Sechzehn Jahre nach der ersten FIFA-Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden untersucht Daniel Ghassemi die langfristigen Auswirkungen des Turniers auf Kapstadt und fragt, ob die WM 2010 tatsächlich als Instrument der Entwicklungspolitik wirken konnte. Im Zentrum der Analyse stehen die umfangreichen Investitionen in Infrastruktur, Verkehr und Stadtentwicklung, die im Vorfeld des Turniers getätigt wurden, sowie deren nachhaltiger Nutzen für die Bevölkerung.
Die Studie zeigt ein differenziertes Bild: Während Projekte wie das MyCiTi-Bus-System, die Modernisierung des Flughafens sowie Verbesserungen im Straßen- und Schienenverkehr bis heute positive Effekte für die Stadtentwicklung entfalten, bleiben andere Investitionen umstritten. Insbesondere das heutige DHL Stadium gilt vielfach als Beispiel für einen kostspieligen „White Elephant“ – ein Großprojekt mit begrenztem langfristigem Nutzen und erheblichen laufenden Kosten.
Darüber hinaus beleuchtet der Beitrag die politischen Erwartungen, die mit der Weltmeisterschaft verbunden waren. Neben wirtschaftlichem Wachstum und neuen Arbeitsplätzen sollte das Turnier das internationale Bild Südafrikas verändern und den afrikanischen Kontinent als leistungsfähigen Gastgeber globaler Großveranstaltungen präsentieren. Tatsächlich profitierte Kapstadt von einer gesteigerten internationalen Sichtbarkeit und einem nachhaltig gestärkten Tourismusprofil. Gleichzeitig blieben zentrale Herausforderungen wie soziale Ungleichheit, Wohnungsnot und die räumliche Segregation vieler Townships weitgehend bestehen.
Anhand des Fallbeispiels Kapstadt wird deutlich, dass Großereignisse wichtige Entwicklungsimpulse setzen können, langfristiger Erfolg jedoch entscheidend von guter Governance, klaren Nachnutzungskonzepten und einer Einbettung in bestehende Entwicklungsstrategien abhängt. Die Erfahrungen der WM 2010 liefern daher wertvolle Lehren für Städte und Staaten, die Mega-Events als Instrument für wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung nutzen möchten.
Der Beitrag zeigt: Die FIFA-Weltmeisterschaft 2010 war zugleich Entwicklungsmotor und Prestigeprojekt. Ihr wichtigstes Vermächtnis sind nicht nur Straßen, Buslinien oder Stadien, sondern die politischen Erkenntnisse darüber, wie nachhaltige Stadtentwicklung gestaltet werden kann.
Die Ansichten des Autors und dieses Beitrags spiegeln nicht notwendigerweise die Ansichten der Konrad-Adenauer-Stiftung wider.