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#KASkonkret

„Unterricht digital? Genial!“

von Maximilian Nowroth

#KASkonkret_13: Wie stellen wir uns der Krise?

Paul Meurer, Direktor des Anne-Frank-Gymnasiums in Halver, sprach in Folge 13 von #KASkonkret über Schule in Zeiten von Corona, Überzeugungsarbeit und einen Hacker-Wettbewerb.

Zwei von drei Schulen sind im März nicht gut vorbereitet in den digitalen Unterricht gestartet – dieses Zeugnis stellen Lehrkräfte in der repräsentativen Umfrage „Schulbarometer Spezial“ dem deutschen Bildungswesen aus. Den größten Nachholbedarf sehen die Lehrerinnen und Lehrer vor allem bei ihren eigenen Kompetenzen und in der technischen Ausstattung der Schule.

 

Paul Meurer leitet ein Gymnasium in der Kleinstadt Halver in NRW und hat dort schon vor fünf Jahren mit der Digitalisierung begonnen – und eine Lernplattform eingeführt, die von überall zugänglich ist. In Folge 13 von #KASkonkret sprachen wir über modernen Unterricht und Schule in Zeiten von Corona. Als Erstes erzählte der Oberstudiendirektor von einer interessanten Erfahrung, die er in den vergangenen Monaten gemacht hat:

 

Wir haben in der Pandemie festgestellt: Nichts geht an der Analogie des Lehrers vorbei.“ Der analoge Lehrer sei „das Zentrum der Wissensvermittlung“, sagte Meurer. „Der digitale Unterricht ist ein weiterer Baustein, der hilft, Dinge auf unterschiedliche Weise zu erklären.“

 

Zentrum dieser Lernstrategie ist ein digitaler Raum, den Meurer mithilfe zweier ehemaliger Schüler entwickelt und für seine Schule zugeschnitten hat. Im Unterschied zu den meisten anderen deutschen Gymnasien haben die Klassen stets ein eigenes Smartphone oder einen Laptop im Unterricht griffbereit, um es auf Zuruf der Lehrkraft einzusetzen. Während der Coronakrise haben die rund 80 Lehrerinnen und Lehrer an seinem Gymnasium zusätzlich für ihre Fächer digitale Lehrmaterialien erstellt und Erklärvideos produziert, um Unterricht aus der Ferne möglich zu machen.

 

Digitale Transformation braucht vereinte Kräfte von Eltern, Schülern und Lehrern

 

Wie wird dieser Mehraufwand honoriert? „Ich glaube, dass die Schülerinnen und Schüler die größte Belohnung ausgeben“, sagte Meurer – und erzählte das Beispiel einer Kollegin, die ihren Unterricht für zu Hause besonders engagiert vorbereitet hatte. „Als sie in Mutterschutz ging, haben die Schüler ihr nachgeweint, weil bei ihr die Möglichkeiten so genial gestaltet waren.“ Er habe diesen Eindruck auch an die Bezirksverwaltung weitergeleitet und auf Dauer werde solch eine Leistung „mit Sicherheit ein neuer Baustein sein, der für Beurteilungsrichtlinien zu Grunde gelegt wird.“

 

Paul Meurer betonte in dem Gespräch immer wieder, wie wichtig die Einbindung aller Beteiligten war. Solch ein Kulturwandel ging nur gemeinsam: So mussten zum Beispiel die Eltern den Datenschutz absegnen und das Kollegium den Mehrwert für die eigene Arbeit verstehen. Und auch für die Schülerinnen und Schüler brauchte es Überzeugung:

 

„Ein ,Ich mach ein perfektes Konzept‘ gibt’s gar nicht“, resümierte Meurer. „Sondern man entwickelt sich während dieser Zeit weiter und das bringt natürlich auch Frust mit sich. Irgendwann habe ich einen Trick angewandt und eine digitale Schülerkonferenz gemacht, die erste an unserem Gymnasium.“ Damit habe man es geschafft, auch die Schülerinnen und Schüler mitzunehmen. „Das war der entscheidende Schritt, um zu zeigen: Wir machen hier etwas ganz Besonderes, die anderen sind noch nicht so weit.“

 

Hacker-Wettbewerb für mehr Sicherheit im Schulnetz

 

Außerdem rief der Schulleiter einen besonderen Wettbewerb aus: Wer es schafft, das Schulsystem zu hacken, bekommt einen Preis, zum Beispiel ein neues Smartphone. „Wenn das der Chaos Computer Club bei Unternehmen macht, dann können wir das doch auch so angehen“, sagte Meurer. Bis dato habe jedoch noch keiner das Netzwerk geknackt.

 

Eine Frage, die viele Menschen während der Coronakrise beschäftigt hat, war: Werden Schülerinnen und Schüler, die aus sozial schwächeren Familien stammen oder auf dem Land wohnen, beim Fernunterricht benachteiligt? Eine aktuelle Studie der TU Dortmund hat herausgefunden, dass einigen jungen Menschen zu Hause entweder die Hardware oder sogar eine vernünftige Internetverbindung fehlte, um am digitalen Unterricht teilzunehmen.

 

„Es gab auch bei uns Schülerinnen und Schüler, bei denen zu Hause auch nur ein Rechner zur Verfügung war“, erzählte der Sauerländer. Dann hätten die Mutter oder der Vater wegen ihrer Arbeit Priorität gehabt, oder vielleicht ein Geschwisterkind, das Abitur macht. „Das sind so Punkte, wo ich einfach denke: Da hat die Studie recht.“


Frank Windeck, Referent im Bonner Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung, betonte in diesem Zusammenhang noch einmal den großen Nutzen des KAS-Projektes DigitalAkademie: „Sie bietet für Lehrerinnen und Lehrer Weiterbildungen an, die sich mit digitalem Lernen und Lehren im Klassenraum beschäftigen. Und seit Corona natürlich auch mit dem Lernen auf Distanz.“ So könnten Antworten auf zentrale Fragen gefunden werden: Wie kann ich digitale Hilfsmittel dazu einsetzen, meine Schüler besser zu erreichen, meinen Unterricht besser zu machen und mich auch selber besser zu organisieren?

 

Es war ein sehr lehrreiches Gespräch – die Schulen gehen jetzt in die Ferien und auch wir bei #KASkonkret machen Sommerpause. Vielen Dank fürs Zuschauen und Mitdiskutieren bei den bisherigen Folgen! Wir sind schon sehr gespannt auf die Fortsetzung am 18. August, dann haben wir Norbert Lammert im Livestream zu Gast: den Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung. Auf Wiedersehen und einen schönen Sommer!


 

Ansprechpartner

Frank Windeck

Frank Windeck bild

Referent DigitalAkademie, Büro Bundesstadt Bonn

Frank.Windeck@kas.de +49 2241 246-2314 +49 2241 246-54257