Otto Heinrich von der Gablentz

Politologe, Professor Dr. jur. 11. September 1898 Berlin 27. April 1972
von Manfred Agethen

Der Offizierssohn von der Gablentz war ein „Mann der ersten Stunde“ des Kreisauer Kreises, den er programmatisch stark beeinflusste. Die Tradition des pommerschen Pietismus und der Jugendbewegung, die Idee des „konservativen Sozialismus“, die „Religiösen Sozialisten“ (Bund der Religiösen Sozialisten), die evangelische, ökumenisch orientierte Michaelsbruderschaft und das preußisch-konservative Reformertum bestimmten seinen geistig-politischen Horizont. Auf Konzeption und Programm des Berliner CDU-Gründerkreises hatte er mit der Betonung christlicher, solidarischer, wirtschaftsplanerischer und ‚staatssozialistischer‘ Elemente erheblichen Einfluss. Engagiert setzte er sich für Ökumene und Volksbildungsarbeit ein und trat gegen die Auswüchse bei der Bodenreform auf. 1960 beklagte er in seinem Buch „Die versäumte Reform“ den seines Erachtens ausgebliebenen Neubeginn der westdeutschen Politik nach dem Kriege. Insbesondere kritisierte er das System des Lastenausgleichs, die Überdimensionierung des Berufsbeamtentums und das mangelhafte Bemühen um die Selbstbestimmung der Deutschen in der DDR, das er für die Grundbedingung einer Wiedervereinigung hielt. 1965 trat er aus der CDU aus.

Lebenslauf

  • Kriegsdienst
  • seit 1917 Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Berlin, Hamburg und Freiburg/Breisgau, dort 1920 Promotion
  • 1921–1934 Tätigkeit in der Wirtschaft, seit 1925 beim Statistischen Reichsamt in Berlin, zuletzt als Referent für volkswirtschaftliche Bilanzen
  • 1934 als politisch unzuverlässig entlassen, bis Kriegsende Abteilungsleiter bei der „Wirtschaftsgruppe Chemische Industrie“
  • 1945 Mitgründer der CDU in Berlin
  • 1948 Mitgründer der Deutschen Hochschule für Politik (DHFP) in Berlin
  • 1953 Privatdozent und Lehrbeauftragter
  • seit 1959 auch ordentlicher Professor an der Freien Universität
  • 1955–1966 Direktor der DHFP (1959 als „Otto-Suhr-Institut“ in die Freie Universität eingegliedert)

Veröffentlichungen

  • Der Kampf um die rechte Ordnung. Beiträge zur politischen Wissenschaft (1964)
  • Einführung in die Politikwissenschaft (1965)

Literatur

  • Der Kreisauer Kreis. Ausstellungskatalog (1985)