Herkunft und Ausbildung
Karin Kraus wurde am 26. Juni 1965 in Amsterdam geboren. Ihre Großeltern waren jüdischer Herkunft und flohen vor dem Nationalsozialismus in die Niederlande bzw. überlebten die NS-Zeit in Prag. Einige ihrer Vorfahren wurden im Holocaust ermordet. Zwar wurde Kraus nicht religiös erzogen, doch spielte die jüdische Kultur in der Familie eine große Rolle. 1969 zog die Familie aus beruflichen Gründen von Amsterdam nach Neuwied. Bereits 1979 trat Kraus in die Schüler-Union und zwei Jahre später auch in die CDU ein. Nach dem Abitur 1984 studierte sie in Bonn Rechtswissenschaften und Politik. Während des Studiums war sie studentische Hilfskraft bei Friedbert Pflüger, dem damaligen Pressesprecher von Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Außerdem lernte sie während des Studiums Friedrich Merz kennen. 1989 legte Kraus das erste Staatsexamen ab und ging für ein Postgraduiertenstudium mit dem Schwerpunkt internationales Handelsrecht nach Amsterdam. Nachdem sie 1991 den LL.M. (Master of Laws) bestanden hatte, absolvierte sie in Hannover ihr Referendariat. Erst jetzt nahm sie die deutsche Staatsbürgerschaft an. Nach dem zweiten Staatsexamen 1994 arbeitete Kraus als selbständige Rechtsanwältin in Leipzig, Hannover und Hamburg.
Aufstieg in der CDU Hamburg
In Hamburg-Blankenese gründete sie 1996 mit ihrem Mann, dem Rechtsanwalt Jochen Prien, eine Familie und begann sich ab 2004 politisch zu engagieren. Bereits 2006 wurde sie im Kreisverband Hamburg-Altona zur stellvertretenden Vorsitzenden gewählt und seit 2010 gehörte sie dem Landesvorstand Hamburg an. Bei der Bürgerschaftswahl 2011 konnte Karin Prien ihren Wahlkreis direkt gewinnen und zog in die Hamburger Bürgerschaft ein. In der CDU-Fraktion, die sich nun in der Opposition wiederfand, wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden und schulpolitischen Sprecherin gewählt. Fleißig und öffentlichkeitswirksam überzog sie den Senat unter Olaf Scholz mit zahlreichen Anfragen und sparte im Plenum nicht mit deutlicher Kritik. Obwohl die CDU bei der Bürgerschaftswahl 2015 ihr bis dahin schlechtestes Ergebnis erzielte, konnte Prien ihren Wahlkreis erneut gewinnen. Auch in Kiel wurde man nun auf die Hamburger Abgeordnete aufmerksam. Zur Landtagswahl 2017 holte sie Spitzenkandidat Daniel Günther in seine Mannschaft. Nach dem Sieg der CDU Schleswig-Holstein wurde sie Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur im Kabinett Günther.
Ministerin in Schleswig-Holstein
Zunächst musste Prien in Kiel das Wahlversprechen der CDU, die Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren, umsetzen. Außerdem stellte sie mehr Lehrer ein und schaffte per Erlass das Gendern in den Schulen ab. Ab 2020 wurde ihre Arbeit durch die Corona-Pandemie überschattet. Ihr Vorschlag, wegen der Pandemie die Abiturprüfungen in Schleswig-Holstein ausfallen zu lassen, stieß aber in der Kultusministerkonferenz auf Ablehnung. Als es 2021 zu neuen Corona-Ausbrüchen kam, sprach sie sich dafür aus, die Schulen so lange wie möglich offen zu lassen. Geprägt von ihren Erfahrungen in der Pandemie forderte Prien eine Reform des Föderalismus in der Bildungspolitik mit bundesweit gleichen Qualitätsstandards. In der CDU Schleswig-Holstein bekam sie für ihre Arbeit viel Zustimmung. Bereits 2018 wurde sie zur stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt. Im gleichen Jahr übernahm sie den Vorsitz des jüdischen Forums in der CDU. Auch in der Hauptstadt fiel Prien positiv auf: 2021 holte sie der damalige Kanzlerkandidat Armin Laschet für den Bereich Bildung und gesellschaftlicher Zusammenhalt in sein „Zukunftsteam“. Da die CDU die Bundestagswahl 2021 aber verlor, setzte sie ihre Karriere zunächst in Schleswig-Holstein fort. Für die Landtagswahl 2022 wurde Prien im Wahlkreis Pinneberg aufgestellt und konnte das Mandat auch direkt gewinnen. Aus der Wahl ging die CDU als klarer Sieger hervor und Ministerpräsident Günther bildete eine Koalition mit den Grünen. Der neuen Landesregierung gehörte Prien weiterhin als Kultusministerin an. Um den Lehrermangel in Schleswig-Holstein zu bekämpfen, erhöhte sie die Besoldung der Grundschullehrer und vergrößerte die Anzahl der Studienplätze und der Referendarstellen für Lehramtskandidaten. Außerdem wollte sie die Schul- und Lehrerbildung stärker an die digitalen Unterrichtsmöglichkeiten anpassen. 2022 übernahm sie zudem den Vorsitz der Kultusministerkonferenz. Im gleichen Jahr wurde sie erstmals zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU gewählt.
