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„Berlin is cool“

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Das laute Geräusch der anfahrenden U-Bahn hallt durch die U-Bahnstation Rosenthaler Platz. In der SB-Bäckerei sitzt ein Mann und beißt genüsslich von seinem Baguette ab. Er wirkt unauffällig und vielleicht auch ein wenig schüchtern. Auch seine Kleidung ist schlicht, zu seinen Füßen liegt eine graue Sporttasche, auf seinem Rücken ein schwarzer Rucksack mit einem Smiley-Button. Sein Name ist Fabrice Cautipe, er ist 56 Jahre alt. Er ist nicht nur beruflich von seiner Heimatsstadt Paris nach Berlin gekommen. Fabrice möchte eine Wohnung in Berlin finden, am liebsten eine WG. Denn: „Wer wohnt schon gern allein?“ Im Gespräch erzählt der Mann mit dem freundlichen, braunen Augen und dem starken französischen Akzent, dass er Informatiker ist und in der Roboterentwicklung arbeitet. Es fällt ihm schwer sich in der deutschen Sprache zu artikulieren, aber man merkt, dass er sich wirklich bemüht. Andauernd entschuldigt er sich, wenn seine Sätze wenig Sinn machen mit: „Pardon, ich versuche.“

„Ich mag Berlin“, verrät er schmunzelnd auf seine höfliche und freundliche Art. Ob seine Heimatstadt Paris ganz anders ist als Berlin? „Eigentlich kann man Berlin und Paris nicht vergleichen“, meint er. Doch Paris sei von Touristen überflutet, zwar gebe es diese ja auch in Berlin, aber nicht in einer solchen Anzahl. Er beißt wieder von seinem Baguette ab. Sammelt sich. „Paris ist zu berühmt.“ Er nickt als wolle er sich selbst zustimmen. Hinzu fügt er, dass alles immer beim Alten ist. Nichts würde sich ändern. Keine neuen Wohnungen, die immer noch viel zu engen Straßen, alles bleibt gleich. Er regt sich ein wenig auf, atmet kurz durch. „Paris ist auf seiner Berühmtheit eingeschlafen.“

Die Straßen in Berlin sind breit und auch voller Touristen. Fabrice lächelt. Er sagt, dass in Berlin die Anzahl der Menschen natürlich hoch sei, aber sie seien alle verschieden. Sie sind modern und alle individuell besonders und ausgefallen. Er scheint die Berliner gerne zu beobachten. Er lacht. „Die jungen Leute in Berlin sind spannend, weil sie so verschieden sind. Berlin ist modern und erweckt sich selbst.“ So eine Aussage von einem waschechten Franzosen ist höchstwahrscheinlich eher selten.

Draußen auf dem Rosenthaler Platz eilen die Menschen schnellen Schrittes mit Regenschirmen bewaffnet umher. Die Luft riecht nach Regen und dem Rauch der Zigaretten des Obdachlosen in der Straßenecke. In den Cafés sitzen vor allem junge Leute an ihren Laptops und scheinen alle sehr beschäftigt zu sein. Besonders viele von ihnen sind im Café Oberholz anzutreffen. Es scheint regelrecht ein Treffpunkt zu sein.

Im oberen Stockwerk, hinten in der Ecke, sitzt jemand im Schneidersitz an seinem Tisch. Auf dem Boden liegt ein Paar Schuhe. Konzentriert schaut er auf den Bildschirm. Tyler Wilson ist Student, seine Fächer sind Philosophie und Sozialwissenschaften. Der 25-Jährige kommt aus den USA, genauer gesagt aus dem „Big Apple“, aus New York. Doch was führt ihn nach Berlin? Tyler besucht seine Freunde, diese machen gerade ein Auslandssemester in Deutschland.

Die Zahl der ausländischen Studenten in Deutschland steigt ständig an und war bereits 2013 auf einem regelrechten Rekordhoch von ca. 282.000. Die meisten Studenten kommen aus China und Russland, aber auch aus den USA und anderen europäischen Ländern. Besonders sind Auslandssemester in Deutschland bei politikinteressierten Studenten aus aller Welt beliebt.

Tyler spricht kein Deutsch, verrät aber etwas stolz, dass er die Basics gerade lernt. Der Student wirkt sehr intelligent, höflich und freundlich. Doch was schätzt er an Berlin? Was mag er und was ist besonders? Auf diese Fragen weiß der 25-Jährige Amerikaner direkt eine Antwort: „Berlin is cool.“ Er erzählt, dass er überrascht ist, wie organisiert Berlin sei. Besonders das gut strukturierte U-Bahnsystem scheint es ihm angetan zu haben: „Dagegen ist New York ein einziges Chaos!“, erzählt er lachend. Auch die Mentalität der Menschen sei anders, sie hielten sich an Regeln, gingen zum Beispiel nur bei grün über die Straße.

Oft hört man von der Anonymität des Einzelnen in einer Großstadt, doch Tyler ist der Meinung, dass das anders ist: „Berlin ist eine gute Möglichkeit, um feiern zu gehen und neue Freunde zu finden. Die meisten Berliner sind nett.“ Er lächelt etwas abwesend, wahrscheinlich schweift er kurz in Erinnerung an die schon erlebten Partynächte in Berlins Mitte. „Ich habe nur gute Erfahrungen in Berlin gemacht.“

Später erzählt der junge Student, dass er Professor der Philosophie werden möchte und in Universitäten weltweit unterrichten will. Die Begeisterung spiegelt sich in seinem Blick wieder. Ob er auch in Berlin leben will? Er nickt. Klar kann er sich das vorstellen. Aber nicht für immer. „Ich möchte mich nicht festlegen. Man muss alles sehen.“ Zum Abschied sagt er noch „Tschüss. Bis bald!“

Berlin scheint es beiden, Fabrice und Tyler, auf besondere Weise angetan zu haben. Trotz des Altersunterschiedes sind beide fasziniert von Berlin. Beide schwärmen von der einzigartigen Mentalität der Menschen und dem coolen, neuen Image der Mitte.

Draußen wird der Regen weniger, die Leute verstauen Regenschirme wieder in den Rucksäcken und der Fernsehturm lugt durch die graue Wolkenschicht. Ob den hetzenden Leuten auf den Straßen wohl bewusst ist, wie fasziniert Besucher von der Stadt sind?

„Berlin is cool.“ Wahrscheinlich sind sich da alle einig, Einheimische und Touries.

Von Antonia Brakebusch

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