Vor diesem Hintergrund veranstaltete das KAS-Auslandsbüro Kroatien-Slowenien am 8. April 2026 gemeinsam mit dem kroatischen Außenministerium in Zagreb ein hochrangiges Dialogformat zum Thema „Außen- und sicherheitspolitische Perspektiven Kroatiens bis 2030“. Anlass war der Besuch des deutschen Abgeordneten Klaus-Peter Willsch, einem langjährigen Freund Kroatiens. Im Zentrum stand die Frage, wie sich Kroatien nach seiner erfolgreichen Integration in EU und NATO künftig positioniert und welche Rolle es als Mitgestalter europäischer und transatlantischer Sicherheitspolitik einnehmen kann.
Eröffnet wurde die Konferenz von dem kroatischen Außenminister Dr. Gordan Grlić Radman und dem Direktor des KAS-Auslandsbüros Kroatien-Slowenien, Dr. Norbert Eschborn. Beide betonten die Bedeutung von politischem Dialog und internationaler Zusammenarbeit angesichts aktueller sicherheitspolitischer Herausforderungen sowie Kroatiens wachsende Rolle als konstruktiver Beitragender zur europäischen Sicherheitsarchitektur.
In zwei hochrangig besetzten Panels analysierten Vertreter aus Politik, Wissenschaft und sicherheitspolitischer Praxis (u.a. Prof. Dr. Pavo Barišić, Prof. Dr. Gordan Akrap, Dr. Mate Granić, Frano Matušić) Europas Rolle in einer zunehmend fragmentierten Weltordnung. Dabei wurde deutlich, dass Europas Handlungsfähigkeit wesentlich von innerem Zusammenhalt, verlässlichen Institutionen und einer gemeinsamen Wertebasis abhängt. Zugleich wurde Kroatiens Entwicklung vom Integrationsfall hin zu einem strategisch verantwortlichen Akteur hervorgehoben, dessen Erfahrungen aus Transformation und Reform in die künftige Außen- und Sicherheitspolitik einbezogen werden. Innenpolitischer Konsens wurde dabei als zentrale Voraussetzung für außenpolitische Glaubwürdigkeit und Stabilität betont.
Die Diskussionen unterstrichen zudem, dass Kroatiens Umgang mit hybriden Bedrohungen, gesellschaftlicher Polarisierung und externem Druck wertvolle Impulse für andere europäische Staaten liefert und seine institutionelle Reife sowie politische Resilienz verdeutlicht. Vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen wurde erörtert, wie europäische Kohäsion, institutionelle Resilienz, gesellschaftlicher Zusammenhalt und der Kampf gegen Desinformation gestärkt werden können.
Insgesamt zeigte die Konferenz, dass Europa in einer sich wandelnden internationalen Ordnung stärker auf Dialog, Kooperation, Konsens und strategische Vorausschau angewiesen ist. Sie bot eine Plattform für den Austausch zwischen Kroatien und Deutschland und setzte Impulse für eine gemeinsame, wertebasierte Außen- und Sicherheitspolitik. Dabei wurde Kroatien insbesondere in Südosteuropa als verlässlicher Partner und Impulsgeber hervorgehoben. Mit Blick auf 2030 wurde betont, dass stabile Partnerschaften und verbindende Ansätze entscheidend für Frieden, Stabilität und demokratische Entwicklung in Europa sind.
Themen
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„Wir haben unsere Seismografen in aller Welt.“