Stärkung des Rassemblement National, Durchbruch von La France Insoumise
In der ersten Runde der Kommunalwahlen konnten der Rassemblement National (RN) und Verbündete beachtliche Fortschritte verzeichnen[1]. Der RN erzielte vor allem in kleineren und mittelgroßen Städten sowie in Teilen Süd- und Nordfrankreichs starke Ergebnisse. Damit setzt die Partei ihre Strategie fort, sich langfristig auf kommunaler Ebene zu verankern – ein zentrales Ziel des Vorsitzenden Jordan Bardella und der Fraktionsvorsitzenden in der Nationalversammlung, Marine Le Pen. Enttäuschungen gab es beim RN jedoch auch.
Vor allem in kleineren Kommunen erzielte der RN deutliche Zugewinne. In rund 20 Gemeinden mit mehr als 3.500, aber weniger als 10.000 Einwohnern gelang es dem RN und seinen Verbündeten sogar, bereits im ersten Wahlgang Bürgermeisterämter zu erringen. In Städten dieser Größenordnung erreichten der RN und andere rechte Parteien in 514 Kommunen mehr als 10 % der Stimmen – die Schwelle für den Einzug in den zweiten Wahlgang. Das stellt einen Rekord dar, verglichen mit 444 Kommunen im Jahr 2014. Besonders bemerkenswert ist zudem, dass der RN zunehmend in neuen Regionen Fuß fasst: In der Region Nouvelle-Aquitaine konnte die Partei zwei Bürgermeisterämter gewinnen, obwohl sie dort zuvor noch nie eine Kommune geführt hatte.
Landesweit betrachtet liegen der RN und seine Verbündeten nach dem ersten Wahlgang in mindestens 75 Kommunen vorn, vor allem im Süden Frankreichs – jener Region, in der die Partei traditionell besonders stark ist. Das sind deutlich mehr als die elf Kommunen, in denen sie 2020 bereits im ersten Wahlgang siegten. Einige traditionelle Hochburgen wie Perpignan, Hénin-Beaumont und Fréjus konnten schon im ersten Wahlgang gesichert werden. In Städten wie Cagnes-sur-Mer, Vauvert und Nomexy wurden neue Bürgermeisterämter erobert.
Bemerkenswert ist zudem, dass die extreme Rechte nun auch in großen Städten wie Nizza, Toulon und Nîmes die Führung übernehmen konnte – auch wenn die Vorsprünge teilweise sehr knapp ausfallen. Selbst die zweitgrößte Stadt Frankreichs, Marseille, könnte an den RN fallen: Dort liegt der Kandidat Franck Allisio vor dem zweiten Wahlgang nahezu gleichauf mit dem sozialistischen Amtsinhaber Benoît Payan. Auch in Nizza zeichnet sich ein bemerkenswertes Ergebnis ab: Éric Ciotti, ehemaliger Vorsitzender von Les Républicains, Präsident der Union des droites pour la République (UDR) und vom Rassemblement National unterstützt, erzielte im ersten Wahlgang den höchsten Stimmenanteil. Nach ersten offiziellen Schätzungen kam seine Liste auf rund 45 % der Stimmen und lag damit deutlich vor dem amtierenden Bürgermeister Christian Estrosi (Horizons), der etwa 31 % erreichte. Ciotti führt damit das Rennen um das Bürgermeisteramt und zieht mit einem klaren Vorsprung in den zweiten Wahlgang ein.
Trotz dieser Erfolge konnte der RN in einigen Städten keine Punkte erzielen. In Calais und Lens beispielsweise erlitt die Partei deutliche Niederlagen. In anderen großen Metropolen wie Bordeaux, Toulouse, Montpellier, Rennes und Straßburg wird keiner ihrer Kandidaten in die zweite Runde einziehen. Als besonders gravierendes Scheitern gilt das Abschneiden von Thierry Mariani in Paris, der mit nur 1,5 % der Stimmen weit abgeschlagen blieb.