In der Bundespolitik
Nach der vorgezogenen Bundestagswahl im Februar 2025 bildete der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz eine Koalition mit der SPD. Als Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend holte er Karin Prien in sein Kabinett. Auf ihren Wunsch hin wurden die Bereiche Bildung und Familie nun in einem Ministerium vereint. Außerdem konnte Prien bei den Koalitionsverhandlungen erreichen, dass ihr Haus 2,5 Mrd. Euro für einen Digitalpakt für die Schulen erhielt. In ihrem neuen Amt möchte sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern und die frühkindliche Bildung ausbauen. Auch forderte sie Sprach- und Entwicklungstests für Vierjährige und eine Altersbegrenzung für die Nutzung von Social-Media.
Als erste Bundesministerin flog Prien 2025 nach dem Ende des Gaza-Krieges nach Israel, um über die Gründung eines deutsch-israelischen Jugendwerkes zu verhandeln. Gerne möchte sie, dass das jüdische Leben in Deutschland wieder sichtbarer wird. Sorge macht Prien, die sich erst spät zu ihren jüdischen Wurzeln bekannte, allerdings der zunehmende Antisemitismus von rechts und links – insbesondere seit dem Überfall der Hamas auf Israel 2023.
Auf dem Bundesparteitag der CDU im Februar 2026 wurde sie in ihrem Amt als stellvertretende Bundesvorsitzende bestätigt.
Privat lebt Karin Prien mit ihrer Familie weiterhin in Hamburg-Blankenese. In ihrer Freizeit kocht und liest sie gerne und ist begeisterte Tennisspielerin.
Lebenslauf
- 26. Juni 1965 Geburt in Amsterdam
- 1969 Umzug der Familie nach Neuwied
- 1979 Eintritt in die Schüler-Union
- 1981 Eintritt in die CDU
- 1984 Abitur in Neuwied
- 1984–1989 Studium der Rechts- und Politikwissenschaften in Bonn
- 1989 1. juristisches Staatsexamen
- 1990–1991 postgraduierten Studium in Amsterdam
- 1991 Master of Laws (LL.M.) an der Universität Amsterdam
- 1992–1994 Referendariat in Hannover
- 1994 2. juristisches Staatsexamen
- 1994–2017 Tätigkeit als selbständige Rechtsanwältin
- 2006 stv. Vorsitzende des KV Altona
- 2008 Fachanwältin für Handels- und Gesellschaftsrecht in Hamburg
- 2010–2018 Mitglied des Landesvorstands der CDU Hamburg
- 2011–2017 MdHB
- 2017–2025 Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Schleswig-Holstein
- Seit 2018 stv. Vorsitzende der CDU Schleswig-Holstein
- Seit 2018 Vorsitzende des jüdischen Forums in der CDU
- Seit 2019 Vorsitzende des BFA Bildung, Forschung und Innovation der CDU
- 2022–2025 MdL Schleswig-Holstein
- Seit 2022 stv. Bundesvorsitzende der CDU
- 2022 Präsidentin der Kultusministerkonferenz
- Seit 2025 Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend