Veranstaltungsberichte

Transatlantische Konferenz: „Western Culture, Western Values“

von Adia Heithölter
Vom 23. - 26. Juni 2013 trafen sich Fachleute und Entscheidungsträger aus den USA und der EU um gemeinsame Werte und Grundlagen einer vertieften Zusammenarbeit zu erörtern. Tagungsort war die Villa La Collina in Cadenabbia (Italien).

Die Veranstaltung begann Sonntag abends mit einem gemeinsamen Abendessen aller Teilnehmer. An die Grußworte von Roland Freudenstein (stellvertretender Direktor und Forschungsleiter, „Centre for European Studies“) und Dr. Lars Hänsel (Leiter, KAS Auslandsbüro Washington D.C.), schloss sich der Redner des Abends, Prof. Dr. Rocco Butiglione (italienischer Minister für Europaangelegenheiten und MdEP a.D.) an. In seinem Eingangsimpuls stimmte er die Teilnehmer auf die anstehende Konferenz ein und erörterte dazu die ‚Wurzeln der westlichen Kultur’.

Die drei Säulen der westlichen Kultur seien die Griechische Philosophie, die Bibel und das Römische Recht. Buttiglione betonte in seinem Vortrag insbesondere die zivilisierende und ordnungstiftende Funktion der Ehe, welche in der Moderne immer mehr an Bedeutung verliere. Er sieht darin die Begründung für viele aktuelle soziale Probleme. Daher schloss er mit den Worten: „The route of the civilisation is the woman”. Auf die Ausführungen Buttigliones folgte eine angeregte Diskussion.

Am Montag den 24. Juni standen vier Podiumsdiskussionen auf dem Programm. Die erste Diskussion mit dem Titel ‚Foundations of Western Civilisation’, knüpfte an die Impulse des Vorabends an. Die Redner waren Roland Freudenstein und Stephen P. White (Fellow, Catholic Studies Program, Ethics and Public Policy Center). Die Moderation übernahm Daniel Schwammenthal (Direktor, AJC Transatlantic Institute).

Normativ gründe sich die westliche Zivilisation auf drei essentielle Werte: Menschenrechte, Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit, so Freudenstein. Diese Werte hätten als Grundlage der Beziehungen zwischen den westlichen Nationen entscheidend zum europäischen Frieden beigetragen. Der Westen müsse jedoch dafür Sorge tragen, dass er diesen Prinzipien treu bleibe. Diese dürften nicht durch Zweckmäßigkeitserwägungen ausgehöhlt werden. In diesem Kontext führte Freudenstein ein Zitat von Gandhi an, welcher sich zur Westminster-Demokratie folgendermaßen geäußert hatte: „I think it would be a good idea.“ „Unsere Werte dürfen nie nur Idee sein, sondern müssen konkret gelten“, so Freudenstein. Diese zu schützen sei Aufgabe des Nationalstaates. Im Kontext der Globalisierung komme den Internationalen Organisationen - und dabei insbesondere der EU - eine entscheidende Rolle zu.

Stephen P. White thematisierte in seinem Vortrag ‚drei Herausforderungen’, welche der westlichen Zivilisation gegenübergestellt seien: die ‚Probleme’ des Relativismus, der Person und der Gemeinschaft.

Mit dem wachsenden Relativismus verliere die Gesellschaft auf Dauer eine gemeinsame Identität, der es zu Zwecken des sozialen Friedens bedürfe. Zwar sei es falsch anderen Menschen die eigene „Wahrheit“ aufzuzwingen, doch wenn es am Ende keine „gemeinsame Wahrheit“ gebe, habe dies negative Auswirkungen auf die sozialen Bande einer Gesellschaft: „Eine Welt ohne gemeinsame Wahrheit ist eine Welt ohne Versöhnung“, so White. Daher sei es heute umso wichtiger, christliche Werte an die kommende Generation zu vermitteln. Auf die Ausführungen White’s folgte eine intensive Diskussion über die Bedeutung christlicher Werte in einer säkularisierten Welt.

Die zweite Podiumsdiskussion, ‚Religion and Values in Society’, knüpfte thematisch an die vorangegangene Debatte an. Der Moderator des Panels, Todd Huizinga (Executive Director, Transatlantic Christian Council USA), betonte in seiner Einführung, dass der christliche Glaube die Basis der westlichen rechtsstaatlichen Verfassungen sei. „We emphasize the system of checks and balances!“

Marten Neuteboom (Forscher, CDA Research Institute), erster Referent der Diskussion, konstatierte in seinen Ausführungen, dass für religiöse Argumente in der öffentlichen Debatte kein Raum mehr bestehe, obwohl die westlichen Demokratien auf den gemeinsamen christlichen Werten gründeten.

Mitreferent Jayabalan Kishore (Director, Acton Institute Europe) ging daraufhin der Frage nach, weshalb christliche Politik „nicht existiert“. Die christlichen Parteien hätten es versäumt den Glauben als Bestandteil der Politik zu erhalten, so seine Schlussfolgerung. Dr. Stefan Gehrold (Leiter, KAS Europabüro Brüssel) warf in der anschließenden Diskussion die Frage auf, warum die Christdemokratie in Deutschland, trotz des Bedeutungsverlusts des Glaubens in der Gesellschaft, so erfolgreich sei.