Die Rückschläge in den großen Städten werfen die Frage auf, ob der RN nicht weiterhin an eine Art „gläserne Decke“ stößt. Während die Partei in kleineren und mittelgroßen Kommunen zunehmend Fuß fasst und dort Wahlerfolge erzielt, scheint es ihr in den großen urbanen Zentren deutlich schwerer zu fallen, breite Wählerschichten zu mobilisieren. Diese anhaltenden Schwierigkeiten in den Metropolen könnten darauf hindeuten, dass das Wählerpotenzial des RN in bestimmten sozialen und politischen Milieus weiterhin begrenzt bleibt – ein Umstand, der auch mit Blick auf nationale Wahlen und insbesondere die Präsidentschaftswahlen 2027 von Bedeutung sein könnte.
Der zweite große Gewinner ist die linksextreme Partei La France insoumise (LFI). Die Partei, die in den vergangenen Monaten von vielen Beobachtern bereits politisch abgeschrieben wurde, zeigt bei diesen Kommunalwahlen eine neue Dynamik. Besonders in urbanen Gebieten und sozial gemischten Vierteln findet die Partei zunehmend Zuspruch. Dadurch entwickelt sich LFI immer stärker zu einer bedeutenden kommunalen Kraft, nachdem sie zuvor vor allem bei nationalen Wahlen Aufmerksamkeit erregt hatte.
In mehreren großen Städten erzielte sie beachtliche Ergebnisse und positioniert sich zunehmend als zentrale Kraft innerhalb des linken Lagers. In Städten wie Roubaix, Limoges, Toulouse und Lille konnte die Bewegung entweder die Spitze erreichen oder sich eine gute Ausgangsposition für den zweiten Wahlgang sichern. Auch in den Metropolen Paris, Lyon und Marseille erreichten die Kandidaten von LFI jeweils mehr als zehn Prozent der Stimmen und sind damit für den zweiten Wahlgang qualifiziert. In Limoges überholte der LFI-Kandidat Damien Maudet den Sozialisten Thierry Miguel, in Toulouse erreichte der LFI-Abgeordnete François Piquemal den dritten Platz. In Lille liegt die „Insoumise“ Lahouaria Addouche mit 23 % nur knapp hinter dem sozialistischen Kandidaten Arnaud Deslandes (26 %) und könnte in einer möglichen Allianz mit den Grünen den sozialistischen Bewerber noch ernsthaft herausfordern. In Roubaix wiederum liegt LFI mit David Guiraud an der Spitze: Mit 46 % der Stimmen hat die Bewegung hier sogar eine reale Chance, die Stadt zu gewinnen.
Diese Ergebnisse stärken die Position der LFI in der linken Parteienlandschaft erheblich. In zahlreichen Städten wird die Bewegung zur entscheidenden Kraft für mögliche linke Mehrheiten, teilweise sogar als möglicher „Königsmacher“ für den Ausgang der Stichwahlen. Dadurch kann sie ihren Einfluss bei Verhandlungen über Bündnisse ausbauen. Gleichzeitig hat sie die Möglichkeit, Druck auf die kommenden nationalen Auseinandersetzungen auszuüben – insbesondere im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen 2027 und die immer wieder diskutierte Möglichkeit einer gemeinsamen Vorwahl („primaire”) des linken Lagers.
Macron-Lager auf lokaler Ebene marginalisiert - Konservative sehen sich als Sieger - Sozialisten in der Zange von LFI
Die erste Runde der Kommunalwahlen bestätigt wiederum auch die Schwäche des macronistischen Lagers. Das Bündnis aus Renaissance, MoDem und Horizons konnte sich landesweit kaum gegen die lokal verankerten und etablierten Parteien behaupten: die drei Parteien agierten ohne einheitliche Strategie; lokale Allianzen wurden nur fallweise gebildet, und das zentrale Lager konnte keine landesweite Durchschlagskraft entwickeln.
Die Regierungsverantwortlichen reagierten vorsorglich: Premierminister Sébastien Lecornu wies seine nicht kandidierenden Minister an, sich während der Wahlberichterstattung zurückzuhalten, um eine klare Trennung zwischen Regierungskommunikation und parteipolitischem Engagement zu wahren. Am Wahlabend selbst war Gabriel Attal, Generalsekretär von Renaissance, der einzige prominente Vertreter, der die Ergebnisse öffentlich verteidigte. Er verwies auf einige wenige Erfolge in Kleinstädten mit weniger als 20.000 Einwohnern, darunter Coulommiers, Bourg-de-Péage und Bonifacio.
