Veranstaltungsberichte

Zukunft Europas

Zukunftswerkstatt

Europa am Scheideweg: Die Mitgliedstaaten sitzen am Steuer, aber fahren auf Sicht und werden von den Krisen zu ständigen Richtungskorrekturen gedrängt. Wohin die EU steuert, diskutierten 20 ambitionierte junge Leute im Rahmen einer Zukunftswerkstatt.

Zu Veranstaltungsbeginn wurden Leitbilder der europäischen Integration dargestellt und die historische Entwicklung anhand der Etappen europäischer Einigung aufgezeigt und diese Entwicklungslinien zu einem Zukunftsszenario verdichtet.

Im Rahmen eines abendlichen Kamingesprächs diskutierte der Europaabgeordnete Axel Voss mit engagierten Student(inn)en und Schüler(inn)n über aktuelle politische Fragen. Dabei gab er einen Einblick in die Grundsätze christdemokratischer Europapolitik. Aufgrund der Kompetenzausweitung dieser Institution in Bereichen wie Gesetzgebung, Budgetierung und Kontrolle seien Verantwortung und Arbeitspensum merklich angestiegen. In einem Appell ermunterte er dazu, sich mit Europa auseinanderzusetzen. Nur wer sich einmische und engagiere, könne auch gestaltende Wirkung erzielen.

Am darauffolgenden Tag setzten sich die Teilnehmer in drei Workshops mit den Themenfeldern: Partizipationsmöglichkeiten in Europa, der sozialen Dimension des Binnenmarktes sowie klimaverträglicher Wohlstandssicherung auseinander. In abwechslungsreichen und spannenden Diskussionen gelang es, neue Einblicke in europäische Zusammenhänge zu erlangen.

Anhand der zentralen Frage „Zerbricht Europa an der Währungsunion?“ wurden die Grundlagen der europäischen Wirtschafts- und Währungspolitik aufgearbeitet. Die Bundestagsreden zur Griechenland-Hilfe und zum Rettungschirm im Mai 2010 wurden in Gruppen auszugsweise gezeigt, analysiert und politische eingeordnet.

Anschließend skizzierte in einem weiteren abendlichen Kamingespräch der vormalige Forschungsdirektor der EU- Kommission, Dr. Christian Patermann, ein geopolitisches und ökonomisches Bild eines Europas 2020. Seiner Meinung nach seien Forderungen in Richtung einer zu weiten geographischen Überdehnung der Europäischen Union kritisch zu sehen. Die Teilnehmer zeigten abermals großes Interesse an der Thematik, was sich in gehaltvollen und mitdenkenden Fragestellungen wiederspiegelte.

Am dritten Tag der Veranstaltung wurde unter der Leitung von Josef Janning, Studiendirektor am European Policy Center, die Frage einer gemeinsamen europäischen Identität debattiert. Seine These war, dass Europa dauerhaft elastisch bleiben müsse, um sich veränderlichen Gegebenheiten anzupassen. Anhand von einzelnen ausgewählten Mitgliedsstaaten wurde das Zugehörigkeitsgefühl zu Europa erörtert und diskutiert.

Roland Freudenstein, Forschungsdirektor am Center for European Studies, wurde aus Brüssel via Skype als Experte zeitweise zugeschaltet. In den Mittelpunkt dieses Experteninterviews stellte er das Grundprinzip der Freiheit als Kern der europäischen Identität. Er ermutigte die Teilnehmer, sich anderen Kulturen zu öffnen und fremde Sprachen zu erlernen.

Ansprechpartner

Prof. Dr. Martin Reuber

Prof. Dr

Referent Europa- und Bildungspolitik, Büro Bundesstadt Bonn

Martin.Reuber@kas.de +49 2241 246 4218 +49 2241 246 54218