Sonntag, 1. Juli 1990
Am heutigen Tag ist der Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR in Kraft getreten. Außerdem gibt es an der innerdeutschen Grenze seit heute keinerlei Kontrollen mehr. Der Bundeskanzler nennt das in einer Fernsehansprache einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Einheit und einen großen Tag in der Geschichte der deutschen Nation.
Ausdrücklich weist Kohl darauf hin, dass es noch harte Arbeit erfordern werde, bis Einheit und Freiheit, Wohlstand und sozialer Ausgleich für alle Deutschen verwirklicht sein werden. Viele Menschen in der DDR müssten sich auf neue und ungewohnte Lebensbedingungen einstellen. In gemeinsamer Anstrengung werde es aber gelingen, die Lebensbedingungen rasch und durchgreifend zu verbessern und die neuen Bundesländer bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohne. Wenn alle mit anpackten, werde es gemeinsam zu schaffen sein.
Kohl betont auch, dass Opfer in der Bundesrepublik notwendig seien. Ein Volk, das dazu nicht bereit wäre, hätte seine moralische Kraft längst verloren. Er ruft die Deutschen in der Bundesrepublik auf, den Landesleuten in der DDR weiterhin zur Seite zu stehen. Das sei ein selbstverständliches Gebot nationaler Solidarität. (S.292)