Die Strategie von Renaissance, die Zahl der Kandidaten drastisch zu reduzieren und auf eine Handvoll starker Köpfe in Städten über 100.000 Einwohner zu setzen, hatte nur begrenzten Erfolg. In Städten wie Annecy (Antoine Armand, 34 %) und Bordeaux (Thomas Cazenave, 25 %) ist man zwar für den zweiten Wahlgang qualifiziert, doch zeichnet sich dort ein enges Rennen um das Bürgermeisteramt ab. In Lille (Violette Spillebout, 11 %) und Mulhouse (Lara Million, 13 %) qualifizierten sich die Kandidaten nur knapp für die Stichwahl erreichen, während Ludovic Mendes in Metz mit 4 % nicht in den zweiten Wahlgang einzog.
Zudem zeigte sich, dass die Taktik, Renaissance in gemeinsame Listen mit den Konservativen zu integrieren, um städtische Sitze zu sichern, in Metropolen wie Lyon und Marseille kaum Wirkung zeigte. Kandidaten wie Jean-Michel Aulas (Lyon) und Martine Vassal (Marseille) blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Selbst in Paris unterstützte die macronistische Partei im ersten Wahlgang offiziell nicht den Horizons-Kandidaten Pierre-Yves Bournazel (11 %), sondern stellte sich aktiv hinter die konservative Kandidatin Rachida Dati (LR), um die linke Spitzenkandidatur von Emmanuel Grégoire herauszufordern. Diese Strategie blieb jedoch erfolglos: Rachida Dati (25 %) blieb deutlich hinter den Erwartungen der Umfragen zurück.
Bei ihrer ersten landesweiten Kampagne hatte die Partei Horizons des ehemaligen Premierministers Edouard Philippe viel zu verlieren. Philippe selbst konnte sich in Le Havre mit 43 % der Stimmen behaupten und wird im zweiten Wahlgang gegen den kommunistischen Kandidaten Jean-Paul Lecoq (33 %) und den Kandidaten UDR-RN Franck Keller (15 %) antreten. Ihm werden gute Chancen eingeräumt, die Wahl zu gewinnen. Das Abschneiden in seiner Heimatstadt gilt als entscheidender Test für eine mögliche Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2027, zumal er selbst angekündigt hatte, seine Präsidentschaftsambitionen vom Ausgang dieser Wahl abhängig zu machen. In Reims lag Arnaud Robinet (43 %) und in Angers Christophe Béchu (49 %) vorne, müssen aber wie viele andere erneut in die Stichwahl. Für Aufmerksamkeit sorgte, dass die konservative Liste in Vernon, auf der Premierminister Sébastien Lecornu auf Platz drei kandidierte, ein sehr gutes Ergebnis erzielte. Dies unterstreicht sowohl die Unterstützung für den Premier als auch seine lokale Popularität und das Vertrauen der Wählerinnen und Wähler.
Die Partei Les Républicains (LR) konnte ihre Stellung als führende politische Kraft in mittelgroßen Städten bestätigen, wenngleich in großen Metropolen der Erfolg gering ist. Unter der Führung von Bruno Retailleau präsentierte sich LR auf den ersten Blick stark: Laut Angaben des Parteivorstands führte in nahezu der Hälfte aller Städte mit mehr als 9.000 Einwohnern entweder ein LR-Kandidat oder eine verbündete Liste. In den Medien wurde die Partei dadurch als „erste politische Kraft auf lokaler Ebene“ dargestellt.
In den mittelgroßen Städten konnten die Kandidaten der Partei Les Républicains (LR) einige deutliche Erfolge erzielen: Jean-François Copé in Meaux, David Lisnard in Cannes (mit überwältigenden 81 % wiedergewählt), Pierre-Henri Dumont in Marcq und Fabien Di Filippo in Sarrebourg verteidigten ihre Mandate bzw. gewannen neue Kommunen hinzu. Besonders hervorzuheben sind Besançon und Grenoble. In Besançon erreichte Ludovic Fagaut 40 % und lag damit deutlich vor der amtierenden Bürgermeisterin Anne Vignot (Grüne, 33 %). In Grenoble qualifizierte sich Alain Carignon (27 %) als stärkster Kandidat für den zweiten Wahlgang. Weitere mittelgroße Städte wie Blois, Bourges, Tours, Orvault oder Aurillac konnten ebenfalls verteidigt oder durch LR-Kandidaten erobert werden.
