Wirtschaftliche Entwicklungen
Im September stieg die Wirtschaftsleistung laut INDEC im Jahresvergleich um rund fünf Prozent und lag auch gegenüber dem Vormonat leicht im Plus. Damit konnte das Land eine drohende Rezession abwenden, denn für das gesamte dritte Quartal meldeten die Behörden ein geringes, aber positives Wachstum. Während Finanzdienstleistungen expandierten, berichteten besonders kleine und mittelständische Unternehmen von einer sehr schwachen oder stagnierenden Lage. Insgesamt lässt sich somit festhalten, dass es zwar eine zaghafte Erholung gab, aber nur in einigen ausgewählten Sektoren, während große Teile der Wirtschaft weiterhin unter strukturellen Problemen und schwacher Nachfrage litten.
Darüber hinaus treibt Argentinien den Ausbau seiner Lithiumindustrie voran, die zunehmend als strategischer Wachstumstreiber gilt. Regierungsangaben zufolge hat sich die jährliche Produktionskapazität innerhalb kurzer Zeit mehr als verdoppelt und ist von etwa 75.500 Tonnen (2024) auf knapp 186.000 Tonnen pro Jahr angewachsen.
Der Bergbau-Sektor, welcher durch Lithium, Gold und auch Silber getrieben wird, verzeichnet 2025 somit Rekordexporte und zieht beträchtliche Investitionen an. Lithium könnte damit zu einem zentralen Pfeiler der argentinischen Export- und Wachstumsstrategie werden.
Im Zuge der wirtschaftlichen Anpassungsmaßnahmen nahmen die sozialen Spannungen deutlich Gewerkschaften mobilisierten massiv gegen die geplante Arbeitsmarktreform, die ihrer Ansicht nach zusätzliche Lohnverluste und neue Abhängigkeiten zur Folge hätte.
Innenpolitische Entwicklungen
Bei den Parlamentswahlen vom 26. Oktober erzielte Mileis Partei La Libertad Avanza (LLA) einen überraschend deutlichen Stimmengewinn und bildet zusammen mit der PRO eine relative Mehrheit. Darüber hinaus beschloss das Unterhaus ein Gesetz, das die präsidialen Notverordnungen einschränkt und dem Kongress erlaubt, sie künftig mit einfacher Mehrheit zu blockieren. Dieser Beschluss sorgte für Spannungen und die Regierung kritisierte dies als rechtlich unsicher, was die wachsenden Konflikte zwischen Exekutive und Legislative sichtbar machte.
Kabinettsumbau nach den Wahlen
Kurz nach den Wahlen kam es außerdem zu einer umbauintensiven Phase im Kabinett. Der Stabschef Guillermo Francos und Innenminister Guillermo Catalán traten zurück. Milei nutzte die Gelegenheit zu einer strategischen Neuaufstellung: Er ernannte den ihm politisch eng verbundenen Manuel Adorni zum neuen Stabschef und Diego Santilli zum Innenminister.
Ambitionierte Arbeits- und Steuerreformen
Milei treibt gleichzeitig eine umfassende wirtschaftliche Liberalisierung voran. Geplant sind Arbeitsmarkt- und Steuerreformen, darunter die Lockerung von Arbeitsgesetzen, Änderungen in Lohnverhandlungen, niedrigere Entlassungskosten und der Abbau von rund zwanzig Steuern. Die Reformen könnten, sofern sie umgesetzt werden, die wirtschaftliche Struktur Argentiniens langfristig verändern und Investitionsanreize stärken, gleichzeitig, aber soziale Spannungen verschärfen.
Mit Blick auf den Haushalt 2026 verhandelt die Regierung intensiv mit den Gouverneuren über die Verteilung der nationalen Haushaltsmittel (Aportes del Tesoro Nacional). Mehrere Provinzchefs drängen auf höhere Zuweisungen, während die Zentralregierung versucht, politischen Rückhalt für ihre Reformagenda zu sichern. Die Debatte zeigt, dass Milei trotz gestärkter Position keineswegs ohne föderale Kompromisse auskommt. Darüber hinaus bleibt Milei weiterhin strikt bei seiner, wie er sie nennt, „defizitbewussten“ Finanzstrategie. Er sprach sich gegen Erhöhungen von Pensionen und Unterstützungsleistungen für Menschen mit Behinderungen aus, da er eine Ausweitung der Staatsausgaben ablehnt. Diese Sparmaßnahmen stoßen insbesondere bei sozial schwachen Gruppen auf Widerstand.
Außenpolitische Entwicklungen
Argentinien und die USA
Bereits am 9. Oktober 2025 hatte das US-Finanzministerium die Bereitstellung eines 20 Milliarden-Dollar-Währungsswaps angekündigt. Dieses Waehrungsswap soll die wirtschaftliche Stabilität Argentiniens unterstützen und die kurzfristige Liquidität des Landes stärken, wo sich die Regierung Milei, stark auf internationale Kooperationen zur wirtschaftlichen Konsolidierung stützt. Präsident Trump hatte die finanzielle Unterstützung an einen Wahlsieg Mileis gekoppelt und das Finanzpaket wurde weithin als strategisches Signal gewertet, da damit nicht nur wirtschaftliche Unterstützung, sondern unterstreicht zugleich die politische Nähe zur aktuellen argentinischen Regierung.
Darüber hinaus kündigten die USA und Argentinien im November gemeinsam ein `Framework for an Agreement on Reciprocal Trade and Investment` an. Vorgesehen sind unter anderem die Öffnung beider Märkte für ausgewählte Produkte sowie die temporäre Aussetzung von Zöllen auf bestimmte natürliche Ressourcen und nicht-patentierte pharmazeutische Güter. Besonders hervorgehoben wurde die geplante Verbesserung der Bedingungen für den Rindfleischhandel welches ein Sektor von zentraler Bedeutung für die argentinische Wirtschaft ist. Gleichzeitig jedoch darauf hingewiesen, dass Argentiniens Einbindung in den Mercosur gewisse Grenzen setzt, da Änderungen bei den gemeinsamen Zollregelungen nur im Verbund mit den anderen Mitgliedstaaten erfolgen können. Dennoch gilt das Rahmenabkommen als bedeutender Schritt zu einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit den USA.
Diese Annäherung sieht man auch im diplomatischen Bereich. Am 31. Oktober 2025 traf Peter Lamelas als neuer US-Botschafter in Buenos Aires ein und überreichte nur wenige Tage am 3. November, Außenminister Pablo Quirno seine Beglaubigungsschreiben. Lamelas, der als Vertrauter Donald Trumps gilt, steht sinnbildlich für die deutliche proamerikanische Ausrichtung, die Präsident Javier Milei mit seiner Regierung deutlich anstrebt.
Historischer außenpolitischer Kurswechsel: Argentiniens Haltung zum Kuba Embargo
In der UN-Generalversammlung am 29./30. Oktober 2025 stimmte Argentinien erstmals seit Jahrzehnten für die Fortführung des US-Embargos gegen Kuba, während die Mehrheit der Mitgliedstaaten wiederholt für dessen Beendigung votierte, was als signifikanter außenpolitischer Kurswechsel aufgefasst wurde
Über diese Reihe
Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Argentinien möchte allen Interessierten einen besseren Zugang zu den politischen Ereignissen des Landes ermöglichen. Dafür veröffentlichen wir monatlich ein kurzes Briefing mit den wichtigsten Nachrichten aus dem Land.