“

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Oetker und Jörges eröffneten die Gesprächsreihe „Soziale Marktwirtschaft: Garant für wirtschaftlichen Erfolg und soziale Stabilität“, mit der die Konrad-Adenauer-Stiftung die Träger des von ihr verliehenen Preises „Soziale Marktwirtschaft“ nach Wegen aus der Krise befragt. Oetker hatte den Preis im Jahr 2007 für seine herausragende unternehmerische Fähigkeit bei überragendem gesellschaftlichem Engagement verliehen bekommen. Als Gesprächspartner für den Abend hatte er sich den Leiter des Stern-Hauptstadtbüros Hans-Ulrich Jörges gewünscht.

Der Journalist brachte Ergebnisse der jüngsten Stern-Umfrage über das Vertrauen der Bevölkerung zu verschiedenen Berufsgruppen mit. Am schwächsten schneiden dabei momentan die Manager mit einem Vertrauenszuspruch von 8% ab. Die Unternehmer konnten sich dagegen auf 39% verbessern, ein Plus von sechs Prozentpunkten. Beachtliche 76% der Befragten sprachen ihr Vertrauen dem eigenen Arbeitgeber aus, womit diese Berufsgruppe insgesamt den zweiten Platz hinter der Polizei erreicht hat. „Diese Unternehmer, die das Vertrauen der Bevölkerung besitzen, müssen mehr Gesicht zeigen und auch selbstkritisch über die Entwicklung in ihrer Branche sprechen“, so Jörges Schlussfolgerung.

Auch Oetker befürwortete mit Blick auf die eigene unternehmerische Erfahrung größtmögliche Transparenz gegenüber den Arbeitnehmern. „Ich habe schon früh begonnen, den Betriebsrat über die Verwendung des Gewinns zu informieren“, so Oetker. Durch seine Haltung könne der Unternehmer auch die Akzeptanz gegenüber dem eigenen Verdienst erhöhen. „Wichtig ist es, dass wir Abzocke durch ein System der Nachhaltigkeit vermeiden“, sagte Oetker mit Blick auf die vieldiskutierten Managergehälter.

In der Diskussion um die Verstaatlichung von Industrieunternehmen vertraten beide Redner eine entschieden kritische Haltung. „Wir müssen eine hohe Mauer ziehen zwischen dem Bankensektor, wo staatliche Hilfe gerechtfertigt sein kann, und der Industrie“, sagte Hans-Ulrich Jörges. Den Unterschied zwischen beiden Branchen erklärte Dr. Arend Oetker: „Wenn im Finanzsegment das Vertrauen weg ist, kann der Staat helfen. Aber wenn in der Industrie die Nachfrage sinkt, kann der Staat nichts dagegen tun.“ Daher müsse sich die Industrie jetzt vor allem Gedanken darüber machen, wie sie ihre Produktion der Nachfrage anpassen kann.

Bei der Kommunikation über die Krise diagnostizierte Jörges sowohl im Bereich der Wirtschaft als auch der Politik große Defizite. „Die Wirtschaft lässt die Politik im Moment sehr allein, und die Manager, die öffentlich wahrgenommen werden, sind nicht unbedingt hilfreich.“ Er forderte eine öffentliche Reflexion über Fehlentwicklungen in der Branche. Der Großen Koalition würde er kein schlechtes Zeugnis ausstellen, sagte er, aber auch hier müssten alle Entscheidungen ehrlich und richtig erklärt werden. Gute Ansätze sieht er in diesem Bereich beim neuen Wirtschaftsminister zu Guttenberg.

Oettker gab zu bedenken, dass er sich ein öffentliches Anprangern anderer Unternehmer im Zuge einer offenen Reflexion nicht so recht vorstellen könne. Dennoch sah auch er die Unternehmer gefordert, Entscheidungsprozesse möglichst transparent zu machen. Dasselbe gelte auch für die Politik, so Oetker: „Ich würde einen Akzent auf die Transparenz setzen und mein Vorgehen erklären. Wichtig finde ich es dabei, auch die persönliche Betroffenheit und die persönlichen Kriterien zu erläutern, die zu einer Entscheidung beigetragen haben.“

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