Trotz dieser Erfolge in der Fläche bleibt die Lage in den großen Städten prekär. In Paris erreichte die konservative Kandidatin Rachida Dati nur 25 % der Stimmen und lag damit deutlich hinter dem sozialistischen Spitzenkandidaten Emmanuel Grégoire, der 37 % erhielt. Für den zweiten Wahlgang muss sie versuchen, Stimmen des macronistischen Kandidaten Pierre-Yves Bournazel (Horizons, 11 %) zu gewinnen. Eine Allianz mit der rechtsextremen Reconquête-Vertreterin Sarah Knafo (10 %) wurde bereits ausgeschlossen. Auch in Lyon konnte Jean-Michel Aulas, der von LR und Zentristen unterstützt wurde, nur als Zweitplatzierter in die Stichwahl einziehen (36 %), während der amtierende Bürgermeister Grégory Doucet (Grüne) 37 % erzielte. In Marseille kam Martine Vassal nur auf 12 % der Stimmen und wird in einer Vierkampf-Stichwahl lediglich als mögliche Königsmacherin agieren.
Die LR-Partei steht zudem zunehmend unter Druck des Rassemblement National (RN) und dessen Verbündeten UDR. In Städten wie Nîmes, Toulon oder Nizza scheint LR Stimmen an rechte Konkurrenten verloren zu haben. Diese Dynamik unterstreicht die Herausforderung, in den Metropolen wieder Fuß zu fassen, nachdem die Partei seit 2020 in den großen Städten weitgehend abwesend war. Die strategische Ausrichtung von LR erweist sich als zweischneidiges Schwert: Einerseits konnte die Partei ihre mittelgroßen Bastionen sichern, andererseits gelang ihr die symbolträchtige Rückeroberung großer Städte nicht. Zwar halfen die Allianzen mit Zentristen oder macronistischen Kräften punktuell – etwa in Nantes, wo Foulques Chombart de Lauwe die sozialistische Amtsinhaberin Johanna Rolland nur knapp hinter sich ließ –, in Metropolen wie Paris oder Marseille zeigten sie jedoch kaum Wirkung.
Nach dem ersten Wahlgang der Kommunalwahlen zeigt sich für die Parti Socialiste ein gemischtes Bild: Während einige der sozialistischen Kandidaten in ihren Hochburgen führende Positionen behaupten konnten, wird ihr Erfolg durch die starken Ergebnisse von LFI getrübt, die sich vielerorts als entscheidende Kraft für die Stichwahlen etabliert hat.
In den großen Städten, wo der PS traditionell am meisten zu verlieren hatte, konnte die Partei in einigen Fällen führende Positionen behaupten: In Rennes liegt die amtierende Bürgermeisterin Nathalie Appéré mit 34 % deutlich vorne, während LFI knapp 19 % erreichte. In Nantes hat Johanna Rolland mit 35 % die Nase vorn, doch William Aucant von LFI erreicht 11 % und könnte im zweiten Wahlgang entscheidende Stimmen einbringen. Auch in Montpellier führt der sozialistische Amtsinhaber Michaël Delafosse mit 33 %, während LFI-Kandidatin Nathalie Oziol mit 15 % deutlich dahinterliegt.
In den wichtigsten Metropolen wie Paris und Marseille wird die Bedeutung der LFI-Ergebnisse besonders deutlich: In Paris erzielte Grégoire zwar 37 %, doch mit ihren 11 % könnte die LFI-Kandidatin Sophie Chikirou im zweiten Wahlgang für Allianzen entscheidend sein. Ähnliches gilt für Marseille, wo der amtierende sozialistische Bürgermeister Benoît Payan mit 36 % nur knapp vor dem RN-Kandidaten (35 %) liegt, während der LFI-Kandidat Sébastien Delogu (11 %) ebenfalls im zweiten Wahlgang vertreten ist. Ihre Stimmen könnten über den Ausgang der Stichwahl entscheiden. In Lille zeigt sich ebenfalls ein weiteres Muster: Der PS-Kandidat Arnaud Deslandes liegt mit 26 % knapp vor der LFI-Kandidatin Lahouria Addouche, die 23 % erzielt hat. Eine Allianz von LFI mit den Grünen (17 %) könnte den Sozialisten in dieser traditionellen Hochburg im Norden ernsthaft gefährden.
