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KAS/Wadim Lisovenko

Obituary

Ein wandelndes CDU-Geschichtsbuch – Nachruf auf Heinz Schwarz

Bürgermeister, Abgeordneter, Landesinnenminister: Wir trauern um Heinz Schwarz, ein Urgestein der deutschen Demokratie, der seit 1947 auch die Parteigeschichte in verschiedenen Funktionen prägte.

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Wenn es so etwas geben würde, wie ein wandelndes Geschichtsbuch der Christlich Demokratischen Union, auf dessen Seiten alle wesentlichen Ereignisse der Parteientwicklung stehen und in dem sämtliche Bundesvorsitzenden verzeichnet wären, dann hätte Heinz Schwarz den unbedingten Anspruch auf diesen Ehrentitel gehabt. Ein Superlativ wird ihm auf ewig und über seinen Tod hinaus bleiben: Bis jetzt war er nicht nur der letzte noch lebende Teilnehmer des elementar wichtigen Parteitages in Goslar, mit dem sich die Bundes-CDU konstituiert hat, sondern das einzige noch lebende Parteimitglied, das bis in das Jahr 2019 alle Bundesparteitage der CDU erlebt hat. Den Aufstieg und auch gelegentlich den Fall aller CDU-Bundeskanzler von Konrad Adenauer über Ludwig Erhard und Kurt-Georg Kiesinger bis hin zu Helmut Kohl und Angela Merkel hat Heinz Schwarz aus der Nähe und als politisch aktiver Gestalter miterlebt. Erst vor wenigen Monaten ist er für seine 75-jährige Parteimitgliedschaft ausgezeichnet worden.

Als 19-Jähriger, noch als Lehrling der Kreissparkasse in Neuwied wird er Mitglied der CDU in seinem Geburtstort Leubsdorf am Rhein, dem Ort, dem er zeitlebens treu bleiben wird. So sehr er mit den Füßen auf den Boden bleibt, so sehr strebt er aber schnell in die politischen „Höhen“. Schon 1949 wird er Kreisvorsitzender der CDU in Neuwied. Der Jungen Union, die er als Landes- und Bundessekretär betreut hat, ist er insofern immer verbunden geblieben als ihm die Angelegenheiten der jungen Generation bis ins hohe Alter besonders wichtig waren und er hier immer besonders wach und aufmerksam zugehört hat.

Bereits 1959, mit gerade einmal 31 Jahren, wird er Mitglied des Landtages von Rheinland-Pfalz. In den insgesamt 18 Jahren, die er dem Landesparlament angehört, macht er sich einen Namen als Experte für Innenpolitik, was ihm dann als Weggefährte des Modernisierers Helmut Kohl im zweiten Kabinett des Pfälzer Politikers die Aufgabe des Innenministers einträgt. Gemeinsam mit Bernhard Vogel der die Schulen reformiert und mit Heiner Geißler, der neue Wege in der Sozialpolitik geht, gehört Heinz Schwarz zu jenem Team junger Politiker, das dem Land Rheinland-Pfalz schnell den Ruf einträgt, Vorreiter für kluge politische Neuerungen zu sein.

Im Amt des Innenministers macht sich Schwarz als Vorsitzender der Innenministerkonferenz auch bundespolitisch einen Namen. Der „Macher“ Schwarz ist dabei in eine Zeit hineingeworfen, in der seine zupackende Art und sein Faible für das Thema „Innere Sicherheit“ so wichtig ist wie nie zuvor in der Geschichte des Landes: Seit dem Ende der 1960er Jahre und dann verstärkt auch bereits in der ersten Hälfte der 1970er Jahre verübt die Terrorgruppe RAF (Rote Armee Fraktion) mit ihren führenden „Köpfen“ Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof zahlreiche Gewalttaten, die viele Menschen nachhaltig beunruhigen. In dieser Zeit setzt Heinz Schwarz wichtige und bleibende Impulse für die technische und strukturelle Modernisierung der Polizei und erhöht die Gesamtausgaben für die Sicherheitskräfte um mehr als das Doppelte. Ebenso erkennt er, dass der linksradikale Terrorismus an den Staatsgrenzen nicht Halt macht und setzt sich konsequenter als andere für eine wirksame Zusammenarbeit der Sicherheitsorgane über den nationalen und europäischen Rahmen hinaus ein. Nicht weniger wichtig war sein Einsatz für eine Reform der Kommunalverfassung.

1976 gelingt es ihm bei der Bundestagswahl den Wahlkreis, den zuvor der CDU-Familienminister Wuermeling repräsentiert hatte und der bei der Wahl 1972 an die SPD gefallen war, wieder für die CDU zurückzugewinnen. Auch im Bundestag, wie schon zuvor im Landtag, bleibt Heinz Schwarz einer der Kontinuitätsfaktoren. 14 Jahre lang bis in das Jahr 1990 wird er den Wahlkreis Neuwied repräsentieren. Mit dem Landtags- und Bundestagsmandat kommt er auf eine parlamentarische Karriere, die 32 Jahre lang andauert. Im Bundestag gehört er als Mitglied des Fraktionsvorstandes zu jenen, die den halb respektvollen, halb gefürchteten Beinamen tragen, zu den „Kanalarbeitern“ für Helmut Kohl zu zählen. Tatsächlich hat der „schwarze Hein“ wie er von seinen Parteifreunden genannt worden ist, durchaus als wichtiger Strippenzieher im Hintergrund gewirkt, im Fraktionsvorstand, aber auch im Auswärtigen Ausschuss und in der Partei.

Wer Heinz Schwarz auch in den letzten Jahren erlebt hat – der Adenauer-Stiftung ist er unter anderem über den Krone-Ellwanger-Kreis weiterhin eng verbunden geblieben und noch im Januar 2023 hat er wie stets die Veranstaltung der Stiftung auf dem Petersberg zum Gedenken an den Geburtstag Konrad Adenauers besucht – dem ist in Erinnerung, dass der alte Satz des Chansonniers Maurice Chevalier, ein Mann mit weißen Haaren sei wie ein Haus, auf dessen Dach Schnee liege; das beweise aber noch lange nicht, dass im Herd kein Feuer mehr brenne, auf Heinz Schwarz uneingeschränkt zugetroffen hat. Bis ins hohe Alter blieb er engagiert, kenntnisreich und vor allem so leidenschaftlich und kämpferisch, wie er seine ganze Karriere hindurch geblieben ist. Eine Kraftquelle für den Vater von fünf Kindern – sein Sohn Stefan Schwarz hat das seltene „Kunststück“ vollbracht, als Bundestagsabgeordneter 1990 direkt seinem Vater im Amt nachzufolgen – war nicht nur die Familie, sondern auch sein christlicher Glaube.  Nicht nur seine Familie, auch die CDU und die Konrad-Adenauer-Stiftung werden seine Impulse vermissen und ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Unsere Gedanken sind mit seiner Familie.

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