Zum Einstieg in das Thema zeigte Ralf Altenhof, Leiter des Bildungsforums der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Bremen, ein aktuelles Beispiel auf: Anfang Februar 2017 wurde die Zahl der in Armut lebenden älteren Personen auf 5,7 Millionen bemessen, den angeblich höchsten Wert seit Jahren – wobei die Altersarmut in Deutschland tatsächlich zurückgeht.
Diese Fehldarstellung der Verbreitung von Armut in Deutschland klärte Georg Cremer, seit 2000 Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, zu Beginn seines Vortrages auf: Als armutsgefährdet gilt in Deutschland, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Dieser relative Begriff der Armutsgefährdung werde häufig mit dem Begriff der absoluten Armut verwechselt – die „gibt es in Deutschland – mit Ausnahme von sehr kleinen Randgruppen – nicht.“ Im Gegensatz zur weit verbreiteten Darstellung sei die Armutsgefährdung in Deutschland nicht „so hoch wie noch nie“, sondern bewege sich nach einem „rasanten Anstieg“ zwischen 1998 und 2005 auf einem relativ konstanten Niveau. Dabei sei zu bedenken, dass die Armutsgefährdungsgrenze mit den Einkommen steige – eine größere relative Armutsgefährdung könne demnach trotzdem mit allgemein steigenden Löhnen einhergehen. Somit seien vielleicht mehr Menschen von Armut gefährdet, im Vergleich etwa zur Nachkriegszeit jedoch weit weniger Menschen arm.
Die Altersarmut spielte eine weitere wichtige Rolle in Cremers Vortrag. Hier werde die Armutsgefahr vor allem mit der Zahl der Grundsicherung Beziehenden ermittelt. Ein Anstieg könne „Indiz einer sich verschlechternden sozialen Situation“ sein – oder einer „Besserung der sozialstaatlichen Situation“, etwa, wenn die Grundsicherung erhöht werde und so mehr Menschen unterstützt würden. Das Problem sei, „dass wir die Probleme mit den Hilfen messen, die wir gewähren.“ Die tatsächlichen Risikogruppen seien Personen mit „gebrochenen Berufsbiographien“, Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose. Es sei jedoch „nicht akzeptabel“, angesichts des beginnenden Bundestagswahlkampfes „Skandal zu rufen“ und die Armutsdebatte für politische Zwecke zu missbrauchen.
Zur Vermeidung von Armutsgefährdung schlug Cremer vor, insbesondere diese Risikogruppen, „die einen schwachen Bezug zum Arbeitsmarkt haben“, zu stärken. Dabei spiele die Bildung eine entscheidende Rolle. Zwar bestätige sich „in keiner Weise“, dass Migrationshintergrund, Schulsystem oder Verschuldung der Kommunen die Armutsgefahr beeinflussen. Nichtsdestotrotz gehöre es zu einer „präventiven Armutspolitik“, allen einen Zugang zu guter Bildung zu ermöglichen. Auch der Arbeitsmarkt müsse dem „verfestigten Kern von Langzeitarbeitslosen“ einen einfacheren Zugang ermöglichen.
Zum Abschluss bedankte sich Ralf Altenhof bei Georg Cremer für den sachlichen Einblick in das Thema. Außerdem kündigte er für den 16. Mai die nächste Ausgabe der Reihe „kas kompakt“ zum Thema „Berufsbildung 4.0“ mit Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung, an.
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Bremen Deutschland