Zwei Wochen nach dem Gedenken an die Opfer des Angriffes der Hamas am 7. Oktober 2023 und eine Woche vor der Wahl für die nächste Knesset besuchte in Israel eine Delegation der CDU Sachsen, angeführt von Nora Seitz (MdB) gemeinsam mit Rick Ulbricht (MdL), Julian Schiebe (persönlicher Referent des sächsischen Kultusministers), Jörg Förster (Sprecher des Landesministers für Kultur und Tourismus) und Johannes Schwenk (Mitglied des Stadtrates von Dresden).
Gesundheit und Forschung
Ein Schwerpunkt des Programms lag auf den neuesten Entwicklungen im israelischen Gesundheits- und Forschungssektor. Gespräche mit Vertretern führender Forschungseinrichtungen verdeutlichten, welche Rolle Künstliche Intelligenz bereits heute in der medizinischen Versorgung spielt. KI-gestützte Systeme dokumentieren Arzt-Patienten-Gespräche, analysieren medizinische Daten und unterstützen Ärzte bei Diagnosen und Behandlungsentscheidungen. Israel gilt in diesem Bereich als einer der internationalen Vorreiter. Auch die Ausbildung zukünftiger Mediziner wird zunehmend durch moderne Technologien geprägt. Mithilfe hochentwickelter Simulationssysteme und lebensnaher Übungspuppen können komplexe Eingriffe und Notfallsituationen realitätsnah trainiert werden. Kamerasysteme zeichnen die Übungen auf und ermöglichen eine detaillierte Auswertung durch die Lehrenden.
Neben technologischen Innovationen wurde auch die gesellschaftliche Bedeutung des Gesundheitswesens thematisiert. Das israelische Gesundheitssystem bringt Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen und schafft Räume für Kooperation und Begegnung. Arabische Israelis sind in vielen Bereichen des Gesundheitssektors präsent, und die Zusammenarbeit mit medizinischen Einrichtungen in den palästinensischen Gebieten trägt zum fachlichen Austausch und zum Dialog bei.
Sächsisch-Israelische und Deutsch-Israelische Beziehungen
Ein weiterer Schwerpunkt waren die Beziehungen des Freistaates Sachsen zu Israel. Dies war vor allem beim Austausch mit Yariv Fisher, Bürgermeister der Stadt Herzlia, ein wichtiges Thema. Herzlia ist die Partnerstadt Leipzigs und wird demnächst Schülern eine Austauschreise nach Leipzig ermöglichen, die erste seit drei Jahren. Bei dem Treffen im Rathaus beschrieb der Bürgermeister den Delegationsteilnehmern zudem, wie die Stadt am 7. Oktober 2023 sowie während des Krieges mit dem Iran weiter funktioniert: Klare Rollenverteilung im Rathaus, offene Supermärkte für die Versorgungssicherheit und Schutzräume für jeden Einwohner ermöglichen es der Stadt, den Krisen und Kriegen zu trotzen. Auch bei Gesprächen mit weiteren Entscheidungsträgern standen die deutsch-israelischen Beziehungen sowie die Zusammenarbeit mit dem Freistaat Sachsen im Mittelpunkt. Dabei wurde deutlich, welch hohen Stellenwert die Partnerschaft mit Deutschland für Israel besitzt und wie wichtig der kontinuierliche politische Austausch bleibt.
Gedenken
Einen besonders bewegenden Teil der Reise bildeten verschiedene Gedenkveranstaltungen und Erinnerungsorte. Auf Einladung des deutschen Botschafters in Israel, Alexander Graf Lambsdorff, nahmen die Delegationsmitglieder am Empfang anlässlich des Tages der Deutschen Einheit teil. Bei Begegnungen mit Gästen aus Politik, Gesellschaft und Diplomatie ergaben sich zahlreiche Gespräche über die Erfahrungen der deutschen Wiedervereinigung sowie über aktuelle Entwicklungen in Deutschland und Israel. Tiefen Eindruck hinterließen der Besuch des Kibbuz Be’eri und des Geländes des Nova-Musikfestivals. An beiden Orten gedachte die Delegation der Opfer des Hamas-Angriffs vom 7. Oktober 2023. Die Begegnungen vor Ort machten deutlich, wie stark die israelische Gesellschaft bis heute von den Ereignissen geprägt ist und warum das Trauma jenes Tages weiterhin nachwirkt. Ebenso bewegend war der Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Mit einer Kranzniederlegung gedachte die Delegation der Opfer der Shoah. In zahlreichen Gesprächen wurde zudem die weltweit zunehmende Verbreitung antisemitischer Einstellungen und Vorfälle thematisiert und die Notwendigkeit eines entschlossenen gesellschaftlichen und politischen Engagements gegen Antisemitismus hervorgehoben.
Die Reise vermittelte ein vielschichtiges Bild eines Landes, das weiterhin mit den Folgen des 7. Oktober, anhaltenden Sicherheitsbedrohungen und innenpolitischen Herausforderungen konfrontiert ist. Gleichzeitig wurde sichtbar, auf welche Stärken Israel in dieser Zeit zurückgreifen kann: eine innovative Forschungslandschaft, leistungsfähige Institutionen, enge internationale Partnerschaften und eine bemerkenswerte gesellschaftliche Widerstandsfähigkeit.