Autor: Noah Bach
Es ist der 17. Juli, eine Regionalbahn setzt sich in Bewegung. Vor uns liegt Chemnitz. Wir steigen um, wir warten, schauen aus dem Fenster. Um 7.06 Uhr veröffentlicht das ZDF-Politbarometer seine neuen Zahlen. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die CDU/CSU auf 23 Prozent, fünf Prozentpunkte weniger als bei der vergangenen Bundestagswahl. Zugleich stößt der Reformkurs auf Skepsis: Nur 30 Prozent der Befragten halten ihn für richtig, während 63 Prozent ihn ablehnen und 81 Prozent die Lastenverteilung als ungerecht empfinden. Die Zahlen beschreiben eine Stimmung im Land. Wir fahren gerade hindurch. Wir wollen Antworten dort suchen, wo politische Entscheidungen auf den Alltag der Menschen treffen. Nicht im Berliner Regierungsviertel.
Chemnitz war deshalb kein klassisches Seminar, sondern ein Makerthon: erst verstehen, dann Lösungen entwickeln. Referentinnen und Referenten aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft stellten vier Problemfelder vor. Werte und Identität, Kommunikation, verlorenes Vertrauen und die künftige Rolle der Parteien. Danach gingen wir in vier Arbeitsgruppen. Wir Geförderten der Konrad-Adenauer-Stiftung und Hanns-Seidel-Stiftung diskutierten aus unterschiedlichen Perspektiven und kamen doch zur selben Erkenntnis: Hinter Kommunikation, Glaubwürdigkeit und Parteistrukturen steht eine größere Frage: Welche Vorstellung haben wir von der Zukunft dieses Landes?
Gerade in Krisenzeiten suchen Menschen nach Orientierung. Erfolgreiche Phasen der Christdemokratie waren stets mit großen Zukunftsideen verbunden: Adenauer mit der Westbindung, Erhard mit „Wohlstand für alle“ und Kohl mit der Einheit Deutschlands in einem geeinten Europa. Menschen folgen nicht allein Parteien, sondern Vorstellungen davon, wie ihr Land morgen aussehen soll.
Drei Tage für die Zukunft der Christdemokratie, und am Ende steht kein Programm, sondern eine Aufgabe. Das nächste große Kapitel muss erst geschrieben werden. Nicht die perfekte Botschaft entscheidet darüber, sondern die Fähigkeit, den Menschen wieder glaubwürdig zu sagen, wohin dieses Land gemeinsam gehen kann.
Seminar: „Zwischen Patriotismus, Pragmatismus und Protest – wohin orientiert sich die bürgerliche Mitte?
Leitung: Dr. Katharina Hamdorf-Rosenberg
关于这个系列
德国康拉德•阿登纳基金会、它的培训机构、教育中心和其国外代表处每年举办数千个不同主题的活动。关于重要国际会议、大事活动、专题讨论会等等的报道我们及时且独家的公布在我们的网页www.kas.de。在这里您除了可看到内容摘要之外,还可看到额外的材料,例如照片、演讲稿、影片或录音。