Einzeltitel

„Gegrüßt und begnadet“

von Stephan Georg Raabe

Weihnachten 2010 - Wie ein Stern in der Nacht

Weihnachtsgedanken

„Gegrüßt und begnadet“

Das erfolgreichste Fest des Christentums scheint immer mehr aus der Kirche aus- und in die „Privatkathedrale religiöser Individualisierung“(1) oder neuheidnischer Sentimentalität eingezogen zu sein: Weihnachtsmann, Season's Greetings und Tannenbaum, Karpfen oder Gans, Weihnachtssüßigkeit und Kerzen-Idylle nicht selten verbunden mit den drei „K“ – Konsum, Kommerz und Kitsch. Der kirchliche Charakter des Hochfestes und seine theologische Bedeutung werden durch diese Kommerzialisierung und Kulinarisierung oft in den Hintergrund gedrängt.

Aber Weihnachten ist kein altrömisches Saturnalienfest, das sich im Verteilen von Geschenken und im gefühligen Genuss erschöpft. Weihnachten ist ein Erinnern, „das aber Mit-Erinnern im Wir der Kirche ist. Dieses Erinnern ist ein vom Heiligen Geist geführtes Verstehen; erinnernd tritt der Glaubende in die Tiefendimensionen des Geschehenen ein und sieht, was zunächst und bloß äußerlich nicht zu sehen war. Aber so entfernt er sich nicht von der Wirklichkeit, sondern erkennt sie tiefer und sieht so die Wahrheit, die sich im Faktum verbirgt.“(2)

Auch wir sind begrüßt und begnadet, denn der Herr ist mit uns (Lk 1,28), komme da, was wolle. Der „ICH BIN DA“ ist Mensch geworden. Deshalb können auch wir zu Weihnachten das Magnifikat anstimmen: „Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“

Und diejenigen, die Anlass zur Trauer haben, können sich vielleicht mit dem Liedvers trösten: „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht, es hat Hoffnung und Zukunft gebracht, es gibt Trost es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit.“

In diesem Sinne wünscht Ihnen und Ihren Angehörigen ein frohes und tröstliches Weihnachtsfest

Ihr

Stephan Raabe

Warschau, 23. Dezember 2010

1) Matthias Morgenroth: Weihnachtschristentum 2002.

2) Joseph Ratzinger: Jesus von Nazareth, 275: Die johanneische Frage, hier bezogen auf das Weihnachtsfest.

Weihnachtskrippe Unbekannt