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#KASkonkret

„Trump-Wähler wollen wieder arbeiten, statt Corona zu bekämpfen“

von Maximilian Nowroth

KASkonkret_25: Unsere Interviewreihe zu Themen der Zeit.

Andrew Denison, Deutschamerikaner und Direktor des Transatlantic Networks, analysierte in Folge 25 von #KASkonkret die US-Wahl. Dabei zeigte er viele Gründe auf, warum mehr Amerikaner denn je Donald Trump gewählt haben.

Joe Biden gegen Donald Trump, das ist die wichtigste Wahl des Jahres und auch ein Duell zweier Männer, die zwar das gleiche Land führen wollen, aber unterschiedlicher nicht sein könnten – in ihrer Weltanschauung, in ihrem Politikstil, in ihrer Persönlichkeit. Aktuell wissen wir noch nicht genau, wer für die nächsten vier Jahre Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird; in jedem Fall aber wird das Ergebnis die Welt verändern.

 

In Folge 25 unserer digitalen Veranstaltungsreihe #KASkonkret hatten wir den Deutschamerikaner Andrew Denison zu Gast, er stammt aus dem Bundesstaat Wyoming und führt seit 1999 die politische Beratungsagentur Transatlantic Networks in Königswinter. Denison zeigte sich überrascht, dass so viele Menschen in seinem Heimatland – zum Stand am Freitagnachmittag sind es fast 69 Millionen – für Donald Trump gestimmt haben. „Für sie ist der eigene Job und damit der wirtschaftliche Wohlstand wichtig, von den Covid-Lockdown-Maßnahmen sind sie genervt.“

 

Die Umfragen hatten prophezeit, dass Joe Biden mit deutlichem Abstand gewinnen würde, stattdessen liefern sich die beiden Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Warum waren die Prognosen so falsch? „Sie messen die nationale Stimmung und nicht die einzelnen Bundesstaaten“, erläuterte der Experte. Die ländliche Bevölkerung habe mehr politische Entscheidungsmacht als die Großtstädter, das werde in den Studien aber nicht abgebildet. Und Donald Trump habe gerade in den Provinzen seine Stammwählerschaft mobilisieren können.

 

Grundsätzlich sollte man aber unabhängig vom Ergebnis über die hohe Wahlbeteiligung glücklich sein, sagte Denison. Die sei auch dadurch entstanden, dass so viele per Brief abgestimmt haben.

 

Eine der wichtigsten Fragen, die sich viele Wahlbeobachter stellen: Warum wollen so viele Amerikanerinnen und Amerikaner, dass Donald Trump das Land weitere vier Jahre führt? Andrew Denison nennt mehrere Gründe, zunächst einmal die Persönlichkeit des amtierenden Präsidenten: „Er ist ein Selbstdarstellungskünstler ohnegleichen. Er fesselt die Aufmerksamkeit und er langweilt nicht – im Gegensatz zu den normalen Politikern. Er ist ein Haudrauf-Typ und entspricht damit der Mentalität vieler Amerikaner: nicht nörgeln, sondern machen!“

 

Außerdem unterstützten ihn viele in seiner trotzigen Art gegenüber Corona, trotz der mehr als 230.000 Toten. „Seine Wähler sagen: ,Es sind nur Weicheier, die da gestorben sind. Trump hat es überlebt!‘“ In seinem Heimatbundesstaat Wyoming würden Menschen sich prügeln wenn ihnen jemand vorschreibe, eine Maske zu tragen. Negative wirtschaftliche Folgen wie die der hohen Arbeitslosigkeit rechnten die republikanischen Wähler Donald Trump nicht zu.

 

Warum nicht? Denison sagt: „Solange Donald Trump Feindbilder schürt, etwa die Chinesen als Jobkiller für die Industrie, dann regt er die Menschen auf und schafft bei ihnen ein enormes Identitätsgefühl. Selbst wenn er dadurch keine Jobs schafft.“ Das sei von außen betrachtet zwar nicht logisch, aber erfolgreich. Trump führe eine „Abschottungspolitik“ gegenüber mehreren Gruppen – anderen Staaten, der Elite mit College-Abschluss, erfolgreichen und emanzipierten Frauen, Befürwortern der Ehe für alle – und gehe damit ein auf die Angst all jener, die sich zurück gelassen fühlten bei den schnellen Veränderungen ihres Landes. „Trump sagt: Ich mache Schluss damit und schotte das Land ab. Jetzt sind wir wieder allein für unser Schicksal verantwortlich, die Welt kann uns mal. Und das kommt an bei den Leuten.“

 

Andrew Denison selbst hat für Joe Biden gestimmt, weil er Trump als Spalter sieht und glaubt, dass Biden die weltoffene und toleranter Mehrheit der Amerikaner einen kann.

Um staatliche Institutionen zu stärken, die Wissenschaft zu fördern, den Mindestlohn zu erhöhen und die Schulen zu verbessern. Demgegenüber gebe es „eine starke Bewegung von Menschen, die sich abschotten wollen – und die muss man mitnehmen!“

 

Christian Koecke, Referent für Grundsatzfragen beim Politischen Bildungsforum NRW, weist in den Zusammenhang daraufhin, dass es der womögliche Wahlsieger Joe Biden auch weiterhin mit einem republikanischem Senat zu tun haben wird, also nicht einfach „durchregieren“ kann. Außerdem wirft der promovierte Philosoph einen Blick nach Deutschland: „Offensichtlich gibt es einen soliden Teil der amerikanischen Bevölkerung, den der Anti-Eliten-Wahlkampf Trumps angesprochen hat und der sich ,von denen da oben‘ nicht angesprochen fühlt. Ein solches Phänomen ist auch in Deutschland zu beobachten, und die Politik täte gut daran, den Fehler der amerikanischen Demokraten nicht zu wiederholen, diese Leute als "Abgehängte" zu missachten und ihnen nicht zuzuhören.“

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