„Soldaten gewinnen Schlachten – den Krieg gewinnt die Gesellschaft.“ Mit diesem Zitat von Brigadegeneral Horst Busch eröffnete das Dr. Justus Bobke am 3. März 2026 seine Abendveranstaltung im PFL in Oldenburg. Im Mittelpunkt stand der „Operationsplan Deutschland“ (OPlan) und die Frage, welche Rolle Wirtschaft und Gesellschaft in einer veränderten Sicherheitslage übernehmen müssen.
Die sicherheitspolitische Lage hat sich grundlegend verändert. Krisen verlaufen heute parallel und grenzenlos: Cyberangriffe, Sabotage, Ausspähung, Desinformation oder Naturkatastrophen treffen Staaten, Unternehmen und Gesellschaft zugleich. Der Operationsplan Deutschland versteht Landes- und Bündnisverteidigung deshalb nicht mehr ausschließlich militärisch, sondern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
Resilienz wird damit zu einem zentralen Leitbegriff. Resilienzkonzepte von NATO und EU sowie die Nationale Resilienzstrategie Deutschlands unterstreichen diese Entwicklung. Mit der neuen Rahmenrichtlinie „Gesamtverteidigung“ (2024) und gesetzlichen Vorhaben wie dem KRITIS-Dachgesetz und der Umsetzung der NIS2-Richtlinie werden Resilienzanforderungen zunehmend verbindlich – insbesondere für Betreiber kritischer Infrastrukturen, aber mittelbar auch für zahlreiche weitere Unternehmen.
Anhand aktueller Beispiele verdeutlichte der Referent, wie konkret die Gefährdungslage ist: elektronische Störmaßnahmen, Brandanschläge auf Energie- und Verkehrsinfrastruktur oder immense wirtschaftliche Schäden durch Sabotage und Spionage in Milliardenhöhe. Solche Ereignisse zeigen, dass Sicherheit nicht mehr als abstraktes Politikfeld verstanden werden kann, sondern unmittelbare Auswirkungen auf Lieferketten, Produktionsfähigkeit und Vertrauen in Institutionen hat. Die Eskalationsstufen vom Frieden über den Spannungs- bis hin zum Verteidigungsfall machen deutlich: Vorsorge muss vor der Krise beginnen – nicht erst, wenn sie eingetreten ist.
Auch wenn gesetzliche Pflichten zunächst nur bestimmte Branchen und Größenordnungen betreffen, sind faktisch alle Unternehmen involviert. Die Abhängigkeit von Strom, IT und Logistik, internationale Lieferketten sowie die Einbindung von Mitarbeitenden – etwa als Reservisten – schaffen vielfältige Berührungspunkte. Resilienz wird damit zur Führungsaufgabe. Unternehmen müssen Risiken analysieren, Notfall- und Kontinuitätspläne entwickeln, Meldepflichten beachten und klare Verantwortlichkeiten definieren. Entscheidend ist jedoch nicht allein die formale Erfüllung von Vorgaben, sondern eine Haltung, die Klarheit, Kommunikation und Vertrauen in den Mittelpunkt stellt.
Ein besonderer Schwerpunkt des Abends lag auf der Risiko- und Krisenkommunikation. Transparenz darüber, was bekannt ist – und was nicht –, klar definierte Zuständigkeiten sowie eine Unternehmenskultur, in der Probleme ohne Angst angesprochen werden können, sind wesentliche Faktoren für Stabilität im Ernstfall.
Mit „Unternehmen OPlan“ wurde ein modularer Ansatz vorgestellt, der Verbände und Unternehmen praxisnah begleitet. Dazu gehören:
- Impulsvorträge zur sicherheitspolitischen Einordnung
- Wargames zur Simulation komplexer Krisenszenarien
- Analyse-Workshops zur Identifikation von Defiziten
- Trainings in Risiko- und Krisenkommunikation
- Entwicklung von Leitfäden, Handbüchern und Krisenplänen
Ziel ist es, eigene Handlungsspielräume zu erkennen, Strukturen zu schaffen, bevor es ernst wird, und die Organisation so aufzustellen, dass sie auch unter Druck entscheidungs- und kommunikationsfähig bleibt.Die Veranstaltung im PFL Oldenburg machte deutlich: Gesamtverteidigung ist Gemeinschaftsaufgabe. Staat, Wirtschaft und Gesellschaft sind gleichermaßen gefordert. Unternehmen sind nicht nur Betroffene möglicher Krisen, sondern aktive Akteure im Sicherheitsgefüge unseres Landes. Resilienz bedeutet daher mehr als Krisenmanagement – sie ist Ausdruck verantwortungsvoller Führung und gelebter gesellschaftlicher Mitverantwortung.
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