Insgesamt zeigt der erste Wahlgang, dass LFI zunehmend zur entscheidenden Kraft für den Ausgang der Stichwahlen wird, während der PS ohne strategische Bündnisse in den Großstädten Gefahr läuft, seine Hochburgen zu verlieren.
Ausblick auf die zweite Runde
Insgesamt deutet das Ergebnis der ersten Runde auf eine zunehmende Polarisierung der französischen Politik hin: Sowohl die radikale Rechte als auch die radikale Linke gewinnen weiter an Einfluss. Schon jetzt zeichnen sich daher auch klare strategische Linien dieser Parteien für die am nächsten Wochenende stattfindenden Stichwahlen ab.
Der RN unter seinem Vorsitzenden Jordan Bardella ruft konservative Listen dazu auf, sich im zweiten Wahlgang zusammenzuschließen – ausdrücklich ohne Beteiligung der macronistischen Kräfte oder der Linken. Gleichzeitig betont Bruno Retailleau, Vorsitzender von Les Républicains (LR), dass im zweiten Wahlgang keine Stimme an LFI gehen dürfe. Er kritisiert die früheren linken Bündnisse scharf, die er als „Accords de la honte“ (Abkommen der Schande) bezeichnet, und fordert von Sozialisten, Grünen und Kommunisten eine klare Distanzierung davon. Seine Strategie zielt darauf ab, LR als eigenständige Kraft zu positionieren, die weder mit der radikalen Linken noch grundsätzlich mit der extremen Rechten zusammenarbeitet, um möglichst viele Wählerstimmen zu bündeln, aber ob die Partei geschlossen dieser Linie folgt bleibt fraglich.
Der Parti Socialiste schließt seinerseits ein Bündnis mit LFI aus und verweist auf erhebliche programmatische Unterschiede. LFI hingegen setzt auf die Bildung einer „antifaschistischen Front“, um gemeinsam mit anderen linken Kräften mögliche Siege des RN zu verhindern. Die macronistische Mitte schließlich bleibt ebenfalls auf Distanz: Sie lehnt sowohl Kooperationen mit der extremen Rechten als auch mit der radikalen Linken ab. Diese unterschiedlichen strategischen Ansätze dürften maßgeblich darüber entscheiden, wie die Stichwahlen am 22. März ausgehen – und sie spiegeln zugleich die zunehmende Polarisierung der französischen Parteienlandschaft wider.
Über die lokalen Machtverhältnisse hinaus haben die Kommunalwahlen auch unmittelbare Auswirkungen auf die nächsten Senatswahlen. Da die Abgeordneten der oberen Kammer indirekt gewählt werden – durch ein Gremium von Großwahlberechtigten, die sich überwiegend aus kommunalen Mandatsträgern zusammensetzen –, könnten die Ergebnisse der Kommunalwahlen bereits im September, insbesondere für RN und LFI, entscheidend sein. Jede gesicherte Kommune verschafft damit einer Partei oder Koalition zusätzlichen Einfluss auf die Zusammensetzung des Senats. Aktuell verfügt RN nur über drei Senatoren, während für die Bildung einer eigenen Fraktion im Palais du Luxembourg, dem Sitz des Senats, mindestens zehn Mandate nötig sind. Gelingt es dem RN, bei den Kommunalwahlen genügend Bürgermeisterämter und Gemeinderatsmandate zu gewinnen, könnte die Partei diese Schwelle überschreiten. Eine eigene Fraktion im Senat würde nicht nur die Sichtbarkeit des RN deutlich erhöhen, sondern auch seinen Einfluss auf Gesetzgebungsprozesse, politische Debatten und die Tagesordnung der oberen Kammer ausweiten. Für LFI geht es darum, überhaupt ins Oberhaus einzuziehen und so einen symbolischen Erfolg zu erzielen.
Die zweite Runde der Kommunalwahlen wird jetzt mit großer Spannung erwartet, weil dann deutlich wird, welche Allianzen sich durchsetzen werden und was dies auch als Gradmesser für das Präsidentschaftswahljahr in Frankreich bedeutet.
[1] Bei den im Text angegebenen Prozentzahlen handelt es sich noch nicht um die amtlichen Endergebnisse. Diese standen beim Erstellen dieses Länderberichts noch nicht fest.