Welche sicherheitspolitischen Konsequenzen ergeben sich aus Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, den politischen Entwicklungen in Polen und den Veränderungen im transatlantischen Verhältnis? Diese Fragen standen im Mittelpunkt einer gemeinsamen Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung Niedersachsen und der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Oldenburg.
Als Referent konnte der Politikwissenschaftler PD Dr. Kamil Marcinkiewicz von der Universität Breslau gewonnen werden. In seinem Vortrag „Polen und die Sicherheit Europas – Lehren aus der Zeitenwende“ analysierte er die innen- und außenpolitischen Entwicklungen in Polen seit 2020 sowie deren Bedeutung für die europäische Sicherheitsordnung.
Dr. Marcinkiewicz erläuterte zunächst die innenpolitischen Veränderungen in Polen, die mit gesellschaftlichen Konflikten und dem Regierungswechsel nach der Parlamentswahl 2023 verbunden waren. Dabei zeigte er auf, wie eng innenpolitische Entwicklungen und außenpolitische Entscheidungen miteinander verknüpft sind. Die neue Regierung unter Donald Tusk habe die Beziehungen zu den europäischen Partnern deutlich intensiviert und Polen wieder stärker in die europäische Zusammenarbeit eingebunden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Vortrags lag auf den Auswirkungen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Der Referent schilderte die sicherheitspolitischen Herausforderungen für Polen und die weitreichenden Maßnahmen zur Modernisierung der Streitkräfte. Dabei ging er sowohl auf umfangreiche Beschaffungsvorhaben im Bereich der Verteidigung als auch auf den Ausbau der nationalen Rüstungsindustrie ein. Polen habe sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten sicherheitspolitischen Akteure an der NATO-Ostflanke entwickelt.
Besondere Aufmerksamkeit widmete Dr. Marcinkiewicz den aktuellen Veränderungen im transatlantischen Verhältnis. Vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten diskutierte er die Frage, wie sich Polen künftig zwischen einer engen Partnerschaft mit den USA und einer stärkeren europäischen Zusammenarbeit positionieren wird. Dabei wurde deutlich, dass die europäische Sicherheitsarchitektur zunehmend von politischen Entwicklungen auf beiden Seiten des Atlantiks beeinflusst wird.
In der anschließenden Diskussion nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit, mit dem Referenten über die Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen, die Rolle der Europäischen Union in der Verteidigungspolitik sowie mögliche politische Entwicklungen in Polen bis zu den nächsten Parlamentswahlen zu sprechen. Die lebhafte Debatte verdeutlichte das große Interesse an den sicherheitspolitischen Herausforderungen Europas und an der Rolle Polens als zentralem Partner Deutschlands in Mittel- und Osteuropa.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass die sicherheitspolitischen Veränderungen der vergangenen Jahre weit über nationale Grenzen hinausreichen. Gerade vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges und der sich wandelnden internationalen Ordnung bleibt der enge Austausch zwischen Deutschland, Polen und den transatlantischen Partnern von zentraler Bedeutung für Frieden, Stabilität und Sicherheit in Europa.
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