Südafrika zählt zu den wichtigsten Zielländern für Migration auf dem afrikanischen Kontinent. Gleichzeitig steht das Land vor tiefgreifenden strukturellen Herausforderungen: einer erweiterten Arbeitslosenquote von 42,1 Prozent, ausgeprägter sozialer Ungleichheit, überlasteten öffentlichen Diensten und weit verbreitetem Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen. Vor diesem Hintergrund hat die fremdenfeindliche Mobilisierung gegen afrikanische Migrantinnen und Migranten in den Städten Südafrikas zunehmend an Sichtbarkeit und Sprengkraft gewonnen.
Dieser Bericht untersucht, wie xenophobe Dynamiken, insbesondere in der Provinz Gauteng und vergleichend in Kapstadt den gesellschaftlichen Zusammenhalt, das institutionelle Vertrauen und die Rechtsstaatlichkeit beeinflussen. Er analysiert den Aufstieg von Bewegungen wie Operation Dudula, Put South Africans First und March and March und argumentiert, dass Fremdenfeindlichkeit in Südafrika nicht als direkte Folge von Migration verstanden werden sollte. Vielmehr fungiert sie als Ausdruck und Verstärker tieferliegender struktureller Spannungen, in denen Migrantinnen und Migranten zum Sündenbock für ungelöste Konflikte um Beschäftigung, Wohnraum, öffentliche Dienstleistungen und politische Zugehörigkeit werden. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass nachhaltige Antworten auf Fremdenfeindlichkeit nicht nur migrationspolitische Reformen erfordern, sondern vor allem handlungsfähige, vertrauenswürdige staatliche Institutionen, die gesellschaftliche Konflikte auf rechtsstaatlichem Wege bearbeiten können.