KAS

#KASkonkret

„Verstehen, was Demokratie ist“

KASkonkret_#50: Unsere Interviewreihe zu Themen der Zeit

Gemeinsam.Demokratie.Gestalten. So lautet der Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung. #KASkonkret im Gespräch mit Dr. Ludger Gruber, Landesbeauftragter der KAS in NRW.
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Politische Bildung, ein Begriff, der womöglich erstmal sperrig wirkt, der uns aber alle betrifft. Denn politische Bildung will uns dazu befähigen, mündige Staatsbürger zu sein. Staatsbürger, die Demokratie aktiv leben und mitgestalten. „Politische Bildung hat den Hauptauftrag, dass Menschen in diesem Land verstehen, was Demokratie überhaupt ist, sie idealerweise akzeptieren – und, was noch besser wäre, sich in ihr aktiv engagieren.“ So erläutert Dr. Ludger Gruber, Landesbeauftragter der KAS in NRW und stellvertretender Leiter Politische Bildung, worum es bei der Arbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung und anderer politischer Bildungsträger eigentlich geht.

 

Wie funktioniert das ganz praktisch?

Politische Bildungsträger versuchen Menschen aller Altersklassen und Bildungsgrade zu erreichen, vom Fabrikarbeiter über die Ärztin und den Fußballfan bis zur Kommunalpolitikerin. Dafür braucht es individuell unterschiedliche Ansprachen und Ansätze. Ludger Gruber berichtet von einem Demokratiestärkungsprojekt, bei dem die KAS an Orte gefahren ist, wo sie vorher noch nie war, um Menschen zu treffen, zu denen sie noch nie Kontakt hatte. Zum Beispiel Fans des Fußballvereins Schalke 04. „Mit den Fans haben wir über Antisemitismus gesprochen. Wir hatten eine dreistellige Zahl von Teilnehmern, das hat mich positiv überrascht.“

Bei einer Demokratie-Bustour zu den Marktplätzen verschiedener NRW-Städte sei es schon schwieriger gewesen, die Menschen zu erreichen. Viele seien beim Wort Demokratie sofort weitergegangen. Für Gruber aber kein Grund, geknickt zu sein. „Man weiß vorher nie sicher, ob das, was man sich überlegt hat, wirklich greift. Wir sind in einem permanenten Aktion-Reaktion-Prozess. Das macht es spannend.“

Die KAS arbeitet auch mit externen Partnern zusammen, um neue Zielgruppen zu erschließen. In einem gemeinsamen Demokratie-Projekt mit der E-Sports Player Foundation ging es darum, Werte wie Respekt zu vermitteln. „Da haben wir fünf Stunden online gestreamt und Zuschauerzahlen erreicht, die alle bisherigen Rekorde gebrochen haben. Das ist für einen wie mich, der sonst aus dem Präsenzbereich kommt, schon außergewöhnlich zu sehen, welche Formate funktionieren“, so Gruber.

 

Ist die Demokratie in Gefahr?

Seit Donald Trump den Begriff „fake news“ salonfähig gemacht hat, seit auf Youtube und Facebook Verschwörungsmythen ungebremst kursieren und tausende Male geklickt werden, wachsen die Sorgen um die Widerstandskraft unserer Demokratien. Ist die Demokratie in Deutschland in Gefahr? So weit würde Ludger Gruber nicht gehen. „Ich bin eher auf der Seite derjenigen, die sagen, dass Demokratie viel aushalten muss. Aber es gibt klare Grenzen, z. B. menschenfeindliche, persönlichkeitsverletzende, extremistische Positionen. Die erkennt man sehr schnell und das dürfen wir nicht dulden.“

 

Als besondere Gefährdung, weil unsichtbar, sieht Ludger Gruber etwas, das er „die Entfremdung von zu vielen Menschen vom politischen Prozess“ nennt. „Diese Menschen fragen sich: warum dauern politische Prozesse so lange, warum sind die Ergebnisse so vermeintlich schlecht? Bei diesen Menschen entsteht allmählich der Eindruck, das System Demokratie sei insgesamt nicht gut.“

 

Ludger Gruber findet, dass alle, die öffentlich agieren, gefordert seien, hier Position zu beziehen, um deutlich zu machen, dass nicht das System Schuld ist. „Lasst uns schauen, wie wir staatliche Prozesse modernisieren, wie wir sie effizienter machen, lasst uns Beteiligung erhöhen. Aber bitte im Rahmen dieser parlamentarischen Ordnung.“

 

Schwächelnde Diskussionskultur

Sorgen bereitet Ludger Gruber auch, dass bei einigen Menschen die Fähigkeit, andere Meinungen als die eigene zu akzeptieren, nachlässt. Auch solche Meinungen, die sich im demokratischen Spektrum bewegen. „Für die Demokratie ist essentiell, dass wir uns gegenseitig zuhören, uns austauschen, bei unterschiedlichen Meinungen einen Konsens suchen. Wenn ich meine Meinung oder die meiner Gruppe für absolut halte und die anderen nicht anerkenne, auch nicht respektiere, noch nicht mal in einen Austausch gehe, dann verengt sich alles. Wir werden dann auch weniger gute politische Lösungen finden.“

Die KAS arbeitet mit verschiedenen Formaten daran, die Diskussionskultur im Netz und face-to-face wieder zu stärken. Auch das ist Demokratierelevant, so Gruber. "Politische Lösungen sind immer das Ergebnis von sehr unterschiedlichen Ansätzen und Sichtweisen. Und damit sind wir die vergangenen 70 Jahre auch gut gefahren."   

 

Präsenz versus digital

Die Corona-Pandemie hat auch die Arbeit der politischen Bildungsträger auf den Kopf gestellt. Präsenz-Seminare, Podiumsdiskussionen mit Publikum, all das war plötzlich nicht mehr möglich. „Wir haben uns, wie wahrscheinlich alle, erst mal ein paar Wochen gesammelt, und dann eine Sprunginnovation an den Start gelegt“, beschreibt Ludger Gruber die ersten Pandemie-Wochen. „Wir haben die digitalen Tools, die wir schon hatten, exponentiell ausgeweitet, haben neue, maßgeschneiderte Digitalformate entwickelt. Ich glaube auch, dass wir nach der Pandemie einen deutlich erhöhten digitalen Anteil behalten werden.“

 

Durch die digitalen Angebote habe die KAS auch Menschen erreicht, die früher an bestimmten Veranstaltungen nicht teilnehmen konnten, weil sie z. B. ihre Kinder versorgen mussten. „Eine junge Mutter z. B., die konnte früher nie bei den abendlichen Treffen unseres Frauenkollegs dabei sein, wo wir Frauen empowern wollen, sich politisch zu engagieren. Jetzt bringt sie abends erst ihre Kinder ins Bett und schaltet sich danach in die Digitalveranstaltung rein.“

 

Er merke aber auch, dass nicht wenige wieder zum Präsenzformat zurückkehren wollen, nach über einem Jahr voll Videokonferenzen. Soziale Interaktion digital abzubilden, gelinge eben nicht zu 100 Prozent.

 

Das ganze #KASkonkret-Interview…

…mit Dr. Ludger Gruber findet ihr auf dem Youtube-Kanal der Konrad-Adenauer-Stiftung, „onlinekas.“

Ansprechpartner

Frank Windeck

Frank Windeck bild

Referent DigitalAkademie, Büro Bundesstadt Bonn

Frank.Windeck@kas.de +49 2241 246-2314 +49 2241 246-54257