Bereits in ihrer Begrüßung schlug die Stiftungsvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer die Brücke von Konrad Adenauer in die Gegenwart. Der erste Bundeskanzler habe stets auf die Kraft und Verantwortung junger Menschen vertraut. „Konrad Adenauer hat nicht nur an die junge Generation geglaubt, sondern war der festen Überzeugung, dass der Mensch zur Freiheit begabt ist, zur Freiheit geboren ist“, betonte sie.
Vor dem Hintergrund des Jubiläumsjahres wurde deutlich, wie aktuell viele der Fragen geblieben sind, die bereits die Gründergeneration der Bundesrepublik beschäftigten. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz zog diese historische Verbindung. „Es hat zu Adenauers Zeiten ganz fundamentale Diskussionen über die Wirtschaftsform und die Positionierung Deutschlands zwischen Ost und West gegeben. Auch wir haben heute wieder eine Diskussion über die Frage, wo Deutschland in der Welt steht“, erklärte er vor einem jungen Publikum. Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gehörten Vertreterinnen und Vertreter politischer Jugendorganisationen, Stipendiatinnen und Stipendiaten der Stiftung, Auszubildende der IHK Berlin, Angehörige des Malteser Hilfsdienstes sowie Jugendoffiziere der Bundeswehr. Sie brachten bei den Fragen ihre unterschiedlichen Erfahrungen, Interessen und Perspektiven aus den Bereichen Bildung, Ausbildung, Ehrenamt, gesellschaftliches Engagement und politische Beteiligung ein. Entlang der Themen Wettbewerbsfähigkeit, Generationengerechtigkeit und Verteidigungsfähigkeit gewährte Bundeskanzler Friedrich Merz immer wieder Einblicke in den politischen Entscheidungsprozess und betonte die Gestaltungskraft der Politik.
Besonders intensiv wurde über die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft und die wirtschaftliche Stärke Deutschlands diskutiert. Auf die Frage, wie unternehmerische Initiative und wirtschaftlicher Optimismus gestärkt werden können, warb der Bundeskanzler dafür, die Vorzüge der wirtschaftlichen Ordnung selbstbewusster zu vertreten: „Wir müssen als Union die Strahlkraft der wirtschaftlichen Ordnung zu neuem Leben erwecken.“ Auch für die Finanzierung von Innovationen und Gründungen sah er Handlungsbedarf. Deutschland und Europa müssten stärker darauf achten, dass Unternehmen im Land wachsen und investieren können. „Wir müssen dafür sorgen, dass Unternehmen in Europa bleiben. […] Wir brauchen hier in Deutschland einen breiteren Kapitalmarkt.“
Die Fragen deckten ein breites Themenspektrum ab: Eine Stipendiatin in der Auslandsförderung diskutierte mit Bundeskanzler Merz beispielsweise die Herausforderungen der internationalen Rohstoffversorgung. Dieser verwies dabei auf die zunehmenden, geopolitischen Abhängigkeiten: „China macht mit Rohstoffen Politik und setzt uns unter Druck“, stellte er fest.
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Sicherheitspolitik. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fragten nach der Verteidigungsbereitschaft der Gesellschaft, nach internationalen Partnerschaften und nach den Lehren aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Zur Rolle Deutschlands in Europa und zur Unterstützung der Ukraine sagte Merz unmissverständlich: „Wir müssen und werden die Ukraine weiter verteidigen. […] Wir tun es, um unsere Freiheit in ganz Europa zu verteidigen.“
Die Debatte über ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr, die von mehreren Teilnehmern angesprochen wurde, beantwortete der Kanzler mit einer persönlichen Erinnerung an seinen Wehrdienst und leitete davon seinen politischen Standpunkt ab: „Ich bin persönlich der Meinung, dass wir ein gesellschaftliches Pflichtjahr in Deutschland durchaus gebrauchen können“, sagte er. Dabei machte er klar, dass ihm bewusst ist, dass diese Perspektive nicht überall geteilt wird.
Einen breiten Raum nahm die Debatte über Generationengerechtigkeit und die Zukunft der Rentenpolitik ein. Auf die Frage einer jungen Wissenschaftlerin betonte der Bundeskanzler, dass Reformen notwendig seien, um den Wohlstand kommender Generationen zu sichern. Als sie von ihm eine feste Zusage verlangte, das umstrittene schwarz-rote Reformpaket durchzusetzen, antwortete Merz: „Ja, ich möchte diese Reform durchsetzen. Ja, das ist ein Versprechen, den ernsthaften Versuch zu unternehmen, das hinzubekommen.“
Neben den inhaltlichen Debatten gewährte Merz auch Einblicke in seine politische Grundhaltung. Er warb dafür, den Blick nicht ausschließlich auf Krisen und Defizite zu richten: „Wir müssen auch mal wieder mehr über das sprechen, was gut gelaufen ist!“ Gerade Deutschland verfüge trotz aller Herausforderungen über erhebliche Stärken und Chancen und nannte als Beispiel den geglückten Raketenstart von Isar Aerospace. Das deutsche Start-up hatte Anfang September von Norwegen aus erstmals eine Rakete erfolgreich in den Orbit geschickt.
Die Offenheit der jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Bereitschaft des Bundeskanzlers, sich auch kritischen Nachfragen zu stellen, prägten den Charakter des Abends. Das Gespräch zeigte, wie lebendig politisches Interesse und demokratisches Engagement junger Menschen sind, wenn Raum für echten Austausch geschaffen wird. Zum Abschluss würdigte Annegret Kramp-Karrenbauer den respektvollen Dialog zwischen Politik und Gesellschaft: „Ich bin stolz, dass wir heute bewiesen haben, dass es auch anders geht: Wir können respektvoll miteinander diskutieren.“
Im Jubiläumsjahr Konrad Adenauers erinnerte die Veranstaltung nicht nur an das politische Erbe des ersten Bundeskanzlers. Sie machte zugleich deutlich, dass die Zukunft der Demokratie vom Engagement jener lebt, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft unseres Landes aktiv mitzugestalten.
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