Veranstaltungsberichte

"Mo und die Arier: Allein unter Rassisten und Neonazis"

DenkTag 2017

Vortrag und Gespräch

Mo Asumang

Zum diesjährigen DenkTag war die bekannte TV-Journalistin Mo Asumang zu Gast, welche ihr Buch „MO UND DIE ARIER: ALLEIN UNTER RASSISTEN UND NEONAZIS“ vorstellte. Mo Asumang wurde in Kassel als Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers geboren und musste bereits früh Erfahrungen mit Rassismus und Ausgrenzung aufgrund ihres Aussehens als „Afrodeutsche“ machen. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Greizer Stadt- und Kreisbibliothek statt, deren Leiterin Corina Gutmann die Gäste ebenfalls begrüßte.

Zur Entstehung ihres Buches

Anstoß für ihr Filmprojekt und das gleichnamige Buch war eine Todesdrohung in einem Lied der rechtsextremen Musikgruppe „White Aryan Rebels“, welche in einer Textzeile „Mo, diese Kugel ist für dich“ sangen. Mo Asumang recherchierte darauf hin zum Thema Arier und versuchte mit Rechtsextremen auf Demonstrationen, Internetplattformen und Anfragen ins Gespräch zu kommen. Dabei stieß sie auf die historischen Fiktionen, deren die die Nationalsozialisten, Neonazis und Rassisten von heute verbreiten, da der Begriff Arier keinesfalls seine Quellen im „nordischen Menschen“ hat, wie von den Rechtsextremisten und Rassisten behauptet, sondern seine Ursprünge im heutigen Iran besitzt. Dazu reiste Mo Asumang auch in den Iran und sprach mit Wissenschaftlern und Menschen, die sich bis heute selbst als Arier bezeichnen und darüber verwundert sind, dass weiße Rassisten diese Bezeichnung für sich beanspruchen.

Kommunikation und Nähe gegen Rassismus - Mo Ausumangs Erfahrungen

Im Laufe der Veranstaltung zeigte Mo Asumang Ausschnitte ihres Films zu den geschilderten Ereignissen. Darüber hinaus präsentierte sie auch Sequenzen aus Interviews mit einem bekannten Rassisten aus den USA und Mitgliedern des Ku-Klux-Klans. Mo Asumang verhielt sich dabei weniger anklagend als hinterfragend und zuhörend, wodurch selbst die überzeugten Rassisten teilweise ratlos in ihren rassistischen Weltbildern wurden und sogar freundschaftlich anmutende Situationen entstanden. Dies ist für Mo Asumang auch ihre Botschaft, dass beim Kampf gegen Rassismus und Ausgrenzung nicht ebenfalls nur mit Ausgrenzung und Beschimpfung reagiert werden solle, gerade wenn es Begegnungen auf persönlicher Ebene sind, sondern vielmehr die verbale Konfrontierung mit der aberwitzigen rassistischen Ideologie gesucht werden sollte, denn häufig sei ihre Erfahrung gewesen, dass viele Rassisten und Neonazis eher aus sozialen Konstellationen und eigener Ausgegrenztheit Halt in entsprechenden Gruppen suchen. Dazu zeigte sie auch das Beispiel eines ehemaligen Neonazis, der bereits als 12jähriger in die Fänge der Neonazis geriet und nicht in der Lage war, aus eigener Kraft die rechtsextreme Szene zu verlassen, jedoch durch ihren Anstoß endlich den Ausstieg schaffte.

Herausforderungen im Kampf gegen Rassismus

Mo Asumang betonte, dass Dialogbereitschaft gerade unter dem Eindruck von Beleidigungen nicht immer einfach ist und auch nicht ungefährlich, wenn sie etwa von ihren Erlebnissen auf einem rechtsextremen Musikfestival in Gera berichtete, aber der Versuch es wert ist, denn bei jeder Situation nur „Nazis Raus“ zu rufen, wird wenig an der Situation ändern. Bei rechtsextremen Demonstrationen und Aufmärschen sei es jedoch angebracht, Flagge gegen Rassismus und Extremismus zu zeigen.

Im Anschluss beantwortete Mo Asumang viele Fragen der Gäste und stand auch für persönliche Gespräche zur Verfügung, bei welcher junge Greizer mit ausländischen Wurzeln über Rassismus auch in ihrer Thüringer Heimatstadt berichteten.