KAS/Inge Kundel-Saro

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Die erste frei gewählte Volkskammer

Am 18. März 1990 erfüllte sich eine zentrale Forderung der Friedlichen Revolution

Am 18. März 1990 wählten die Menschen in der DDR zum ersten Mal in freien Wahlen die Volkskammer. Damit erfüllte sich eine zentrale Forderung, für die die Bürgerinnen und Bürger in der Friedlichen Revolution auf die Straße gegangen waren.

Alle Parteien waren mit dem Ziel angetreten, die Einheit Deutschlands voranzutreiben, auch wenn sie unterschiedliche Vorstellungen davon hatten, wie diese umzusetzen sei. Die außerordentlich hohe Wahlbeteiligung von 93,4 Prozent der Wahlberechtigten konnte damit bereits als ein Plebiszit zur Deutschen Einheit verstanden werden. Hier zeigte sich, dass tatsächlich – wie bereits von Konrad Adenauer angenommen – freie Wahlen die Voraussetzung zur Überwindung der deutschen Teilung waren. Die hohe Wahlbeteiligung – die höchste, die es in Deutschland bei freien Wahlen jemals gegeben hat – spiegelt die damalige Aufbruchstimmung und das Gefühl wider, etwas verändern zu können.

Die Abgeordneten der ersten frei gewählten Volkskammer leisteten einen außerordentlichen Beitrag zur deutschen Einigung und zur Geschichte des deutschen Parlamentarismus. In den folgenden Wochen und Monaten nach der Wahl arbeiteten die Parlamentarier daran, innenpolitische Reformen voranzutreiben, die Wirtschaft zu stabilisieren und die nationalen und internationalen Voraussetzungen für die Vereinigung Deutschlands voranzutreiben. „Es war die erste und einzige frei gewählte Volkskammer, die die denkwürdige Entscheidung traf, dem Geltungsbereich des Grundgesetzes beizutreten, damit einen existierenden Staat aufzulösen und die staatliche Einheit Deutschlands wiederherzustellen – ein historisch beispielloser Vorgang, der die Bindungskraft dieser Verfassung eindrucksvoll belegt“, würdigt der Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung Professor Norbert Lammert die Arbeit der Parlamentarier.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass fast alle gewählten Mitglieder der Volkskammer vor ihrer Wahl keine Berufspolitiker und die Arbeitsbedingungen in der Volkskammer teilweise schwierig waren, ist das extrem hohe Arbeitspensum und die Professionalität der Parlamentarier bewundernswert.

Die Bereitschaft der Menschen, die bis dahin überwiegend nicht politisch aktiv gewesen waren, für die Volkskammer zu kandidieren und damit Verantwortung für die Gestaltung der Einheit und die Zukunft Deutschlands zu übernehmen, sollte auch heute Vorbild sein. 30 Jahre später ist es wichtig, immer wieder deutlich zu machen, dass es in einer Demokratie auf die Stimme und das Engagement jedes Einzelnen ankommt.

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