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Veranstaltungsberichte

Jugenddialog in Bellville

Der besondere Stellenwert aktiver Bürgerschaft

Die Frühstücksdiskussion, die von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) gemeinsam mit ihren Partnern, der School of Public Leadership (SPL) und dem Centre for Constitutional Rights (CFCR), am 20. Juli 2016 an der Bellville High School organisiert wurde, brachte Schüler der Klassen elf und zwölf aus sechs verschiedenen Schulen des Westkaps zusammen. Ziel des Dialogs war, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wichtig aktive Bürgerschaft, soziales Unternehmertum und gemeinnützige Arbeit sind. Dabei wurden auch die Hoffnungen und Sorgen der jungen Generation in Südafrika thematisiert.

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Die Teilnehmer waren fasziniert von den Lebensgeschichten der Gastsprecher Chaeli Mycroft, einer behinderten Menschenrechtsaktivistin und Jessica Dewhurst, einer engagierten Verfechterin von Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit.

Angesichts der kommenden Kommunalwahlen wurde vor allem das Thema Wahlrecht näher beleuchtet. Viele der anwesenden Schüler dürfen im August zum ersten Mal wählen. Eine Schülerin machte deutlich, dass sie vor einem Dilemma stehe, da sie nicht wüsste, ob sie eine Partei anhand ihrer historischen Verdienste oder der gegenwärtigen Bilanz beurteilen sollte. Dieser innere Konflikt beschäftige nicht nur die ältere, sondern auch die jüngere Generation. Frau Dewhurst entgegnete, dass die bedrückende Vergangenheit Südafrikas nicht vergessen werden dürfe und Aufarbeitung verlange. Nichtsdestotrotz sei es wichtig, das Konzept der Loyalität bei Wahlen zu hinterfragen. Außerdem betonte sie, dass die Stimme der Jugend umso wichtiger sei, da sie die Armen, Frustrierten und Politikverdrossenen repräsentiere, denen die Stimme genommen wurde. Die verbreitete Einstellung, dass sich „sowieso nichts ändert“ sei hinfällig, weil gerade die Jugend von den Entscheidungen der politischen Elite besonders betroffen sei. Frau Mycroft argumentierte, dass junge Menschen jegliches Beschwerderecht verwirkten, sollten sie nicht zur Wahl gehen. Zudem ermutigte sie die Schüler, Informationen nicht einfach zu akzeptieren und Meinungen zu übernehmen, sondern sie kritisch zu hinterfragen – insbesondere Gerüchte, die über soziale Medien verbreitet werden. Frau Dewhurst erklärte indes, dass politische Führungskräfte ihre Rolle nicht als Machthaber, sondern als Privileg interpretieren sollten, ihren Mitmenschen ein Stück weit zu dienen. Ein Schüler hob den überragenden Stellenwert von Bildung hervor und unterstrich die Bedeutsamkeit des Jugenddialogs, da er für junge Menschen überaus meinungsbildend sei. Dass zu viele Wähler sich von kurzzeitigen Argumenten wie kleinen Wahlgeschenken überzeugen lassen, sei problematisch. Erst wenn der Großteil der Wählerschaft zur Erkenntnis gelange, dass die langfristige Zukunft des Landes wichtiger als persönliche, vorübergehende Vorteile ist, könne Fortschritt gelingen. Eine andere Schülerin beklagte die Politikverdrossenheit vieler Südafrikaner angesichts der Tatsache, dass ihre Eltern hart für das Wahlrecht kämpfen mussten. Sie erinnerte die Teilnehmer, dass es noch immer einige Länder gebe, in denen freie und gerechte Wahlen keine Selbstverständlichkeit seien.

"All you need is love"

Ein weiteres zentrales Thema war – einfach gesagt – „Liebe“. Die Schüler waren sich einig, dass es unmöglich sei, seine Mitmenschen unfair zu behandeln, wenn man das Gebot der Nächstenliebe befolge. Frau Dewhurst kritisierte, dass „wir so besessen davon sind, Unterschiede zu finden, dass wir vergessen, was wir gemeinsam haben.“ In diesem Zusammenhang würdigte sie universelle Menschenrechte und forderte die Teilnehmer dazu auf, soziale Gerechtigkeit zu fördern – sei es durch Kampagnen oder sonstige ehrenamtliche Tätigkeiten. Die Schüler sollten sich außerdem mit möglichst vielen Menschen verschiedenster Herkunft auseinandersetzen und so mehr über ihre Sorgen und Ängste erfahren. Sprecherin Mycroft verdeutlichte, dass sich Menschen mit Behinderung noch immer in einem „Apartheidszustand“ befänden, da sie größtenteils völlig abgegrenzt von der restlichen Bevölkerung lebten. Dies werde unter anderem daran deutlich, dass noch immer viele Gebäude nicht behindertengerecht seien. Frau Rebecca Sibanda vom CFCR erinnerte die Teilnehmer daran, dass die südafrikanische Verfassung auf Liebe, Empathie und gegenseitigem Respekt basiere. Sie empfahl den Zuhörern, die Charta der Grundrechte zu lesen, da sie auf „Menschlichkeit verweist.“ Frau Mycroft fügte dem hinzu, dass Südafrika genug Negativität und Segregation erlebt habe und nun aus der Vergangenheit lernen müsse, um in der Gegenwart Geschichte zu schreiben. Ihr zufolge ist eine neue Kultur aus Liebe und Akzeptanz erforderlich, um gesellschaftliche Spannungen zu überwinden.

Fazit

Das Jugendfrühstück war ein klarer Erfolg und erhielt viel positives Feedback von den jungen Teilnehmern als auch von den begleitenden Lehrern. KAS-Projektmanagerin Christina Teichmann machte darauf aufmerksam, dass etwa 30 Prozent der südafrikanischen Bevölkerung unter 15 Jahre alt sei. Diese Generation müsse politisch aktiv sein und sich Gehör verschaffen, damit die politische Elite auf ihre Wünsche für die Zukunft reagiert. Es ist entscheidend, die junge Generation zu unterstützen, damit sie bereit und in der Lage ist, einen wertvollen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Veranstaltungen wie der Jugenddialog helfen jungen Menschen, die Vorzüge eines demokratischen Systems nachzuvollziehen und schätzen zu lernen. Alles in allem waren die Schüler zuversichtlich, dass die Zukunft von Südafrika vielversprechend ist.

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Loe Guthmann

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