Veranstaltungsberichte

Medien und politische Werbung in Argentinien

Am 10. Juli fand das zweite Treffen der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Argentinien mit dem "Centro para la Información Ciudadana" (CIC) statt, um den zuvor diskutierten Zustand der Medien und der offiziellen Werbung in Argentinien zu vertiefen.

,,Wir leben regelrecht von der Regierung“

Die Frage wie genau das Wachstum der offiziellen Werbung der letzten Jahre die Beziehung zwischen den Medien und der argentinischen Regierung beeinflusste und veränderte gab Anlass zu einer zweiten Diskussionsrunde des Zentrums für Öffentliche Information (CIC) und der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. am Donnerstag, dem 10. Juli 2014 in Buenos Aires.

Die Präsidenten der CIC Frau Dr. Adriana Amado Suarez und Frau Dr. Belén Amadeo, Professorin für Öffentliche Meinung an der Universität von Buenos Aires (UBA) und Unternehmenskommunikation im Ortega und Gasset Institut eröffneten auch dieses Mal die Diskussion und gingen mit verschiedenen Experten des Journalismus intensiver der Frage ,,Wie die Kommunikation und die Medien in der Politik genau funktionieren?“, nach.

Fokus der zweiten Diskussionsrunde lag vor allem auf dem Vergleich der damaligen mit den heutigen Medien und deren Funktionsweise. Sowie auf den Unterschieden zwischen Argentinien und Deutschland. Experten aus Argentinien als auch aus Deutschland nahmen an der Veranstaltung teil und konnten so beide Seiten repräsentieren. Die Arbeitsweise der Journalisten in Argentinien machte sich durch eine fehlende Transparenz hier bezeichnet als ,,trabajo debajo la mesa (Arbeit unterm Tisch)“ deutlich. Ein mangelndes Vertrauen der argentinischen Journalisten in die Regierung und die einzelnen Institutionen des Landes führen gemäß der Experten zu einer Zweiteilung der Medien in öffentliche und ,,nicht- öffentliche“ Medien und sorgen für diese nicht transparente Arbeitsweise. Die Journalisten kommunizieren mit den Politikern regelrecht ,,hinter geschlossenen Türen“ und sorgen damit für Zweifel und Kritik gegenüber den Landesmedien unter der Gesellschaft.

Die Journalisten seien an diese Arbeitsweise schon seit Jahren gewöhnt und sehen keinen Sinn im offiziellen Weg, wie es beispielsweise in Deutschland der Fall sei. Hinzu kommt, dass die Journalisten quasi direkt von der Regierung in Argentinien leben. Die kritische Wirtschaftslage im Land sorgt für niedrigere Löhne und eine Gefährdung der Arbeitsstelle, wodurch die Arbeit der Journalisten mehr eingeengt wird. In Deutschland dagegen sei das System der Medien viel transparenter und offizieller geregelt. Das System der ,,offenen Konferenz‘“ sowie der Rundfunkgebühren, die von allen Bürgern bezahlt werden müssen bringen in Deutschland Durchsichtigkeit und vor allem ein weitgehend eigenständiges funktionieren der Medien, ohne den Einfluss des Regierung wie es in Argentinien der Fall ist. Ein weiteres Problem für die Journalisten in Argentinien sei ein erschwerter Zugang zu den großen Unternehmen. Direkte Informationen erhält man selten bzw. oft gar nicht. Was ebenfalls ein Grund für die ,,nicht- offizielle“ Arbeitsweise der argentinischen Journalisten sei.

Ein Wechsel der Situation in Argentinien solle gemäß aller anwesenden Experten für mehr Transparenz und vor allem das fehlende Vertrauen der Bürger in die argentinischen Medien hervorbringen. Dieser kann bis zu einem gewissen Maße nach deutschem Vorbild erfolgen. Ein Verbesserter Kontakt zu Unternehmen sowie zu Politikern müsse geschaffen werden und der Dialog müsse im Vordergrund stehen.