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Am 28. Mai 2026 veranstalteten KAS Südafrika und das Cape Town Holocaust & Genocide Centre (CTHGC) gemeinsam den Scholar Day, der sich auf die Fragilität der Demokratie und die Bedeutung kollektiver Verantwortung konzentrierte.
Der Tag begann mit einer Präsentation über die Weimarer Republik und den Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland, in der nachgezeichnet wurde, wie sich eine Verfassungsdemokratie mit freien Wahlen schrittweise in ein autoritäres Regime verwandelte. Dieser historische Kontext bildete den Rahmen für eine geführte Tour durch die Dauerausstellung des CTHGC. Die Teilnehmenden wurden ermutigt, über bloße Gedenkkultur hinauszublicken. Stattdessen wurden sie aufgefordert, jene konkreten sozialen und politischen Prozesse zu identifizieren, wie Ausgrenzung, die Erosion von Normen und nachlassendes staatsbürgerliches Verantwortungsbewusstsein, die zum Zusammenbruch demokratischer Systeme führen. Während der gesamten Tour stellte die Gruppe Verbindungen zu gegenwärtigen Herausforderungen her und bekräftigte damit die Kernbotschaft der Ausstellung: Erinnerung dient auch als analytisches Werkzeug und nicht nur als historisches Zeugnis
Im Anschluss an die Tour bot eine Reflexionsrunde den Stipendiatinnen und Stipendiaten die Möglichkeit, das Gesehene und Gehörte zu verarbeiten. Darauf folgte eine Einheit über Identität und Stärkung durch Poesie, die die Teilnehmenden einlud, Fragen rund um Stimme, Würde und Zugehörigkeit zu erkunden. Die Übung diente dazu, die übergeordneten politischen Themen in persönlichen Erfahrungen zu verankern.
Die Nachmittagseinheit widmete sich dem Future Voters Workshop mit dem Titel „Demokratie, Führung und Entscheidung". Dabei handelte es sich um eine strukturierte Simulation, die vom CTHGC entwickelt wurde, um kritische staatsbürgerliche Kompetenz zu fördern. Die Teilnehmenden analysierten drei fiktive südafrikanische Wahlkandidaten: einen populistischen Nationalisten, einen theokratischen Konservativen und einen reformorientierten Demokraten. Die Aufgabe der Stipendiatinnen und Stipendiaten bestand nicht nur darin, einen Kandidaten auszuwählen; sie mussten die gesellschaftliche Vision hinter jedem Programm hinterfragen, die Auswirkungen auf demokratische Freiheiten bedenken und die langfristigen Folgen jeder Politik abwägen.
Das offizielle Programm endete mit einer Abschlussrunde, in der die Themen des Tages in ein Gespräch darüber eingebettet wurden, was es bedeutet, eine informierte und verantwortungsvolle Bürgerin bzw. ein informierter und verantwortungsvoller Bürger zu sein. Einigkeit herrschte darüber, dass Demokratie niemals als selbstverständlich betrachtet werden sollte. Den Abschluss des Tages bildete ein gemeinsames Abendessen, bei dem die KAS-Stipendiatinnen und -Stipendiaten Frau Nora Beckershaus-Bottler begegneten, einer Journalistin, Strategin und Spezialistin für digitale Medien. Ihr Vortrag „Die eigenen Narrative für den beruflichen Erfolg gestalten" schöpfte aus ihrer umfangreichen Erfahrung in internationalen Nachrichtenredaktionen und in der Beratung von Führungskräften. Sie leitete die Stipendiatinnen und Stipendiaten an, ihre akademische und zivilgesellschaftliche Arbeit in überzeugende persönliche Erzählungen umzuwandeln. Ein wertvoller Abschluss eines Tages, der ganz im Zeichen von Identität und staatsbürgerlicher Pflicht stand.
Die Botschaft jeder einzelnen Einheit war eindeutig: Demokratische Stabilität hängt von mehr als nur Institutionen ab. Sie beruht auf dem informierten, kritischen und aktiven Engagement der Menschen. Erinnerung, Verantwortlichkeit und staatsbürgerliche Partizipation sind keine optionalen Extras für eine Demokratie, sie sind ihr Fundament.