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"Die Türkei muss sich verstärkt um Bündnispartner in der Region bemühen"

von Oliver Ernst

Nahost-Experte Oliver Ernst im Nordwestradio zur Lage der Türkei im Nahen Osten

So viele zeitgleiche Krisenherde gab es im Nahen Osten lange nicht mehr. Syrien, Irak, Iran oder Israel sind geprägt von Konflikten und einer instabilen politischen Lage. Einige dieser Länder grenzen an die Türkei. Über die Rolle der Türkei im Nahen Osten sprach Oliver Ernst, Länderreferent des Teams Naher Osten der Konrad-Adenauer-Stiftung, im Interview mit Nordwestradio.

Die Türkei verfolge ihre eigenen nationalen Interessen und da gäbe es für sie im Nahen Osten positive, wie auch negative Entwicklungen. "Wenn man aktuell Bilanz ziehen will, würde man wahrscheinlich zu dem Ergebnis kommen, dass die negativen Entwicklungen überwiegen. Aber die Lage ist nicht hoffnungslos für die Türkei", beurteilt der Nahostexperte die Situation.

Die Türkei habe Interesse an einer stabilen Entwicklung der Region, da sie in den letzten Jahren expandiert und sehr aktiv Handel betrieben habe, vor allem mit dem Irak. Nach dem Sturz von Saddam Hussein beschränke sich der Handel zwischen Türkei und Irak nicht nur auf die Kurdenregion, sondern auf den gesamten Irak.

Trotz der vielen politischen Divergenzen mit den Nachbarn, läge es im Interesse der Türkei ein gutes Verhältnis zu ihnen zu entwickeln. "Ich glaube, dass die Türkei ein großes Bedürfnis hat, ihre eigene Stärke zu nutzen, um sozusagen als Kraft-Center in der Region zu wirken und die Region positiv zu beeinflussen."

Ernst betonte, dass die Türkei ein großes Interesse daran habe, dass die Nachbarländer wieder Frieden und innere Stabilität erlangten. Dabei sollten aus Sicht der Türkei aber bestimmte Faktoren berücksichtigt werden. "Beispielsweise setzt man in Syrien nach wie vor darauf, dass Assad gestürzt wird. Aber dieser Konflikt darf sich nicht bis ins Unendliche verlängern, da man auch eine Destabilisierung für die Türkei selber befürchtet", sagte der Nahost-Experte.

Ein Vormarsch der Rebellenorganisationen wie „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien und Irak an den offenen türkischen Grenzen könnten die Sicherheitsinteressen der Türkei massiv beeinträchtigen. Daher lägen die Hoffnungen auf eine internationale Unterstützung. "Die Türkei muss sich auch verstärkt um Bündnispartner in der Region bemühen, damit sie wieder stärker in Bündnisstrukturen eingebunden wird und gegen Dschihadisten, Islamistische Milizen vorgesehen kann."

Das gesamte Interview von Nordwestradio können Sie hier hören.

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Die Türkei hat gewählt (11. August 2014)
Die türkisch-syrische Grenze | Foto: michael_swan/Flickr michael_swan/Flickr

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Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

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Potsdam Deutschland