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Portrait von Christoph Strack (KNA)

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Megosztás

Ein gesamtdeutscher Politiker

Bernhard Vogel hat ein Stück deutscher Geschichte geschrieben.

Der CDU-Politiker, der am Mittwoch 75 Jahre alt wird, ist der

einzige Deutsche, der in zwei Bundesländern - Rheinland-Pfalz und

Thüringen - Ministerpräsident war.

"Gott schütze Rheinland-Pfalz". Das war der donnernde

Schlussakkord, mit dem er an einem Novemberabend 1988 seine

letzte Rede als CDU-Chef und als Ministerpräsident des

Bundeslandes beendete. Aufstrebende junge CDU-Politiker hatten

den Aufstand geprobt und ihren Frontmann abgesägt - seit dem

Königsmord siechen sie führungsschwach dahin.

Der Mainzer Landesvater aus der Garde um Helmut Kohl hatte sein

Comeback 1992 in Thüringen. Nach Erfurt soll er 1992 ohne

Schlafanzug oder Zahnbürste gekommen sein. Als Feuerwehrmann für

eine kriselnde Landes-CDU. Sie ging 2003 eleganter mit dem

Ministerpräsidenten um. Seinem Nachfolger Dieter Althaus

hinterließ Vogel ein trotz aller wirtschaftlichen Probleme

aufblühendes Land.

Nach wie vor gilt: Gerade bei Werte- oder Bildungsdebatten kann

der studierte Politikwissenschaftler zur Hochform auflaufen.

Vogel verkörpert, wie auch sein sechs Jahre älterer

sozialdemokratischer Bruder Hans-Jochen, einen heute seltener

werdenden Politiker-Typ. Er setzt auf Klugheit und Kompetenz,

nutzt nicht jedes Mikrofon. Es müsse selbstverständlich sein,

dass Politiker unterschiedlicher Couleur andere Meinungen ernst

nähmen, ohne dem Gegenüber immer gleich Versagen oder böse

Absichten zu unterstellen, meinte Bernhard Vogel einmal.

Das gilt auch für seine kirchliche Karriere: Denn bevor Vogel an

die Spitze eines Bundeslandes trat, wurde er 1972 - mit nicht

einmal 41 Jahren - für vier Jahre Präsident des Zentralkomitees

der deutschen Katholiken (ZdK). Bis heute gehört er dem

Laiengremium an, niemand ist länger dabei als der gesamtdeutsche

CDU-Mann mit dem Erstwohnsitz Speyer.

"Jede Kritik an der Kirche trifft mich auch ein bisschen selber",

sagt Vogel. Dabei war er beim Streit um die

Schwangerenkonfliktberatung in katholischer Trägerschaft in den

1990er Jahren Partei, stritt für den Verbleib im gesetzlichen

Beratungssystem, reiste dafür auch in den Vatikan. Und als die

Kontroverse entschieden war, gehörte er zu den

Gründungsmitgliedern der Stiftung "Donum Vitae", die sehr zum

Unwillen des Papstes weiter innerhalb des staatlichen

Konfliktberatungssystems bleibt und auch den umstrittenen

Beratungsschein ausstellt.

Die Bibel, so Vogel in einem Interview, gebe kein politisches

Programm vor. Und der Glaube lasse den Laien die Freiheit, zu

handeln und zu entscheiden, sei aber "keine Dienstanweisung für

die Politik in Deutschland im 21. Jahrhundert". Für seine Partei

sei das "C" im Namen stets Verpflichtung und nie Anspruch

gewesen. Ein Thema, das in diesen Tagen mal wieder hochkocht.

Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, "seine" Stiftung, der er

von 1989 bis 1995 vorstand und die er erneut seit 2001 leitet,

ehrt ihren Vorsitzenden im Februar mit einem internationalen

Symposium zum Thema "Das Gemeinwohl in einer globalisierten

Welt". Zum Abschluss will auch Bundeskanzlerin Angela Merkel

sprechen. Das passt zu Vogel. Ob als Ministerpräsident in

Rheinland-Pfalz oder Thüringen, ob als Spitzenpolitiker oder als

engagierter Laienkatholik - über seine Partei hinaus ist er ein

Streiter für das Gemeinwohl.

Christoph Strack (Katholische Nachrichten-Agentur)

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