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Von Wirtschaftswachstum und politischem Gestaltungswillen

Aufstrebende Länder in Lateinamerika

Nach Ende des Kalten Krieges und der bipolaren Weltordnung prägten zunächst die USA als einzig verbliebene Supermacht die internationale Bühne. Heute gibt es auf allen Kontinenten aufstrebende Volkswirtschaften, deren internationales Gewicht zunimmt. Mit dem Fokus auf Lateinamerika diskutierten internationale Experten in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung über mögliche Auswirkungen. Wichtigste Erkenntnis: nicht alle Länder, die wirtschaftlich aufholen, wollen internationale Politik gestalten.

Grundsätzlich stelle sich die Frage, ob alle aufstrebenden Mächte überhaupt ein Interesse an global governance haben, oder ob ihr Interesse nicht eher sektoral und thematisch begrenzt sei, sagte Prof. Dr. Günter Maihold gleich zu Beginn seiner Eröffnungsrede. Aus dieser Annahme heraus entstünden losere, je nach Thema stets wechselnde, internationale Allianzen. Die Weltpolitik sei derzeit in einer ‚distributiven Phase‘, in der es um die Frage von Verteilung geht, so der Politikwissenschaftler vom Humboldt Lehrstuhl am Colegio de Méxiko. „Dabei spielt die Frage nach der historischer Verantwortung und ihrer Kosten zwischen Industrieländern und den aufstrebenden Mächten eine besondere Rolle.“

Lateinamerika enttäuscht von Obamas Regionalpolitik

Maihold warnte davor, ‚emerging economy‘ und ‚emerging power‘ gleichzusetzen, denn aus Wirtschaftswachstum erwachse nicht automatisch internationaler Gestaltungswille, wie das Beispiel Perus zeige, das zwar die höchsten Wachstumsraten Lateinamerikas habe aber keine erkennbare außenpolitische Agenda fahre.

Laurence Whitehead nahm die US-Perspektive ein, um auf die Gestaltungsmächte Lateinamerikas zu blicken. Nach Ende des Kalten Krieges hätten die USA versucht, eine Freihandelszone für ganz Nord-, Mittel- und Südamerika anzustoßen, doch ‚9/11‘ und der anschließende Irakkrieg hätten den außenpolitischen Fokus der USA vom eigenen Kontinent weggeführt, so der Politikwissenschaftler der University of Oxford. „Gleichzeitig ermöglichte der Aufstieg Chinas vielen Ländern Lateinamerikas wirtschaftliche Perspektiven, die nicht länger von den USA abhängig waren.“ Insgesamt sei die Enttäuschung über die Obama-Administration im Süden groß, vor allem aufgrund ihrer Lateinamerikapolitik, die zum Großteil innenpolitisch motiviert sei.

Überangebot an Gestaltungsmächten

Dr. Christian Wagner blickte auf Asien und attestierte dem Kontinent ein „Überangebot“ an Gestaltungsmächten. Ökonomisch betrachtet sei es zwar richtig, von einem ‚asiatischen Jahrhundert‘ zu sprechen, nicht jedoch zwangsläufig auch politisch, so der Asien-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik. „Indien ist das beste Beispiel dafür, dass Größe allein ein Wert sein kann, denn wenn ein Sechstel der Weltbevölkerung betroffen ist, braucht es immer Indiens Kooperation bei globalen Herausforderungen.“ Allein dadurch verfüge das Land über eine „passive Gestaltungsmacht“. Gleichzeitig sei Indien jedoch „eine ewig unerhörte Gestaltungsmacht“ mit Wunsch nach mehr internationaler Anerkennung, die ihr bislang versagt bleibe. Dabei wolle das Land teilhaben und sich in bestehende internationale Strukturen einbringen und keine Neugestaltung forcieren.

China, gemeinhin als globale Führungsmacht in spe angeführt, investiere zwar weltweit in seine Infrastruktur und Ressourcensicherheit, doch dabei handele es sich um nationale Entwicklungsprioritäten. „China bietet bislang keine ideologische Unterfütterung eines Gegenentwurfs zur bestehenden Weltordnung“, so Wagner. Daher fehle hier die eindeutig gestaltende Komponente.

Brasilien, Mexiko und Kolumbien

Die Präsidentschaftswahlen in Brasilien in wenigen Tagen würden entscheidende Auswirkungen auf das internationale Auftreten Brasiliens haben, sagte Botschafter Luiz Felipe de Seixas Corrêa. Zwei Faktoren spielten dabei eine entscheidende Rolle. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es derzeit keine neuen Weltordnungsmodelle gibt“, so der brasilianische Diplomat vom Instituto Histórico e Geográfico Braileiro. „Außerdem zeigt sich, dass Konflikte wie in der Ukraine oder der Ausbruch von Ebola in der Peripherie entstehen und zu einer globalen Herausforderung werden können.“ Trotz aller Fortschritte seit dem Zweiten Weltkrieg sei Brasilien global noch immer relativ schwach vernetzt.

Mexiko nehme den relativen Abstieg der USA auf der internationalen Bühne und ein daraus entstehendes Machtvakuum zur Kenntnis, sagte Jorge Schiavon vom Centro de Investigación y Docencia Económicas. Solch eine Situation erfordere neue Akteure. „Mexiko ist eine regionale Führungsmacht in Lateinamerika und finanziell gesehen ein Netto-Exporteur, denn es investiert mehr in den Rest der Welt als andersherum.“ Sein Land sehe sich selbst als Mittler zwischen den G7- und den BRICS -Staaten, zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

Auch Kolumbien werde außenpolitisch eine Neuausrichtung vornehmen, sagte Eduardo Pastrana von der Universidad Javeriana Bogotá. Nachdem das Land zuvor 25 Jahre geprägt gewesen sei durch den Kampf gegen die FARC-Rebellen, habe es seit der Regierungsübernahme 2010 durch Juan Manuel Santos eine grundlegende Änderung gegeben. Die nun stattfindenden Verhandlungen mit FARC führten zu mehr Stabilität im Land und ermöglichten Kolumbien so eine differenzierte Außenpolitik, die nicht mehr enge Kooperation mit den USA als oberster Ziel habe. „Santos blickt auf die südlichen Nachbarn, will eine enge Bindung an Europa gestalten und regionale Kooperation stärken.“ Kolumbien suche insgesamt nach einer neuen Rolle in der Region und sehe sich als Gegengewicht zu Brasilien.

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