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Kuppelkreuz und Menschenkette

Das Religiöse im säkularen Raum

Als der ehemalige US-Präsident Bill Clinton im März 1998 auf einer Afrikareise ein öffentliches Schuldbekenntnis ablegte, war das für seine Landsleute nichts Ungewöhnliches. Eine öffentlich betende Angela Merkel dagegen ist in Deutschland undenkbar.

Über die Rolle der Religion im Staat diskutierten am Donnerstag unter dem Motto „Kuppelkreuz und Menschenkette – das Religiöse im säkularen Raum“ der Philosoph Prof. Dr. Dr. Hermann Lübbe, Autor Prof. Dr. Alfred Grosser, Theologe Prof. Dr. Konrad Raiser, Journalistin Alexandra Gerlach und Petra Lutz, Kuratorin der Ausstellung „Kraftwerk Religion“ im Dresdner Hygiene-Museum. Dr. Joachim Klose, Leiter des Bildungswerks Dresden der Konrad-Adenauer-Stiftung, moderierte die Veranstaltung im Sächsischen Landtag. Die Leitfrage dabei: Brauchen wir religiöse Bilder im öffentlichen Raum?

Ja, sagt Hermann Lübbe. Er betonte den enormen Einfluss, den Zivilreligion auf die Politik haben kann. Dabei erinnerte er an den Besuch George W. Bushs in einer Moschee kurz nach den Anschlägen des 11. September. Damit habe der ehemalige US-Präsident deutlich gezeigt, dass eben nicht der Islam an sich Ziel des Kampfs gegen den Terror sei. Der Philosoph missbilligt die mittlerweile revidierte Entscheidung des Menschenrechtsgerichtshofs des Europarats, Schulkreuze in Klassenzimmern zu verbieten: „Ich halte das für falsch“, betonte Lübbe. Man könne schließlich auch nicht das Kreuz aus dem Trierer Wappen streichen oder den Wienern ihr Stadtkreuz nehmen.

Auf die politische Macht religiöser Symbole hatte zuvor auch Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler in seiner Begrüßung verwiesen: Gerade in Sachsen sei mit religiösen Symbolen im politischen Raum viel erreicht worden. Als Beispiel nannte er die friedliche Revolution in der DDR: „Der Widerstand gegen die SED sammelte sich unter Kirchendächern“.

Die Kirche in der DDR habe gerade durch ihre Verbannung durch das Regime Freiheit gewonnen, sagte Raiser. Die „staatsanaloge“ Rolle, die die Kirche in Deutschland jetzt hat, sei ihr nach der Wende „übergestülpt“ worden. Die Zuhörer applaudierten auffällig laut bei dieser Bemerkung. Die Religion sei heute integraler Bestandteil der Gesellschaft, der Kirchentag habe viel zu diesem Verständnis beigetragen. Trotzdem äußerte der Theologe Kritik: Sie sei „noch weit davon entfernt, anderen Religionen Raum zuzugestehen.“

Für die strikte Trennung von Kirche und Staat – und damit den Verzicht auf religiöse Symbole in der Öffentlichkeit – plädierte Alfred Grosser. Die Werte einer Gesellschaft seien nicht an die Kirche gebunden: „Die so genannten christlichen Werte wurden von den Christen hunderte Jahre verachtet“, sagte der bekennende Atheist. Toleranz sei von vornherein kein christlicher Begriff, die Vereinnahmung der Moral durch die Kirche „nicht zu ertragen“. Der Zusammenhalt der Gesellschaft solle im „gemeinsamen Blick auf den leidenden Menschen entstehen – durch das Handeln, nicht durch Proklamation“.

Dass religiöse Symbole wie ein betender Präsident, das Kuppelkreuz der Dresdner Frauenkirche oder die Menschenkette gegen einen Nazi-Aufmarsch große mediale Wirkung haben, weiß Alexandra Gerlach. Auch, dass viele Symbole inszeniert werden, um einen bestimmten Effekt zu erzielen. Die Dresdner Menschenkette gegen den Aufmarsch von Neonazis am 13. Februar war für sie trotzdem „keine Effekthascherei“. Raiser warnte jedoch davor, solche Symbole einseitig zu sehen: Die wieder errichtete Frauenkirche beispielsweise stehe jetzt für die Aussöhnung, sei in der Nazizeit aber Schauplatz der „braunen Synode“ gewesen.

Für Petra Lutz stellt sich die Frage, ob wir religiöse Bilder im öffentlichen Raum brauchen, gar nicht. „Die gibt es überall“, sagt die Kuratorin. Vielmehr gehe es um die Frage nach dem Umgang damit: Alle sollten „die maximale Freiheit haben, sich damit zu zeigen oder nicht“.

Ein Beitrag von Jessica Deringer, JONA-Stipendiatin

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3. června 2011
„Gerechter Frieden“ für eine bessere Welt (Bericht vom Jour Fixe der KAS am 2. Juni 2011)

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