Panel 3 befasste sich mit ‚Modern Conservatism’. Die Referenten waren Soren Dayton (Senior Vice President, Prism Public Affairs) und Kristen Soltis (Vice President, Winston Group). Letztere erörterte in ihrer Präsentation warum die junge Generation vom Konservatismus wegdrifte. Anhand verschiedener Statistiken zeigte sie auf, dass in den letzten Jahren die junge wahlberechtigte Bevölkerung in den USA stärker denn je dazu neige, die Democratic Party zu wählen.

Dies ließe sich nicht darauf zurückführen, dass der demokratischen Partei eine bessere Problemlösungsfähigkeit zugemutet werde. Diese Partei werde schlicht als „smarter“ wahrgenommen. Der „Faktor Obama“ spiele in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle. Präsident Obama könne die junge Generation durch sein sympathisches Auftreten über viele Fehler hinwegtäuschen. Republikanische Politik sei hingegen häufig negativ konnotiert. Darüber hinaus verstünden es die Demokraten im Wahlkampf besser die „social media“ einzusetzen. Auf Republikanischer Seite bestehe hier noch enormer Nachholbedarf, so Soltis.

Das letzte Panel des Tages befasste sich mit der Sozialen Marktwirtschaft. Dr. Stefan Gehrold erörterte dazu in seinem Vortrag zunächst die akademischen und historischen Hintergründe der sozialen Marktwirtschaft. Später konstatierte er, dass eine gesunde Marktwirtschaft nur funktionieren könne, wenn der Staat sich aus dem Markt heraushalte. Intervention sei lediglich geboten, um die Freiheit und Stabilität des Marktes zu schützen. „The market itself is social“, so Gehrold. Der zweite Referent, Henk Jan van Schothorst (Executive Director, Transatlantic Christian Council Europe) betonte in seinen Ausführungen die “christian responsibility in the market”.

Dienstagmorgen stand mit Podiumsdiskussion 5 ‚Security Policy beyond NATO’ auf der Tagesordnung. Die Referenten, Dr. Karl von Wogau (Generalsekretär, European Security Foundation) und Gary Schmidt (Co-Director, Marilyn Ware Center for Security Studies) diskutierten unter der Moderation von Dr. Gehrold die aktuellen Herausforderungen der internationalen Sicherheitspolitik.

Dr. von Wogau erkannte Massenvernichtungswaffen, Terrorismus, regionale Konflikte und organisiertes Verbrechen als die vier elementaren Bedrohungen der Gegenwart an. In seinem Vortrag legte er den Fokus auf Europa und die EU. Auch wenn die EU in vielen Missionen Erfolge vorweisen könne (so z.B. in diversen Wahlbeobachtungsmissionen oder bei der Bekämpfung von Piraterie), müsse sie sich zu Recht den Vorwurf gefallen lassen, im „eigenen Vorgarten“ nicht immer für Ordnung gesorgt zu haben. Als Beispiel führte er die Balkankriege der 1990er Jahre, sowie die Probleme im Kontext des Arabischen Frühlings an. Es bestünde der Bedarf gemeinschaftlicher Koordination, doch seien die europäischen Nationalstaaten dafür noch nicht bereit.

Weiterhin thematisierte von Wogau die wirtschaftliche Dimension der europäischen Sicherheitspolitik. Es gebe weder einen gemeinsamen europäischen „defense market“, noch bestünden europäische Standards und Zertifikate für militärische Gerätschaften. Dies treibe die Kosten für militärische Produkte durch mittlerweile 28 nationalstaatliche Zulassungsverfahren enorm in die Höhe. Er sprach sich daher für die Verfassung eines ‚european whitebook of security and defense’ aus.

Über die zukünftige Rolle der NATO in den internationalen Beziehungen diskutierten in Podiumsdiskussion 6 Marc Würfel-Elberg (Beauftragter für Europäische Angelegenheiten, Stadt Münster) und Frank Sensenbrenner (Visiting Fellow, Centre For Transatlantic Relations, John Hopkins University), unter Moderation von Todd Huizinga.

Die letzte Diskussion mit dem Titel ‚Joint responsibility for Democracy’ wurde moderiert von Max Primorac (Between Two Rivers LLC). Redner waren Bruce Overton (Assistant Director, Public Company Accounting Oversight Board), Theodore R. Malloch (Chairman and Chief Executive Officer, Global Fiduciary Governance) und Johannes Neudeck (Beauftragter für Friedens- und Versöhnungsarbeit, Evangelisch-lutherische Kirche Sachsen).

In einer abschließenden informellen Sitzung aller Teilnehmer wurden die Ergebnisse der Konferenz zusammengetragen und eine Veranstaltungsevaluation vorgenommen. Die Teilnehmer sprachen sich für eine Fortsetzung des Formates aus.

Raphael Faust